Spaziergänger findet tote Greifvögel unter Windrad in Lammerdorf

Kostenpflichtiger Inhalt: Rotmilan und Mäusebussard : Spaziergänger findet tote Greifvögel unter Windrad

Es war kein schöner Anblick für den Spaziergänger, der mit seinem Hund eine Runde gedreht hatte. Bei den Windrädern auf einem freien Feld in Lammersdorf, in der Nähe eines Waldgebietes, lagen zwei tote Vögel auf dem Boden – Gefieder zerzaust und Genick gebrochen.

Es handelte sich wohl um einen Rotmilan und einen Mäusebussard, so die Einschätzung eines Vogelkenners vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Rotmilane jagen vor allem auf einer Fläche mit freier Sicht. Vermutlich sind die Greifvögel in die nahegelegenen (älteren) Windräder geflogen und haben so ihr Leben verloren.

Dass Vögel durch Windkraftanlagen sterben, kommt immer mal wieder vor, auch wenn es kein alltägliches Bild ist, das sich Spaziergängern bietet. „Die Wiese war frisch gemäht, daher sind mir die Vögel aufgefallen“, sagt der Spaziergänger.

Vogelschutzwarte sammelt Zahlen

Die Staatliche Vogelschutzwarte des Landesamtes für Umwelt in Brandenburg trägt seit 2002 die Zahl der Vögel, die durch Windräder getötet werden (auch Schlagopfer genannt), in Deutschland zusammen. Demnach sind seitdem bis Anfang Januar dieses Jahres 40 Rotmilane in Nordrhein-Westfalen (bundesweit: 458), 39 Mäusebussarde (562) und 47 (3675) Fledermäuse durch Windkraftanlagen umgekommen. Eine steigende Tendenz ist laut Tobias Dürr vom Landesamt für Umwelt Brandenburg nicht ableitbar. „Die Fundmeldungen schwanken zu sehr von Jahr zu Jahr. Das, was über Zufallsfunde gemeldet wird, ist nicht geeignet, Trends abzuleiten“, erklärt er. Eine Verallgemeinerung sei nur möglich, wenn die Suche nach den Schlagopfern entsprechend der Zahl an genehmigten Windrädern versträkt wird, „was aber eher nicht der Fall ist“.

Auch für diesen Mäusebussard endete der Flug tödlich. Diese Greifvogelart wird in Deutschland am häufigsten Opfer von Windrädern. Foto: Schneiders

Rotmilane und Mäusebussarde sind die Vögel, die am häufigsten Opfer der Rotoren werden. Die Daten werden anhand von Kontrollen und Meldungen von Bürgern erhoben. Bisher gebe es nur wenige flächenhafte und systematische Erfassungen von Schlagopfern, heißt es auf der Internetseite der Vorgelschutzwarte. „Aus den Fundzahlen allein sind keine zuverlässigen Hochrechnungen über die Zahl jährlicher Verluste einzelner Arten ableitbar, bestenfalls sehr vorsichtige Mindestwerte“, heißt es dort.

Genaue Zahlen für unsere Region zu bekommen, ist schwierig. Der Pressesprecher der Städteregion Aachen, Detlef Funken, erklärt, dass „ganz, ganz selten Hinweise zu verunglückten Tieren“ kommen. „Es wird vorher ja auch geprüft, wo Windräder am besten aufgestellt werden können.“ Zu Brutstätten des Rotmilans sollte beispielsweise ein Mindestabstand von 1500 Metern eingehalten werden, und in einem Umkreis von mindestens 4000 Metern sollten wichtige Nahrungsräume und Flugwege freigehalten werden. Das empfehlen Staatliche Vogelschutzwarten im „Helogoländer Papier“.

Weil die Wiese gemäht war und noch kein Raubtier den Kadaver wegetragen hat, konnte ein Spaziergänger das Tier erblicken. Foto: Schneiders

„Ich persönlich habe noch nicht viele tote Vögel bei Windrädern gesehen, aber schon häufiger davon gehört“, sagt Vogelkenner Heinz Weishaupt vom Nabu-Kreisverband Aachen-Land. Er erinnert sich konkret an einen Fall eines toten Rotmilans am Windpark in Strauch. „Es kann durchaus sein, dass man die verunglückten Vögel nicht findet. Bestimmte Raubtiere laufen die Windräder ab“, sagt Weishaupt. Es sei somit schwierig, eine Beurteilung über die Anzahl der toten Vögel in der Region zu treffen. Es gebe aber Vögel, die gefährdeter sind als andere. Kohlmeisen finde man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht unter den Opfern, Zugvögel hingegen eher.

„Es trifft natürlich die Vögel, die in einer gewissen Höhe fliegen“, sagt Rainer Hülsheger vom NRW-Vorstand der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU). „Mäusebussarde gehören zu den am häufigsten getöteten Vögeln durch Windräder, weil sie keine Angst vor ihnen haben“, erklärt der Naturschützer weiter. Wenn Greifvögel (mit hoher Geschwindigkeit) jagen, schauen sie nach unten. Oft nutzen sie auch die Thermik der Räder. Beides sind zusätzliche Gründe, weshalb es zu den Unfällen kommen kann. Den Rotmilans sieht Hülsheger noch gefährdeter als den Mäusebussard. „Der Bussard vermehrt sich stärker als der Rotmilan, deswegen wird die Gefährdung des Bussards nicht so wahrgenommen wie beim Rotmilan“, sagt der Naturschützer. Der Greifvogel habe in Deutschland seinen Hauptlebensraum. „Deutschland hat also eine besondere Pflicht dem Vogel gegenüber. Der kommen wir nicht nach, wenn wir Windräder aufstellen“, sagt Hülsheger. Der Rotmilan stehe (im Gegensatz zum Bussard) auf der Liste der gefährdeten Arten durch Windräder.

Regelungen für Windparks

Bevor Windparks entstehen, muss geprüft werden, ob diese im Vorfeld mit dem Artenschutz vereinbar sind. Neben Schutzzonen gibt es weitere Maßnahmen, damit Vögel nicht in die Rotoren geraten. Die Stawag betreibt einige Windparks in der Nordeifel und verweist auf das Genehmigungsverfahren. „Im Rahmen der Genehmigung prüfen die Behörden alle Belange von Fauna und Flora. Daher gelten für einige Anlagen automatische Abschaltregelungen bei Kranichzug, für andere ein Fledermausmonitoring“, erklärt Eva Wußing von der Stawag. „Wir haben selbst noch keinen Vogelschlag festgestellt, auch wenn er nicht auszuschließen ist.“

Technische Systeme könnten auch helfen. Per Radar-, GPS oder Senorsystem soll dann erkannt werden, wenn sich ein Vogel nähert und es können dann Störgeräusche ausgesendet oder gar die Rotorblätter abgeschaltet werden. In diesen Bereichen wird noch geforscht, um einen zuverlässigen Schutz zu gewährleisten.

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