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Monschau: Sparfüchse und getrockneter Grünabfall

Monschau : Sparfüchse und getrockneter Grünabfall

Irgendwann platzte Bürgermeister Theo Steinröx der Kragen: „Meinen Sie eigentlich, die Monschauer Bürger mutieren von einem Tag auf den anderen zu Abfallsündern, die krampfhaft darauf bedacht sind, ihren Müll in die Landschaft zu kippen und für ein paar Cent Gebühr ihr gesamtes Abfallverhalten zu ändern?”

600 mehr oder weniger sinnreiche Fragen sind nach Zählung der Verwaltung bei den Informationsveranstaltungen über das neue Abfall-Wiegesystem in den sieben Stadtteilen von Bürgern gestellt und größtenteils beantwortet worden. „Aber jetzt muss es auch mal gut sein, jetzt sollten wir einfach mal das neue System abwarten und sehen, was sich ergibt. Und wenn gewisse Dinge eintreten, dann kann der Rat immer noch Änderungen vornehmen”, reagierte Steinröx empfindlich auf eine Nachfrage des Abgeordneten Erwin Jansen (SPD) aus Höfen.

Der hatte ausgerechnet, dass Sparfüchse die Abfallgrundgebühr zahlen und sich dann mit den neu eingeführten 30-Liter-Müllsäcken zum Einzelpreis von 2,10 Euro eindecken könnten. „Dann stellen sie ihre Tonne gar nicht raus, sonder nur noch die vollen Müllsäcke und müssen keine Gewichtsgebühr bezahlen”, konstruierte Jansen. Ab 7,5 Kilogramm Füllgewicht des gekauften Müllsacks stünde man sich so besser als 28 Cent je Kilo Müll in der Tonne zu bezahlen, so der Sozialdemokrat.

Dass die Bürger so taktieren, ihr Abfallverhalten ändern und auch beim Müll so auf den Cent schauen wie an der Tankstelle, glaubt man bei der Verwaltung nicht. „Bei diesem System geht es doch vor allem darum, bewusster mit dem Müll umzugehen, noch besser zu trennen und so Gebühren zu sparen”, meinte Margareta Ritter. Und die Beigeordnete der Stadt widersprach auch Martina Rader (SPD), die es für besser gehalten hätte, „zwar die fahrbare 60-Liter-Tonne einzuführen, aber eine pauschale Jahresgebühr für alle zu berechnen”. Margareta Ritter: „Dann wäre unsere Müllmenge deutlich angestiegen, und das ist ja genau das, was wir verhindern möchten.”

Rader stimmte als einzige Vertreterin der SPD gegen das neue System und die Gebührensatzung, auch die FDP schwenkte um auf eine Komplett-Ablehnung des neuen Systems, „weil es sozial ungerecht ist und spätestens ab fünf Personen in einem Haushalt teurer wird als bisher”, so Paul Hüllenkremer.

Auch Roland Thimm vom Bürgerforum hat das neue System schon zuhause ausprobiert und seinen Müll testweise gewogen. „Man muss seinen Grünabfall schon trocknen, sonst wird es richtig teuer”, hat er festgestellt und fing sich gleich eine Rüge der Grünen ein: „Grünabfälle gehören ja auch nicht in den Restmüll, sondern in die Grünabfallsammlung oder auf den Kompost”, meinte Werner Krickel, doch Thimm hielt entgegen, dass ein Komposthaufen, richtig betrieben, „viel Arbeit ist und vor allem für ältere Bürger oder Bewohner der Altstadt nicht so einfach ist”. Was Roland Thimm aber noch mehr stört, ist die Tatsache, dass die großen Gefäße und Container (240 bis 1100 Liter) teils über 30 Prozent billiger werden. „Wo bleibt denn die Ersparnis für die Bürger mit der normalen Tonne?”

Auch auf diese Frage riet die Verwaltung, ein paar Monate mit der neuen Gebühr ins Land gehen zu lassen. „Im Januar 2010 wird spitz abgerechnet, dann sind wir schlauer”, hielt auch Werner Krickel es mit „Abwarten und Tee trinken”. „Das neue System haben wir vor einem Jahr doch auch deshalb eingeführt, weil wir nur so eine einheimische Firma in die Neuausschreibung einbeziehen konnten”, erinnerte Theo Steinröx. „Dabei ging es auch um 25 Arbeitsplätze in der Stadt Monschau und um Gewerbesteuer”, so der Bürgermeister.

Und so beschloss der Rat mit großer Mehrheit, aber nicht ohne Gegenstimmen - im Hauptausschuss hatten sich die Zweifler lediglich enthalten - die Gebühren für den Zeitraum vom 1. Mai bis zum 31. Dezember 2009 (siehe Kasten). Darin enthalten ist auch der Stückpreis von 2,10 Euro für den neuen 30-Liter-Müllsack, dessen Einführung zuvor beschlossen worden war.

Und zum Ende der Sitzung zerschlug der Rat - diesmal einstimmig - auch den gordischen Knoten der Windelproblematik. Das genaue Procedere wird zwar erst zum Jugendausschuss am 6. Mai von der Verwaltung vorgelegt, fest aber steht: Familien mit Kleinstkindern oder Pflegebedürftigen erhalten demnächst kostenfreie Windelsäcke.