Sozialdemokraten kündigen eigenen Bürgermeisterkandidaten an

Simmerather SPD zeigt sich hochmotiviert und „angesäuert“ : Selbstbewusst ins Kommunalwahljahr

„Wir werden ein gutes Team in den Wahlkampf schicken und wir werden auch einen guten Bürgermeister-Kandidaten aufstellen“, verkündete die Vorsitzende des SPD-Ortsverbandes Simmerath Gabriele Keutgen-Bartosch.

Kurz darauf macht auf der Mitgliedersammlung die Nachricht aus den Social-Media-Kanälen zur Aufstellung von Bernd Goffart als CDU-Bürgermeisterkandidat die Runde.

Dass von der politischen Konkurrenz eine „Kesternicher Lehmschwalbe“ im Anflug auf das Rathaus ist, beunruhigte die Genossen überhaupt nicht, da sie an diesem Abend auch ohne Anwesenheit ihres verhinderten Fraktionsvorsitzenden Gregor Harzheim offenbar vor Selbstvertrauen strotzten.

Bezüglich ihres Kandidaten für den Rathaus-Chefsessel hüllte sich die Vorsitzende allerdings in Schweigen, da im Fraktionsvorstand noch keine Entscheidung getroffen worden sei. Angedeutet wurde, dass man vermutlich im Januar Ross und Reiter nennen wird. Man ist also noch auf der Suche nach dem passenden Kandidaten oder der Kandidatin.

Bis dahin darf spekuliert werden, da die Personaldecke für diesen Posten auch nicht gerade dick ist. Hinter der Hand wird gemunkelt, dass Gregor Harzheim nicht will und Stephan Kaever, der bei der letzten BM-Wahl mit 37,4 Prozent gegenüber Karl-Heinz Hermanns mit 62,6 Prozent eine deutliche Abfuhr erhielt, in einem zweiten Anlauf auch nicht zur Verfügung steht.

Dennoch sehen sich die Genossen überaus gut aufgestellt. „Wir haben ein tolles Team und sind auf einem guten Weg“, so Keutgen-Bartosch, dem sich Manfred Sawallich unisono anschloss und selbstbewusst ergänzte: „Wenn man nicht gerade CDU-Wähler ist, führt kein Weg daran vorbei, uns zu wählen.“ Das klingt nach absoluter Überzeugung und uneingeschränktem Selbstvertrauen.

Mit welchem Team man dann im nächsten Jahr in den Wahlkampf ziehen wird, ist letztlich auch noch nicht ganz klar. Einige Ratsmitglieder werden nach einem Blick in ihren Pass und Sichtung ihres Geburtsdatums sicher überlegen, ob sie bei der Kommunalwahl am 13. September noch einmal für fünf Jahre in den Ring steigen.

Bei dieser Entscheidungsfindung kommen bei diesem Personenkreis eventuell auch noch berufliche Ambitionen, familiäre und gesundheitliche Gründe hinzu, womit nach derzeitigem Stand die Personaldecke bei den Simmerather Genossen dünn werden könnte.

Mehr als „angesäuert“ zeigte man sich auf der Versammlung auch neun Tage nach der Sitzung des Generationen-, Schul- und Sozialausschusses, wo es zur Flüchtlingsunterkunft Langschoss hoch hergegangen war. Franz-Josef Hammelstein sprach hierzu von einem „Eklat“ und Keutgen-Bartosch stellte zur Kritik von Bürgermeister Hermanns, dass ein Mitglied der SPD den Westdeutschen Rundfunk (WDR) nicht wahrheitsgemäß unterrichtet habe, fest: „Wir waren entsetzt, enttäuscht und wütend über die Vorwürfe des Bürgermeisters.“

Auch wenn sich im Nachhinein inzwischen längst herausgestellt hatte, wie auch von Hammelstein eingeräumt, dass Hermanns in der Sache vom WDR falsch unterrichtet wurde, brodelten die SPD-Gemüter auf der Mitgliederversammlung immer noch auf Hochtemperatur. Zum SPD-Dauerthema Langschoß, zu dem die Genossen bisher allerdings auch keine alternativen Standortvorschläge brachten, hielten Keutgen-Bartosch und Hammelstein im Tenor fest: „Wir müssen uns kurz- oder mittelfristig von Langschoß trennen.“

Ein imageträchtiger Termin steht für den SPD-Ortsverband im Übrigen bereits am 10. Dezember an. Dann findet die letzte Sitzung des Gemeinderates statt, wo die Vorsitzende Gaby Keutgen-Bartosch als Nachfolgerin des verstorbenen Norbert Brewer in den Rat der Gemeinde nachrücken wird. Gleichzeitig wird es auf dieser Sitzung auch eine „kleine Krönungsmesse“ geben, da die Position des 2. stellvertretenden Bürgermeisters durch den Tod von Brewer neu zu besetzen ist.

Welche Personalie die SPD dazu für die Restlaufzeit der Legislaturperiode ins Rennen schickt, ist momentan noch nicht geklärt. Allerdings hoffen die Simmerather Genossen, dass die Mehrheitsfraktion von CDU/Grünen allein aus „Pietätsgründen“ nicht die Muskeln spielen lässt und den SPD-Kandidaten durchwinkt. Hierzu war aus CDU-Kreisen jedoch hinter vorgehaltener Hand bereits vor Tagen Ablehnung signalisiert worden. Der Kommunalwahlkampf lässt grüßen.

Friedliche Töne schließlich zum Ende der Versammlung. Der Mitgliederbeauftragte und Rollesbroicher Ortsvorsteher Marc Topp deutete an, dass für den Mobilfunkmast in Rollesbroich noch ein Funken Hoffnung besteht, und Gabriele Keutgen-Bartosch hielt in einer persönlichen Erklärung, „ohne Absprache mit dem Fraktionsvorsitzenden Harzheim“, zum scheidenden Bürgermeister Hermanns fest: „Es war nicht immer einfach mit ihm.“ Keutgen-Bartosch attestierte Hermanns darüber hinaus als absoluten Verwaltungsfachmann ein engagiertes Arbeiten und großes Engagement für das Ehrenamt.

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