Rohren: Sommerbobbahn: Ist am Ende des Jahres in Rohren Schluss?

Rohren: Sommerbobbahn: Ist am Ende des Jahres in Rohren Schluss?

Noch sausen die Bobs bei gutem Wetter jeden Tag die 751 Meter lange Edelstahlbahn in Rohren hinunter, und der Lift dreht unermüdlich seine Runden. Doch die Sommerbobbahn und das Wintersportzentrum, die jahrzehntelang in dem kleinen Dorf die Attraktion waren und Tausende Besucher anzogen, stehen vor dem Aus.

„Im Moment gehe ich zu 100 Prozent davon aus, dass hier Ende des Jahres Schluss ist“, sagt Betreiber Manfred Stein. Dafür nennt er mehrere Gründe: Die bescheidene Schneelage in den vergangenen Wintern sei ein wesentlicher Faktor. Der Winterbetrieb habe sich in den vergangenen sechs Jahren „nie gerechnet“. Nur der Winter 2013/14 und der vergangene Januar seien „relativ gut“ gewesen.

Prominenter Besuch im Jahr 1996: Auch der damalige Bundespräsident Roman Herzog wagte eine Fahrt auf der Sommerbobbahn. Foto: P. Stollenwerk

„Es hat auch in den 1970er und 1980er Jahren schlechte Winter gegeben. Um das zu kompensieren wurde ja damals die Bobbahn gebaut“, sagt Stein. Hier sehe die Bilanz auch deutlich besser aus. „Der Sommerbetrieb rechnet sich auf jeden Fall, aber was ich investiere, muss ich auch wieder rein bekommen“, sagt Stein. Die stärksten Monate seien in der Regel Juli und August, weil dann die Sommerferien sind. Wenn das Wetter mitspiele seien auch der April und Oktober gut, wegen der Oster- und Herbstferien. Gute Umsätze gebe es auch an langen Wochenenden im Mai und im Juni.

Ein Bild aus den ersten Tagen: Die Bobbahn sollte auch in den Sommermonaten Touristen nach Rohren locken. Foto: Archiv

TÜV-Termin im Dezember

Ein weiterer Faktor sei eine deutliche Erhöhung der Fremdenverkehrsabgabe durch die Stadt Monschau, was den Winterbetrieb noch unrentabler mache. Außerdem sei es ihm nicht möglich, langfristig zu investieren, wenn der Pachtvertrag jährlich kündbar sei. „Und hier ist einiges, was gemacht werden müsste“, sagt Manfred Stein.

Ein Beispiel sei die Tretbahn, für deren Instandsetzung rund 1000 Euro nötig wären. „Die holt man aber in einem Jahr nicht wieder rein“, sagt Stein.

Außerdem stehe im Dezember ein TÜV-Termin für den Skilift und die Bobbahn an. „Da ist man locker mit einem fünfstelligen Betrag dabei, wenn man alles selbst machen kann.“ Allein die Erneuerung des Drahtseils würde mit etwa 13.000 Euro zu Buche schlagen. Hinzu kämen einige rostige Stellen, und auch die Stützen und die Laufrollen müssten überholt werden.

All das möchte der Pächter unter den derzeitigen Bedingungen nicht mehr allein schultern. Seit er den Betrieb vor sechs Jahren übernommen hat, sei von den Eigentümern nichts mehr in die Anlage investiert worden. „Weil ich alles selbst gemacht habe, war der Betrieb noch so lange möglich, sonst wäre hier schon vor fünf Jahren Schluss gewesen“, sagt Stein. Er vergleicht die Situation mit einem alten Haus mit Investitionsstau. „Das kann man lange Zeit so vermieten, aber irgendwann muss eben etwas getan werden.“

Nach dem Tod von Rudi Hermanns, der das Wintersportzentrum und die Sommerbobbahn aufgebaut hatte, habe die Frage im Raum gestanden, ob der Betrieb verkauft, verpachtet oder eingestellt werde. Er habe sich dann die Bilanzen der vergangenen Jahre angeschaut und überlegt, zu welchen Konditionen er das Wintersportzentrum und die Sommerbobbahn weiter betreiben könne. Er wagte den Versuch und es wurde ein für beide Seiten jährlich kündbarer Pachtvertrag geschlossen. Die Gastronomie blieb in den Händen der Eigentümerfamilie.

Die Blockhütte mit der Gastronomie ist nun schon seit Anfang April geschlossen. In diesem Jahr sei dies noch kein Nachteil, da die Tatsache nicht allen bekannt sei. „Ein zweites Jahr würde ich das so aber nicht mehr machen. Das lohnt sich dann nicht“, sagt Stein.

„Wir bräuchten einen neuen Vertrag. Da die Eigentümer hier nicht mehr investieren wollen, müsste der Vertrag schon zehn Jahre laufen, damit es sich für mich rentiert. Wichtig wäre aber auch die Gastronomie weiterzuführen, denn wenn es nichts mehr zu Essen und zu Trinken gibt, führt das auch zu Einbußen bei der Bobbahn und beim Skibetrieb“, erklärt Stein. Stattdessen will sich Stein in Zukunft stärker auf den Verleih von Mountainbikes und Aktivitäten im Outdoor-Bereich konzentrieren. „Das wird immer mehr.“

Die Frage, was mit der Bobbahn, dem Lift, der Hütte und dem Gelände passiert, wenn der Betrieb eingestellt werden sollte, kann er nicht beantworten und verweist auf die Eigentümer, doch die wollen sich lieber gar nicht zu dem Thema äußern.

Bis Ende Oktober soll der Betrieb noch normal weiterlaufen. „Dann hoffe ich noch auf viel Schnee im Dezember und danach ist hier für mich Schluss“, sagt Stein.

„Das wäre schrecklich, dann haben wir hier gar nichts mehr. Das wäre eine Katastrophe für den Ort. Wenn uns nicht bald etwas einfällt, wird Rohren zum Schlafdorf“, sagt Rohrens Ortsvorsteherin, Waltraud Haake. Das Dorf sei auf dem Weg zum Tourismusort gewesen. Inzwischen hätten aber schon mehrere Gaststätten geschlossen und die Entwicklung laufe rückwärts. „Dann haben wir nur noch den Waldlehrpfad, der wird dann auch nicht mehr so häufig besucht“, sagt sie. Außerdem befürchtet sie auch Auswirkungen auf das Lebensmittelgeschäft im Ort.

Noch will die Ortsvorsteherin die Hoffnung aber nicht aufgeben, dass doch noch ein neuer Pachtvertrag geschlossen werden kann. „Ich als Ortsvorsteherin werde mich dafür einsetzen, dass vielleicht doch noch eine Lösung gefunden wird“, sagt Haake.