Eicherscheid: Skikeller Eicherscheid hat auch ohne Winter alle Hände voll zu tun

Eicherscheid: Skikeller Eicherscheid hat auch ohne Winter alle Hände voll zu tun

Für viele Menschen ist es ein Traum, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Und manche haben das Glück, dass dieser Wunsch irgendwann in Erfüllung geht. Nicht einmal davon zu träumen gewagt haben wohl Jochen Kaulard und seine Verwandten im Jahr 1989, als alles begann.

„Damals sind wir, meine Brüder Wolfgang und Thomas, unser Vetter Stefan Schroiff und ich, mit unserem Onkel Erich nach Leutasch bei Seefeld in Skiurlaub gefahren. Dazu haben wir uns die Ausrüstung, wie es bei Kindern eher unüblich ist, gekauft statt geliehen“, beschreibt Jochen Kaulard den Anfang der Geschichte. „In der Garage unseres Opas haben wir sie danach selbst wieder auf Vordermann gebracht und die Sachen dann auch Anderen zur Verfügung gestellt“.

Heute, 25 Jahre später, sind er und sein Vetter Stefan Schroiff Geschäftsführer des Unternehmens Ski-Keller Eicherscheid, das mittlerweile auch Standorte in Würselen und Schleiden sowie Annahme- und Rückgabestellen in Bütgenbach und Düren hat und sich in der Winterzeit vor Arbeit kaum retten kann. Über die Jahre hatten sich nämlich immer mehr Ski in dem alten Bauernhaus des Großvaters angesammelt und immer häufiger liehen sich die Leute ihre Ausrüstung für die Urlaube in den Alpen von den jungen Männern oder nutzten den Service, eigene Ski dort schleifen und wachsen zu lassen. Ihr Onkel versorgte sie nach kurzer Zeit mit einer Schleifmaschine, die bald durch eine größere ersetzt und durch eine Wachsmaschine ergänzt werden musste. Anfangs notierten sie ihre Aufträge noch auf Zettel, so dass es vorgekommen sei, dass Skier für den gleichen Zeitraum doppelt verliehen wurden. Doch mit der Anschaffung eines Computers war auch dieses Problem gelöst. „So ist das Ganze immer weiter gewachsen, bis wir im Jahr 2002 den Skikeller Eicherscheid angemeldet haben, denn nebenbei war das nicht mehr zu leisten“, erklärt Jochen Kaulard, der zuvor BWL studiert hat.

Jetzt arbeiten dort neben seinen Brüdern, seinem Onkel und seinem Vetter auch noch zehn Angestellte. Sie zählen derzeit 1400 Ski für Kinder und Erwachsene im Verleih und dazu noch einen kleineren Bestand an Skiern, die zum Verkauf stehen. Auch Skischuhe, Helme, Snowboards, Protektoren und vieles mehr kann man bei ihnen ausleihen und die eigenen Skier professionell zum Schleifen und Wachsen bringen. Außerdem haben sie einen Fußscanner, der die genauen Maße nimmt, und anhand dessen man den richtigen Schuh schnell finden sollte.

„Im Bezug auf die Schuhe haben wir auch noch ein besonderes Angebot: Wer häufiger in den Skiurlaub fährt, überlegt sich nicht selten, eigene Schuhe zu kaufen. Dazu bieten wir an, dass man einen neuen Schuh für einen etwas höheren Mietpreis mitnehmen und probieren darf und wenn man ihn danach kaufen will, nehmen wir den Mietpreis als Anzahlung“, erklärt der Geschäftsführer. Dieses Angebot würde auch sehr gut angenommen.

Ski-Käufe dagegen seien eher rückläufig, beobachten er und seine Mitarbeiter. Denn das Leihen habe einfach zu viele Vorteile. „Zum einen — und das ist bei Kindern besonders wichtig — kann man sich jedes Jahr einen anderen Ski mitnehmen und stets die neuesten Modelle ausprobieren. Zum anderen verliert man einen Tag im Skigebiet, wenn man dort erst mal die Familie ausrüsten muss, während die Zeit für die Beratung dort meistens knapp ist“, so Kaulard. Außerdem sei es in Eicherscheid deutlich günstiger als in den Skigebieten. Und so kommen Familien, Pärchen und Gruppen aus der gesamten Region und noch weiter, und räumen über Weihnachten, Karneval oder Ostern den Skikeller komplett leer. Auch kommen schon mal ganze Schulklassen vorbei und nehmen das Material aus Eicherscheid mit in die Berge.

Wenn in den Skigebieten dann wenig Schnee liegt, haben die Kaulard-Schroiffs sehr viel Arbeit vor sich, denn dann seien die Ski nicht selten durch Steine beschädigt. Den fehlenden Winter in der Region merken sie dagegen nicht. „Viele denken, hier würde sich ein Ski-Verleih nicht lohnen. Aber um in Rohren mit unseren Skiern zu fahren, kommen die wenigsten Kunden her“, erklärt Jochen Kaulard, der gerade erst von einer Schulklasse 120 Ausrüstungen zurückerhalten hat. Und so ist er im Winter häufig erst abends spät zu Hause, egal welches Wetter in der Eifel herrscht. Im Sommer sei es dagegen ruhiger, aber auch da sei noch genug zu tun, bevor Ende Oktober schon wieder die ersten Reservierungen eintrudeln.