Singender Hirte Reiner Jakobs in Höfens Pfarrkirche

Höfen: Singender Hirte: Glänzende Kinderaugen sind sein Lohn

Wenn man Reiner Jakobs, den „singenden Hirten“ aus Höfen mit drei Begriffen beschreiben will, dann denkt man gleich an Krippenbau, Musik und soziales Engagement. Denn das sind Dinge, die das Leben des 76-Jährigen von klein auf geprägt haben.

Schon als Kind hat er sein Akkordeon mit in die Schule genommen und sich in seinem Heimatort einen ausgezeichneten Ruf als Krippenbauer erarbeitet. Seine Leidenschaften pflegt er immer noch mit großer Begeisterung und verzaubert damit Jahr für Jahr Tausende Besucher der riesigen Landschaftskrippe in der Höfener Pfarrkirche St. Michael.

Seit dem 12. November hat Jakobs mit seinen Helfern (Engelbert Roder, Erich Jakobs, Klaus Schülter, Rudi Rader, Günter Below, Georg Hoppe, Karl-Heinz Domalewski, Dr. Paul Jouck und Christoph Jouck) die 30 Meter breite und 15 Meter hohe Landschaftskrippe im Chorraum der Kirche aufgebaut.

Immer wieder neue Details

Leise plätschernd dreht sich schon das Wasserrad. Maria steht noch vor dem Stall von Bethlehem und scheint auf den Teich zu schauen, in dem sich die umstehenden Enten und ein Reiher spiegeln. Umgeben von vielen der rund 60 Schafe, die Reiner Jakobs selbst gebastelt hat, steht ein Hirte im Stall. Ein Stück weiter links ist der heilige Josef in seiner Zimmermannswerkstatt bei der Arbeit und hobelt.

Daneben liegt ein Getreidesack, den die Mäuse angenagt haben und aus dem das Korn rieselt. Hoch oben über der Krippe kreisen Vögel, und dort wo Reiner Jakobs ab Samstag jeden Tag von 10 bis 18 Uhr als singender Hirte Platz nehmen wird, um begleitet von Gitarre, Mundharmonika und Panflöte für die zahlreichen Besucher Weihnachtslieder zu singen, brennt ein Lagerfeuer.

Jedes Jahr lässt sich Jakobs neue Details einfallen, die das eindrucksvolle Kunstwerk bereichern. In der Werkstatt sind viele Einzelheiten hinzugekommen. „Der Josef hat jetzt viel Arbeit“, sagt Jakobs und schmunzelt dabei. Neu ist auch das Elsternest unter dem großen Tuch mit dem Sternenhimmel. Insgesamt tummeln sich rund 250 Tiere in der Landschaftskrippe: Eichhörnchen, Rehe, Füchse, Marder, Katzen und viele andere mehr.

Dekorationsmaterial wie Moos, Gräser und Tannenzapfen haben Jakobs und seine Helfer gleich kistenweise verbaut. Hunderte Schrauben haben sie in den vergangenen Wochen verarbeitet, etliche Meter Kabel verlegt und einen Wald aus Nordmann- und Nobilis-Tannen geschaffen. Mindestens acht, oft auch zehn oder 15 Stunden am Tag haben sie in den vergangenen Wochen gearbeitet, damit am Samstag alles pünktlich fertig ist. Das ist aber quasi nur der Endspurt, denn die Vorbereitungen beschäftigen Reiner Jakobs das ganze Jahr. „Es ist eine Ehre, dem Herrgott ein Haus beziehungsweise eine Hütte zu bauen“, sagt er leise.

Sein Lohn sind die glänzenden Augen der Kinder, aber auch die der Erwachsenen, die gerührt vor der Krippe stehen. Im Laufe der Jahre haben die Besucher etliche Gästebücher mit ihren Gedanken und Empfindungen gefüllt. Sie werden von Jakobs wie ein Schatz gehütet, denn sie erzählen davon, wie tief er die Menschen berührt.

Die Besucher danken ihm dafür oft mit einer Spende. So kommen jedes Jahr Zehntausende Euro zusammen, die er an den Förderverein „Hilfe für krebskranke Kinder“ am Klinikum Aachen weiterleitet.

Im 27. Jahr schlüpft Reiner Jakobs nun schon in die Rolle des singenden Hirten und freut sich darauf, am Samstag wieder die Felljacke anzulegen und den Hut aufzusetzen. Den entsprechenden Rauschebart lässt er schon seit September wachsen.

Die Krippenbesucher kommen mittlerweile gleich busweise und längst nicht nur aus der näheren Umgebung. Aus weiten Teilen Deutschlands und den benachbarten Ländern strömen sie in die Höfener Pfarrkirche. Dass sie den Weg nicht umsonst machen, dafür sorgt auf Anmeldung die Ehefrau von Reiner Jakobs. Sie koordiniert die Termine, weiß, wann Messe ist, die Kirche wegen einer sonstigen Veranstaltung belegt ist und ihr Mann gerade vor Ort zahlreiche Lieder anstimmt.

Eine besondere Freude ist es für den singenden Hirten, wenn sich Kindergartengruppen angemeldet haben und zu Besuch kommen. Dann werden vor der Krippe Schaffelle ausgebreitet, und Jakobs singt mit den Kindern gemeinsam Weihnachtslieder.

Am Anfang dieses Jahres wurde Reiner Jakobs für seinen unermüdlichen Einsatz vom damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck geehrt und zum Neujahrsempfang ins Schloss Bellevue eingeladen. Er war einer der wenigen, die am Tisch des Präsidenten Platz nehmen durften. Dieses Erlebnis hat Eindruck hinterlassen und bleibt für ihn unvergesslich. „Das war bisher das Schönste überhaupt“, sagt Jakobs.