Ehemalige Jagdhütte: Villa im Kalltal beschäftigt bald die Richter

Ehemalige Jagdhütte : Villa im Kalltal beschäftigt bald die Richter

Ursprünglich ging es nur um eine schlichte Jagdhütte mitten im Wald, die Waidmännern im Kalltal bei widrigem Wetter Unterschlupf bot. Mittlerweile steht an der Zufahrt zur Talsperre jedoch eine stattliche Villa: Was seit mehr als zwei Jahren für Verwunderung im Ort sorgt, beschäftigt nun das Verwaltungsgericht Aachen.

Die Bauaufsicht der Städteregion sieht in den massiven Um- und Anbauten am Haus und auch den Veränderungen im Landschaftsbild genehmigungspflichtige Erweiterungen und verlangt vom Eigentümer den Rückbau. Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion, formuliert das so: „Die Erweiterung des Hauses hat den Bestandsschutz erkennbar verlassen.“ So bestünden insgesamt erhebliche Bedenken hinsichtlich des Landschaftsschutzes und des Wasserrechts.

Wanderer wunderten sich

Tatsächlich hat der Umbau im Kalltal von Beginn an viele Fragen aufgeworfen. In alten Flurkarten ist die Immobilie als Jagdhaus eingezeichnet worden. Im Laufe der Jahre wurde das Haus aber offenbar bereits vom Vorbesitzer geringfügig erweitert. Vor rund drei Jahren wechselte das idyllisch gelegene Grundstück unterhalb des Feld- und Wanderwegs „Im Noelsief“ dann den Besitzer.

Ein Unternehmer, der mit einem Fleischwarenkonzern im Ruhrgebiet zu Wohlstand gekommen war, erwarb das Hanggrundstück und sicherte sich im Rahmen einer Versteigerung gleichzeitig die Jagdrechte im Kalltal.

Es dauerte nicht lange, bis sich Wanderer über erste Veränderungen wunderten: Anfang 2017 ließ der neue Eigentümer einen kompletten Waldhang roden und das Gelände planieren. Im Zuge der Erdarbeiten wurde der Bachlauf teils verändert, es entstanden einige Teiche mit einer kleinen Holzbrücke. Gleichzeitig wurde die Straße zur Talsperre asphaltiert – sie dient dem Eigentümer seither als Zufahrt zu seinem Grundstück.

Auch das Haus erfuhr manche Veränderung. „Zuerst war da nur eine Terrasse. Später wurde ein Wintergarten daraus. Und nun ist es offenbar ein ganz normaler Wohnraum“, beschreibt ein Beobachter aus dem Ort die Veränderungen. Diese sind für alle Passanten gut nachzuvollziehen, da der oberhalb gelegene Wanderweg freie Sicht auf das gesamte Grundstück bietet. „Im Kämpchen mussten die Leute ihre Gartenhäuser abreißen – und hier entsteht mitten in der Natur ein solcher Riesenbau. Das kann doch kein Mensch verstehen“, ärgert sich der Lammersdorfer, der seinen Namen nicht nennen möchte.

Derlei Bedenken teilt man allerdings inzwischen auch bei der Städteregion. „Wir haben uns das Mitte vergangenen Jahres sehr genau angeschaut“, sagt Funken. Seit dem 20. Dezember liegt der Fall nun bereits beim Verwaltungsgericht Aachen. Eine Verhandlung ist in der Sache allerdings bislang noch nicht terminiert.

Zusätzliche Brisanz hatte der Fall zwischenzeitlich durch einen Streit verschiedener Jagdpächter im Kalltal gewonnen. Der mittlerweile nicht mehr dort aktive Jagdaufseher des neuen Eigentümers hatte offenbar unter anderem Schilder mit der Aufsicht „Jagdbetrieb! Lebensgefahr! Betreten verboten!“ angebracht und offizielle Wanderwege mit rotweißem Absperrband und Geäst versperrt. Die Schilder wurden nach Recherchen unserer Zeitung im vergangenen Jahr wieder entfernt. Sie waren nach Einschätzung der örtlichen Jägerschaft nicht rechtens.

Im Ort sei der Jagdaufseher zudem dadurch unangenehm aufgefallen, dass er sich bisweilen abgeschnittene und noch blutige Hirschhoden an den Kuhfänger seines Geländewagens gebunden habe und damit durch Lammersdorf gefahren sei, heißt es. Auch Kinder hätten sich dieses Schauspiel ansehen müssen. Oft seien auswärtige Jagdgesellschaften in einem solchen Zusammenhang auffällig geworden.

Mittlerweile ist zumindest in diesem Punkt wieder Ruhe im Kalltal eingekehrt – allerdings ließ sich selbst dieser Streit nicht ohne die Beteiligung von Gerichten klären. Auch jetzt ärgern sich hiesige Jäger noch darüber, dass am Rande des Naturschutzgebietes „nun alle 50 Meter ein Hochsitz steht“, wo man früher mit Rücksicht auf das Vorkommen des seltenen Schwarzstorches bewusst auf eine Bejagung verzichtet habe.

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