„Viel Klang“ in Simmerath: Kein Wettbewerb und nur Sieger

„Viel Klang“ in Simmerath : Kein Wettbewerb und nur Sieger

Das war kein Wettbewerb: Die vierte Auflage von „Viel Klang“ hatte nur Sieger. Die Musiker, die Band, die Organisatoren, die Geldgeber und das Publikum, sie alle verbrachten einen unvergesslichen Abend auf dem Rathausplatz in Simmerath.

Da konnte nicht mal der Regen den vielen Menschen die Laune verderben. „Ich komme mir vor wie bei ‚Voice Kids’“, sagte Heike Ungermann aus Monschau mit einem Lächeln. Sie stand mit 400 anderen begeisterten Menschen im Publikum und hörte die elfjährige Sofie Meier, die gerade sang: „Mut ist, wenn die Schranke im Kopf zerbricht.“ Diese Schranke gab es bei Sofie gar nicht. „Wenn ich singe, fühle ich mich wohl“, hatte sie dem Publikum verraten und sang. Erst nur begleitet von ihrer Gesangslehrerin, der Sopranistin Miriam Klein, dann von der „Viel Klang“-Band. Die war aus ganz Nordrhein-Westfalen angereist, um für diesen einen Abend die Sänger auf der Bühne professionell zu begleiten.

Da saß Denis Sarp am Schlagzeug, Christoph Chudaska spielte den Bass, Marc Rohles das Keyboard und Raissa Mehner die Gitarre. „Die haben alle Musik studiert und sind Profimusiker“, sagte „Roque4“-Veranstalter Marcel Stoffels, der den Geist dieses so besonderen Festivals beschrieb: „Der Gewinn für die Talente ist das Networking, die vielen Kontakte, die geknüpft werden können, der gemeinsame Auftritt mit Profimusikern und am Ende diese Referenz, mit der man sich überall bewerben kann.“

Davon ist Theo Kersting schon seit dem ersten „Viel Klang“ überzeugt. „Jedes Jahr trete ich auf“, erklärte der frühere Lehrer aus Vossenack, der mal über die Vielfalt sang, mal über Simmerath und dieses Mal über den Regenwald. „Ich habe dieses Lied 1991 geschrieben. Es handelt vom Abbrennen der Regenwälder und ist heute so aktuell wie es damals war.“ Warum kommt der Pensionär jedes Jahr? „Weil die Künstler so gut betreut werden.“

Gut gelaunt, interessiert, gespannt: Das Publikum auf dem Rathausplatz war begeistert von den Talenten. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Die Veranstalter bangten noch um 19.30 Uhr, ob überhaupt jemand kommen würde. Pünktlich zum angekündigten Veranstaltungsbeginn regnete es nämlich so stark, das kaum 20 Leute auf dem Rathausplatz zu sehen waren. Die meisten von ihnen standen unter den Essens- und Getränkepavillons und wollten nicht von der trockenen Stelle weichen. Als zehn Minuten später Petrus ein Einsehen hatte, füllte sich der Marktplatz schnell. Die Werbebanner vor den riesigen Boxen an der Bühne mussten aber weichen. Der Stoff hatte sich so voll Wasser gezogen, dass der Ton verzerrte.

„Letztlich muss heute die Qualität stimmen“, urteilte Marcel Stoffels. Das fand auch Marketingexperte Lars Harmens. „Bei dem Wetter sind die Leute trotzdem gekommen. Das zeigt uns, dass das Konzept ein gutes ist: Talente können sich auf der Bühne ausprobieren, und die Leute sind begeistert.“ Er erinnerte sich noch an den Beginn von „Viel Klang“, als es schwierig war, Talente zu finden, „und in diesem Jahr waren es 60, die sich beworben haben“.

Die Organisatoren von „Viel Klang“: Patrick Pahlke, Marcel Stoffels und Markus Wimmer (v. li.) waren zufrieden und freuen sich auf die fünfte Auflage. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Einer dieser 60 war Felix Offermanns (23) aus Roetgen. Mit „Fly me to the moon“ von Frank Sinatra erntete der Student ebenso viel Applaus wie alle anderen, die auf der Bühne standen. Und was ist nun das Besondere an dieser Veranstaltung? „Dass wir in der Eifel auftreten. Dass wir auf der große Bühne performen und dass wir mit Profis auftreten“, fasste Felix zusammen. Am Samstag gab es nur Sieger. Von Neid keine Spur: „Felix war super“, so das Urteil von Theo Kersting. Und über den urteilten viele im Publikum: „Super. Bei uns ist nicht wichtig, wer und was oder wie alt du bist. Bei uns ist wichtig, dass der auf der Bühne was zu sagen hat“, erklärte Armin Jansen aus Rott.

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