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Bauarbeiten: Urftsee wie eine Mondlandschaft

Bauarbeiten : Urftsee wie eine Mondlandschaft

Die baubedingte Absenkung der Talsperren in der Nordeifel ist eine Besucher-Attraktion. Auch die Rurseeschifffahrt nutzt die Gunst der Stunde.

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man annehmen, dass in diesem Herbst die Urfttalsperre und auch die Rurtalsperre unter einem Lockdown leiden, denn auffällig tief sind die Pegelstände der Rursees und des auch des Obersees, doch mit chronischem Wassermangel oder gar mit Corona hat diese Situation überraschenderweise nichts zu tun.

Während der Hauptsee, dessen hauptsächliche Funktion im Hochwasserschutz besteht, im Spätherbst traditionell vom Wasserverband Eifeler-Rur (WVER) heruntergefahren wird, um Stauraum für die zu erwartenden Winterniederschläge vorzuhalten, ist die Absenkung des Obersees auch diesmal ausnahmsweise von Menschenhand gemacht.

Seit dem vergangenen Dienstag hat der WVER) damit begonnen, den zwischen und Rurberg gelegenen rund 20 Millionen Kubikmeter fassenden Trinkwasser-Stausee abzusenken. Die Absenkung wird voraussichtlich bis spätestens Ende November andauern und steht im Zusammenhang mit der anstehenden Inspektion des Kermeter-Stollens, über den Wasser aus der Urfttalsperre zum Jugendstil-Kraftwerk nach Heimbach-Hasenfeld transportiert wird.

Um diese Maßnahme in Angriff nehmen zu können, muss auch der Urftsee massiv abgesenkt werden, und zwar bis zu einem Meter unter den Einlauf des Stollens. Das Urftseewasser wird in den nur durch die Staumauer getrennten und deutlich tiefer liegenden Obersee abgegeben.

Damit der direkt an die Urfttalsperre angrenzende Obersee über die geöffneten Grundablässe nicht in den Urftsee zurückstaut, muss auch der Obersee um etwa drei Meter abgesenkt werden. Diese Absenkung wiederum erfolgt über die Grundablässe im Paulushofdamm. „Die visuelle Beeinträchtigung für die Anwohner ist daher zwar misslich, aber nicht vermeidbar“, teilte der WVER dazu mit.

Doch auch ein leerer See hat seine Reize, wie man am vergangenen Wochenende beobachten konnte. Es war bestimmt nicht nur das perfekte spätherbstliche Wetter, das zahlreiche Menschen an die Eifeler Seenplatte zog. Der Zulauf der Rur in den Obersee bei Pleushütte und auch das Einruhrer Becken boten den seltenen Anblick einer Schlammlandschaft auf Zeit.

Noch spektakulärer aber ist die Landschaftsszenerie am Urftsee, der nahe zu einer Mondlandschaft gleicht. In Richtung Gemünd ist vom nahezu 50 Millionen Kubikmeter Wasser fassenden Stausee ab der Victor-Neels-Brücke nur noch das Bett der der Urft zu erkennen. Blickt man von der Staumauer hinunter in den Obersee, so zeigt sich ein großer Teil des Urftarms braun gefärbt. Durch das aus dem Grundablass hinausschießende Wasser wird das Sediment mächtig aufgewirbelt.

 Einruhr, das Dorf am See, wird im Moment seinem Zusatznamen nur zum Teil gerecht. Die technisch bedingte Absenkung des Obersees bringt im Bereich Pleushütte das Bett der Rur (li.) ans Licht.
Einruhr, das Dorf am See, wird im Moment seinem Zusatznamen nur zum Teil gerecht. Die technisch bedingte Absenkung des Obersees bringt im Bereich Pleushütte das Bett der Rur (li.) ans Licht. Foto: Peter Stollenwerk

Verwehrt bleibt Wanderern und Radfahrern aber der Weg über die 226 Meter lange Urftstaumauer, da hier bis Jahresende 2020 eine bauliche Ertüchtigung stattfindet und ein Kran den Weg versperrt. Hier läuft gerade die Verstärkung der beiden charakteristischen weißen Grundablasstürme, die aus dem Stausee herausragen. In die beiden Türme werden Stahlmäntel eingesetzt, um die Erdbebensicherheit auch im Extremfall zu gewährleisten. Diese Maßnahme lässt sich der WVER immerhin 350.000 Euro kosten.

Die Inspektion des Kermeter-Stollens soll so zeitnah wie möglich erfolgen, um eventuell einsetzenden, stärkeren Niederschlägen aus dem Weg zu gehen, die dann Wassermassen in den Urftsee bringen könnten. Nach der Inspektion des Kermeter-Stollens werden sowohl die Urfttalsperre als auch der Obersee wieder angestaut.

Die Geschwindigkeit des Anstaus hängt selbstverständlich allein vom Niederschlagsgeschehen in den kommenden Wochen und Monaten ab. Die Absenkung ist mit der WAG, die aus dem Obersee Rohwasser für die Trinkwasserproduktion entnimmt, mit dem RWE als Betreiber der Wasserkraftanlagen und der Bezirksregierung Köln abgestimmt.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Wenn nun umständehalber schon einmal die Situation eingetreten ist, dass der sonst kaum Pegelschwankungen unterworfene Obersee um etwa drei Meter abgesenkt wird, dann will der WVER auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. In den nächsten Wochen werden daher auch Böschungssicherungsarbeiten am Urftarm des Sees sowie an zwei Stellen in Einruhr vorgenommen.

Und auch die Rurseeschiffahrt ist von den Maßnahmen betroffen. Wegen der Oberseeabsenkung mussten die Rurseekapitäne zunächst einmal die Schiffe aus dem Heimathafen Einruhr in Sicherheit bringen, damit sie hier nicht plötzlich auf dem Trockenen liegen.

 Weit weg vom Heimathafen Einruhr: Wegen der Absenkung des Obersees liegen jetzt bis auf Weiteres die Fahrgastschiffe der Rurseeschifffahrt im Dreierpack fest   im Urftarm des Obersees.
Weit weg vom Heimathafen Einruhr: Wegen der Absenkung des Obersees liegen jetzt bis auf Weiteres die Fahrgastschiffe der Rurseeschifffahrt im Dreierpack fest   im Urftarm des Obersees. Foto: Peter Stollenwerk

Die „Seensucht“, die „St. Nikolaus“ und auch die aus dem Fahrbetrieb herausgenommene „Eifel“ liegen jetzt bis auf Weiteres im Dreierpack fest am Ufer vertäut an einer tiefen Stelle im Urftarm des Obersees. Erst wenn wenn der Obersee wieder den normalen Pegelstand erreicht hat, geht es zurück nach Einruhr.

Schifffahrtsjahr beendet

Vor zwei Wochen beendete die Rurseeschifffahrt die Saison 2020, die von mehreren unplanmäßigen Faktoren begleitet war. „Das war ein stressiges Jahr für uns“, zieht Geschäftsführerin Waltraud Heuken eine durchwachsene Bilanz der Saison, die infolge der Coronavirus-Situation erst mit sechs Wochen Verspätung, Anfang Mai, starten konnte.

„Wichtig war uns, dass wir auch in dieser schwierigen Zeit präsent blieben“, ergänzt sie. Der Besucherandrang sei an schönen Tagen hoch gewesen, aber umständehalber habe man nur die Hälfte der Plätze auf den Fahrgastschiffe besetzen könne. Gerade zu Beginn habe das Personal viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, damit die Gäste das Hygienekonzept akzeptiert hätten. Unter dem Strich sei man aber „mit einem blauen Auge“ davongekommen.

Trotz der jetzt herrschenden Winterpause stehen für die Mitarbeiter der Rurseeschifffahrt mit Blick auf kommende Saison noch vorbereitende Arbeiten auf dem Fahrplan. Für alle, die jetzt schon ihre Termine planen möchten: Die neue Fahrsaison soll planmäßig am 27. März 2021 starten.