Theatergruppe aus Lammersdorf präsentiert Komödie Midlife-Express

Ehetherapie auf Schienen : Komödie „Midlife-Express“ auf der Bühne

Wenn das Publikum nach einer Theateraufführung nicht mit seinem Applaus aufhören will und auch noch stehenden Beifall spendet, ist das stets ein Zeichen dafür, dass beste Unterhaltung geboten wurde.

Dieses Szenario bot sich an vier Tagen im Lammersdorfer Pfarrheim, als dort die Theatergruppe des Heimatvereins die Komödie „Midlife-Express“ präsentierte. „Chapeau“ darf man da ruhig für die Laiendarsteller um Regisseur Gerd Skropke ausrufen.

Die turbulente Beziehungskiste spielte in einem ICE, der sich auf der Fahrt von Lammersdorf nach Berlin befand. Darin drei Ehepaare, die allerdings getrennt unterwegs waren, da sie ihren langjährigen Partnern vorgegaukelt hatten, sie würden einen Wanderausflug in deutschen Mittelgebirgen unternehmen.

Astrid Baltus, Petra Kahl und Andrea Prümmer spielten dabei den weiblichen Part, der aus Tarn- und Vergnügungsgründen ohne Eheringe reiste, da man schließlich mit Ringen unter den Augen aus Berlin zurückkommen wollte. Die Damen präsentierten sich als resolutes und kratzbürstiges Trio, das teils kein gutes Haar an den Göttergatten ließ und Mitreisende nebst Zugpersonal nervte.

Lioba Wynands-Görke als „Zug-Biströse“ war davon ebenso betroffen wie Ober-Schaffner Gerd Skropke, der als schrulliger Chef der ganzen Angelegenheit am Ende auch noch als Parlamentär zwischen den Eheleuten vermitteln musste. Hierin eingebunden waren auch noch Lothar Berger, der als alleinreisender Senior mit guten Ratschlägen zwischen den verfeindeten Parteien nicht geizte, und Claire Fontaine (Iris Kahl), die als junge Französin den Charme der Grand Nation ins Abteil brachte. Zusammengefasst betrieben diese Darsteller Ehetherapie auf Schienen.

„Feiern bis der Arzt kommt“

Als Herren der Schöpfung mit ihrer ganzen naturgegebenen Attraktivität glänzten Michael Kahl, Holger Günzl und Alexander Stiels, der den Männerausflug in die Landeshauptstadt unter dem Motto „Feiern bis der Arzt kommt“ organisiert hatte. Mit der allgemeinen Vorfreude auf das anstehende Vergnügungen war es plötzlich vorbei, als sich die Eheleute im Bistrowagen unverhofft begegneten. Da war Schluss mit lustig, und es wurden zur Freude des Publikums gehässige Freundlichkeiten ausgetauscht.

Auch der Abspann ist in Lammersdorf immer wieder erlebenswert. Regisseur Gerd Skropke hat hier eine besondere Art der Vorstellung seines Teams mit hohem Unterhaltungswert gefunden, wofür sich allein schon der Besuch einer Aufführung der Theatergruppe lohnt. Dafür gab es nochmals lang anhaltenden Beifall, der sich noch steigerte, da Skropke eine weitere Überraschung parat hatte.

Im Publikum saß der Autor der Komödie, Bernd Kietzke, der eigens aus Rheinland-Pfalz angereist war, um sich die Aufführung in Lammersdorf anzusehen. Ihm hatte die turbulente Inszenierung ebenso gefallen. Kietzke hatte mit seiner Ehefrau Urlaub in der Eifel gemacht und dann natürlich einen Abstecher nach Lammerdorf unternommen, um sich den Bühnenspaß nicht entgehen zu lassen.

(ho)
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