Steckenborn: Jäger sollen Frischlinge ins Visier nehmen

Jagdmethoden auf dem Prüfstand : Jäger in der Eifel sollen Frischlinge ins Visier nehmen

Wenn der Jäger auf dem Hochsitz geduldig wartet, und ihm dann eine Rotte Wildschweine vor die Flinte läuft, dann wird er in der Regel eher auf einen kapitalen Keiler anlegen als auf die putzig daher hoppelnden Frischlinge zu zielen. Doch der Blickwinkel auf die Schwarzwaldjagd und die traditionellen Jagdmethoden könnte sich bald ändern, denn die Überpopulationen von Schwarzwild, auch in der Eifel, zwingt zum Umdenken.

Wie dieser Schritt auch in der Praxis zum Ziel führen könnte, wurde deutlich bei einer Informationsveranstaltung im Saal Stollenwerk in Steckenborn, wozu die Kreisjägerschaft Aachen Stadt und Land in Kooperation mit der Kreisbauernschaft eingeladen hatte. Über 60 Teilnehmer folgten der spannenden, informativen und zum Teil auch nachdenklich stimmenden Veranstaltung, die von Günther Plum, dem Vorsitzenden der Kreisjägerschaft Aachen Stadt und Land, eröffnet wurde.

Aktuell werden deutschlandweit pro Jahr rund 50.000 Stück Schwarzwild erlegt, aber selbst diese hohe Zahl reicht bei Weitem nicht aus, um den Bestand wirksam zu regulieren. Wege und Maßnahmen zu einer effektiven Bejagung zeigte der Hauptreferent des Abends, Berufsjäger Peter Markett, auf. Der Münsterländer, Leiter des Projektes „Beratender Berufsjäger NRW“, reist durch die Lande und wird nicht müde, seine Forderung auf den Punkt zu bringen, die da lautet, dass Jäger „bei jeder sich bietenden Gelegenheit“ die Frischlinge ins Visier nehmen sollen, selbst wenn es hier noch Hemmschwellen zu überwinden gelte.

Weil die Wildschweine im Land optimale Lebensbedingungen vorfinden würden, steige deren Population rasant an. Klimaveränderungen, eine häufiger als früher wiederkehrende Eichel- und Buchenmast in den Wäldern und ein verstärkter Anbau von Mais (energiereiche Landwirtschaft) seien wie für Schwarzwild geschaffene beste Bedingungen, denen man mit althergebrachten Jagdmethoden nicht mehr begegnen könne.

Kompetente Gesprächspartner zum Thema Jagd: Günther Plum, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Aachen Stadt und Land, Dr. Peter Heyde, Leiter des Veterinäramtes der Städteregion Aachen, Berufsjäger Peter Markett und Revierpächter Michael Schlamann, der Initiator des Informationsabends (v. li.). Foto: Peter Stollenwerk

„Der Motor der Population bei den Frischlingen läuft auf Hochtouren“, sagte der Jagdexperte, da die Jungtiere im Vergleich zu früher heute zeitiger tragend seien. „Wir müssen verhindern, dass die Frischlinge zu Bachen werden“, lautete die drastische Forderung von Markett, der die Dimension verdeutlichte: Aus einem Wildschweinbestand von 20 Tieren in einem Revier gingen pro Jahr bis zu 60 Frischlinge hervor. Mindestens 75 Prozent dieser Frischlinge oder auch noch mehr müssten vorrangig bejagt werden. Markett appellierte an die Jagdkollegen: „Der Abschuss muss in Zukunft unter Berücksichtigung der Sozialstruktur des Schwarzwildes erfolgen.“

Auch seien die natürlichen Beutejäger auf dem Rückzug. Hier brachte Peter Markett den Wolf ins Spiel, für den Frischlinge eine attraktive und leichte Beute seien. Das Argument vieler Jäger, sich dem Abschuss von Frischlingen deshalb zu entziehen, weil diese kaum zu verwerten seien, konterte der Referent mit einigen Zubereitungsrezepten für die Küche. Das einzig effektive Rezept für die geforderte Veränderung bei den Jagdmethoden ist für Markett aber die revierübergreifende Jagd und eine Verbesserung der Kommunikation innerhalb der Jägerschaft. Es führe kein Weg am Zusammenschluss von Revieren zu Jagdgemeinschaften vorbei.

Viel Zustimmung erntete Peter Markett für seine unmissverständlichen Ausführungen, und Michael Schlamann, der Initiator des Abends und selbst Revierpächter im Bezirk Kesternich/Steckenborn, griff den abschließenden Gedanken des Referenten sogleich auf: Man solle in der Region umgehend die Gründung eines Schwarzwildringes für revierübergreifende Drückjagden in Angriff nehmen.