Schließung: Gaststätte „Lammerdorfer Hof“ wird der Zapfhahn zugedreht

Traditionsgaststätte geschlossen : Dem „Lammerdorfer Hof“ wird der Zapfhahn zugedreht

Die Nachricht machte nicht nur im Dorf, sondern auch überörtlich schnell die Runde: In der Traditionsgaststätte „Lammersdorfer Hof“ an der Kirchstraße wird der Zapfhahn zugedreht.

Vor einigen Tagen floss dort zum letzten Mal der Gerstensaft durch die gekühlten Leitungen, wie das Pächterehepaar Cernovs des Hotel-Restaurants den dabei anwesenden Gästen mitteilte.

Das hatte sich schon längere Zeit angedeutet, wozu in der örtlichen Gerüchteküche vielfältige Gründe angeführt wurden. Roland Lüscher und Elgin Roeffen-Lüscher, welche die Lokalität zuvor als Betreiber und Eigentümer mehr als 35 Jahre erfolgreich bis Anfang Mai 2017 betrieben und dann aus Altersgründen verpachtet hatten, bestätigten auf Nachfrage die momentane Schließung.

Wie Roland Lüscher mitteilte, habe man das „Drama“ kommen sehen und bereits vor einem Monat einen Makler mit dem Verkauf beziehungsweise der Neu-Verpachtung beauftragt.

Schmerzlich hinzu kommt, dass man während der Verpachtung noch viel Geld in die Immobilie gesteckt hat, was die Angelegenheit aus Eigentümersicht nicht angenehmer macht. Das Pächterehepaar Cernovs wollte sich nicht zur Schließung äußern. Maria Cernovs erklärte nur: „Wir wollen in Ruhe unsere Koffer packen.“

An der Eingangstür der Gaststätte hat man allerdings einen schriftlichen Hinweis angebracht, auf dem es heißt, „Wir schließen unser Hotel Restaurant“. Darüber hinaus wird der momentane Leerstand der Lokalität vor allem von den örtlichen Vereinen mit Besorgnis zur Kenntnis genommen, da der große Saal der Gaststätte für viele Vereinsveranstaltungen genutzt wurde. Der „Lammersdorfer Hof‘“ war schließlich die zentrale Feierstätte des Ortes.

Ortsvorsteher Franz-Josef Hammelstein ist daher ebenso besorgt und erklärt zum Lammersdorfer Gastronomie-Dilemma: „Die Schließung des Lammersdorfer Hofes durch die neuen Pächter ist keine Überraschung. Denn leider mussten viele Gäste im letzten Jahr erhebliche Mängel in Organisation und Service erleben. Eine Katastrophe für den Ort wäre es aber, wenn für diese Gaststätte mit langer und großer Tradition keine neuen geeigneten Nachfolger mehr gefunden würden.“

Das Hotel-Restaurant hat eine lange Tradition. Dort wurde seit 130 Jahren Gastronomie betrieben. Als die Eltern von Elgin Roeffen-Lüscher noch den Zapfhahn im „Lammersdorfer Hof“ bedienten, floss dort noch Bier der Stolberger Ketschenburg-Brauerei aus dem Zapfhahn.

Ende 1981 ging der Familienbetrieb dann auf die Tochter über, die am 29. Dezember 1981 das traditionsreiche Hotel-Restaurant übernahm. 1883 baute Johann Arnold Frings, ein Bäcker und Wirt aus Fringshaus, das 1826 erstmals urkundlich erwähnte Gebäude in eine Schankwirtschaft mit Tanzsaal um. 1887 richtete Frings dort zusätzlich die erste Postagentur ein, von der aus auch die Bewohner von Rollesbroich, Strauch und Steckenborn per Fahrrad-Kurier die Post erhielten.

Während der Abrissarbeiten der alten Pfarrkirche diente der Tanzsaal 1901 sogar als Gotteshaus. 1964 kauften dann die Eheleute Roeffen das Gebäude, bauten mehrfach um und machten den „Lammersdorfer Hof“ schon damals zu einem beliebten Restaurant und Hotel.

Nun hoffen alle im Ort, dass es im „Lammersdorfer Hof“ bald wieder weiter geht und so schnell wie möglich wieder Gastronomie nebst Bier- und Wintergarten, Hotelbetrieb, Kegelbahn und Gesellschaftsraum (Saal) für Feste und andere Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

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