"Rursee in Flammen" unterm Regenschirm

„Rursee in Flammen“ : Verregnetes Wochenende sorgt für erhebliche Zuschauereinbußen

Ein mächtiger Knall erschütterte am Samstagabend um Punkt 23 Uhr das Eifeldorf Rurberg. 17 Minuten später herrschte wieder weitgehend Ruhe im Ort. In diesem kurzem Zeitabschnitt aber gab es jede Menge zu sehen und hören.

Silberwirbel, Sonnenblumen, gold-blauen Goldregen, fallende Blätter, Blitze und sogar eine Qualle öffneten sich am nächtlichen Himmel und begeisterten die Zuschauer, die nach Ende der Darbietung artig klatschten und eine Zugabe forderten. Sie waren gerade Zeugen des absoluten Höhepunkts beim Traditionsfest „Rursee in Flammen“ geworden.

Dem Höhenfeuerwerk fieberten die Gäste gespannt entgegen, um danach massenweise den Heimweg anzutreten. Auch das hat Tradition beim Rurseefest, das jetzt zum 54. Mal stattfand und sich als größtes Volksfest der Nordeifel bezeichnen darf.

Auch wenn die Menschen ihren Spaß hatten, wird das viertägige Rurseefest 2019 beim veranstaltenden Orts- und Verkehrsverein Rurberg-Woffelsbach rasch in der Erinnerung als wenig einträgliches Fest verblassen. Ein verregnetes Wochenende sorgte dafür, dass die Zahl der in den zurückliegenden Jahren gezählten rund 40.000 bis 50.000 Besucher diesmal deutlich unterschritten wurde. Allein der Bürgerabend am Donnerstag und das Rockkonzert am Freitag litten nicht unter dem schwächelndem Sommer.

Niederschlag ist kein Problem: Die Feuerwerker packten Böller und Batterien in Folie ein. Foto: ZVA/Peter Stollenwerk

Organisationschef Sander Lutterbach und sein Freiwilligen-Team mit rund 260 ehrenamtlichen Helfern waren für die enorme Vorarbeit nur teilweise belohnt worden: „Wir haben an den Zugangsstellen zum Festgelände Tausende Eintrittsbändchen weniger als sonst verkauft. Das zieht uns wirtschaftlich nach unten“, bilanzierte Lutterbach am Abend. Zwar sorgte die Zahl der kurzentschlossenen Besucher noch für einen spürbaren Aufschwung, aber der Nachmittag wurde dafür von gähnender Leere bestimmt. Und auch am Sonntag wurde es nicht besser. Die Wetter-Tristesse raubte auch dem Rursee-Frühschoppen samt Jägertag die Attraktivität und die Gäste.

Auf 38.000 Besucher schätzt Lutterbach in Rücksprache mit der Polizei den Andrang an allen vier Tagen beim Rurseefest 2019.

So schlimm war es mit dem Regen nun auch wieder nicht: Das Fahrgastschiff Stella Maris kreuzte in respektvoller Entfernung der Seewasserfontänen. Foto: ZVA/Peter Stollenwerk

Schon früh waren am Samstag die Hubschrauber-Rundflüge abgesagt worden, weil Nebelschleier im Rurtal die Sicht zu stark beeinträchtigt hätten. Auch das Orchester der Tanzwerkstatt Simmerath sagte witterungsbedingt seinen Auftritt an „Seppis Eck“ ab.

„Trotz allem“, so Sander Lutterbach, müssen wir den Besuchern, die gekommen sind, dankbar sein, weil sie uns die Treue halten.“ Die fehlenden Besuchermassen wurden hingegen von den Anwesenden als weniger dramatisch empfunden. Auf der Festmeile zwischen Grimmischall und Eiserbachdamm konnte man bequem an den rund 100 Verkaufsständen vorbeischlendern, ohne im Gewühl geschoben zu werden, zumal es abends auch eine längere regenfreie Phase gab. Einige Markthändler hatten allerdings auf die Anreise nach Rurberg verzichtet.

Ein Platz mit Aussicht auf den Rursee war beim Rurseefest 2019 war leicht zu bekommen, denn viele Plätze blieben leer. Foto: ZVA/Peter Stollenwerk

Der Regen sorgte andererseits auch beim Veranstalter für entspanntes Aufatmen, denn noch bis Freitagmittag stand das planmäßige Abbrennen des Feuerwerks auf der Kippe. Auf Stufe vier stand zu diesem Zeitpunkt die Waldbrandgefahr, die dann auf Level eins herabgesetzt wurde. Der feine Regen war für das Feuerwerker-Team des Unternehmens Ingmanns & Schmiedeknecht aus Erkelenz kein großes Thema, wurden doch Batterien und Böller einfach in Folie eingepackt. Für den Pyrotechniker sind Windböen der schlimmste Gegner. „Dramatik und Dynamik machen ein gutes Feuerwerk aus“, sagt Thomas Schmiedeknecht, der mit seiner Firma Stammgast in Rurberg ist, seitdem das Feuerwerk auf dem Paulushofdamm abgebrannt wird. Die Choreografie des Feuerzaubers sah vor, die Himmellichter von außen nach innen abzubrennen, um den Damm zwischen Rursee und Obersee stärker zu inszenieren. Diese Absicht dürfte aber für die Mehrzahl der Zuschauer eher schwer erkennbar gewesen sein.

Bis zum Höhepunkt des Abends konnten sich die Besucher derweil an allerhand Lichtern erfreuen. Einige Häuser waren mit bunten Lichterketten geschmückt, auf dem See verkehrten stolz die beiden Fahrgastschiffe der Rurseeschifffahrt, zahlreiche hübsch dekorierte Segelboote mit teilweise durchdringender Musikbeschallung kreuzten übers Gewässer, und die rund 50 Feuerwehrleute der Rurtal-Löschgruppen und aus Eicherscheid hatten in bewährter Weise dafür gesorgt, dass die beleuchteten Seewasserfontänen aus C-Rohren die Blicke anzogen.

Auf der Festwiese am Badesee war vom Besucherandrang her gesehen noch Luft nach oben, als die Coverband „For Example“ ihr Repertoire aktueller Popsongs zeigte. Foto: ZVA/Peter Stollenwerk

Wegen des ungewöhnlich tiefen Wasserstandes des Obersees wurde das Wasser diesmal aus dem sogenannten Oberflur-Hydranten des Pumpwerkes Rurberg entnommen, erläutert Gerd Hüpgen von der Feuerwehr Einruhr. Auch wenn über einen Zeitraum von fünf Stunden minütlich 1200 Liter Wasser in den Rursee wanderten, wirkte sich die Aktion nicht weiter negativ auf den Obersee-Pegel aus, entnimmt der Wasserversorger doch momentan rund 100.000 Kubikmeter Rohwasser täglich aus dem Trinkwassersee.

Zu den treuen Gästen beim Rurseefest gehört auch seit Jahren die Coverband „For Example“, die mit einer Auswahl aus den aktuellen Pop-Charts auf der Festwiese am Badesee das diesmal etwas ausgedünnte Publikum in Stimmung brachte. Um 1.30 Uhr rollte die Band nach zwei Zugaben die Kabel ein.

So wird „Rursee in Flammen“ 2019 als Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse mit mittelmäßiger Stimmung und schwächerer Besucherzahl in die Statistik eingehen. Dennoch hadert Sander Lutterbach nicht mit den äußeren Einflüssen: „Es hat aus organisatorischer Sicht alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben.“

Etwas Positives abgewinnen kann man dem verregneten Fest dennoch: Auf der Heimreise standen die Gäste nicht im gefürchteten Stau, und der Regen, da waren sich alle einig, war echt gut für die Natur.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Feuerwerk zum Abschluss von „Rursee in Flammen“

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