Rekordwachstum bei den Krediten und Einlagen

Raiffeisenbank baut Marktposition aus : Rekordsumme von 114 Millionen Euro fließt von der Bank in die Region

Bei der Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Simmerath in Eicherscheid haben die Vorsitzenden Olaf Jansen und Oliver Lapp den Bericht des Vorstandes präsentiert. Dabei gingen sie insbesondere auf die schwierigen Rahmenbedingungen im Jahr 2018 und die geopolitischen Risiken ein, die Einfluss auf die Finanz- und Kapitalmärkte und damit insbesondere auf die Zinsentwicklung haben.

Trotz des schwierigen Umfelds ist die Raiffeisenbank ist nach wie vor auf Wachstumskurs. Das Kundenvolumen stieg in den letzten fünf Jahren um 200 Millionen Euro und liegt inzwischen bei 687 Millionen Euro. Allein im letzten Jahr war ein Anstieg von 67 Millionen Euro zu verzeichnen. Die Bilanzsumme stieg von 359,1 Millionen Euro auf 407,1 Millionen Euro im vergangenen Jahr und dies insbesondere durch das Wachstum der Kredite – hier war ein Anstieg von 41 Millionen Euro zu verzeichnen – und durch das Wachstum der Kundeneinlagen. Bei Letzteren waren 20 Millionen Euro Zuwachs zu verbuchen.

Das Wachstum bei den Kundenforderungen lag bei 14,3 Prozent. „Damit“, so Lapp, „sind wir drei bis vier Mal so stark gewachsen wie unsere Wettberber und somit haben wir – wie in den letzten Jahren auch – deutlich Marktanteile gewonnen.“ Insgesamt wurden 100 Millionen Euro an neuen Krediten vergeben und auch der Mittelstand wurde wieder gefördert, denn 10,3 Millionen Euro (+154,2 Prozent) an Förderkrediten gingen in die heimische Wirtschaft.

Die Anzahl der Kundendepots stieg um 5,5 Prozent und auch die Ankaufsgeschäfte nahmen deutlich zu. „Die Kunden denken um und investieren inzwischen stärker in Wertpapiere und Fonds.“, so der Vorstand.

Mit einer Vermittlung von 17,88 Millionen Euro beim Bausparen belegte man Platz 2 in Nordrhein-Westfalen und auch die Restkreditversicherungen, die den Kunden absichern gegen die Risiken Tod, Krankheit, Scheidung, Berufsunfähigkeit, fanden wieder einen guten Absatz, sodass die Bank den 3. Platz im Gebiet des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes belegte. Bei den Lebensversicherungen konnte ein Absatzplus von 18,52 Prozent verzeichnet werden. „Insgesamt erkennen Sie, dass wir ganzheitliche Beratung ernst nehmen, dies zeigen die vorderen Plätze in den verschiedenen Bereichen.“, so Jansen.

Trotz Niedrigzinsphase konnte der Zinsüberschuss aufgrund des starken Wachstums leicht ausgebaut werden und auch die Provisionserträge stiegen um 100.000 Euro an. Die Verwaltungsaufwendungen blieben auf dem Vorjahresniveau und die Bank hatte ein positives Risikoergebnis, sodass der Gewinn um 200.000 Euro auf 3,35 Millionen Euro anstieg. „An Steuern“, so Lapp, „mussten wir erstmalig über 1 Million Euro zahlen.“. Die Vertreterversammlung beschloss aus dem Gewinn 1.967.000 Euro dem Fonds für allgemeine Bankrisiken zuzuführen, 350.000 Euro in die Rücklagen zu dotieren und rund 230.000 Euro fließen den Mitgliedern in Form von Bonus und Dividende zu. „Dies“, so Vorstandsvorsitzender Olaf Jansen, „macht keine andere Bank in unserer Region, nämlich Gewinn auch direkt den Mitgliedern wieder als Gutschrift zukommen zu lassen.“ Insgesamt flossen an Krediten, Spenden, Kaufkraft wirksame Nettogehälter und Steuern die Rekordsumme von 114 Millionen Euro in die Region; im Vorjahr waren es 88 Millionen Euro. „Kein Wunder,“, so Lapp, „dass sich hier bei uns so viel bewegt und sich so viel Positives tut.“

Der Vorstand machte darauf aufmerksam, dass man im Oktober das größte Projekt der Geschichte der Raiffeisenbank vor der Brust habe, nämlich die Migration auf ein neues Rechenzentrum. Seit November des letzten Jahres arbeite man hieran mit neun Projekt- und Teilprojektleitern mit 66 externen Schulungen in Kohlscheid und 32 internen Schulungen in Vossenack. Dabei werden alle Mitarbeiter für das neue Kernbankensystem fit gemacht und das leider auch in den Sommerferien und Herbstferien. Und so galt der Dank des Vorstandes der Belegschaft, die mit Engagement, Einsatz und Leidenschaft das tolle Jahresergebnis 2018 erzielt habe. Man sei zuversichtlich, mit dieser Mannschaft die Migration im Oktober gut zu meistern.

Rendite mit Wohnhäusern

Olaf Jansen berichtete über ein neues Geschäftsfeld und zwar baut die Raiffeisenbank Mehrfamilienhäuser beziehungsweise kauft diese an. So wurde zuletzt in der Quadfliegstraße ein Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen erstellt, alle Wohnungen sind bereits vermietet. Aktuell wird der Bau eines Mehrfamilienhauses mit acht Wohnungen in der Bickerather Straße fertiggestellt und für 2020 ist der Bau eines Wohn- und Geschäftshauses in der Fuggerstraße vorgesehen. Hier sollen 25 Wohnungen entstehen. In der zweiten Jahreshälfte 2019 wird die Raiffeisenbank noch weitere Mehrfamilienhäuser in der Städteregion ankaufen, so dass dann Ende 2021 die anvisierten 100 Wohnungen vorhanden sind. Auf Nachfrage eines Vertreters berichtet der Vorstand, dass man hier Renditen mit einer 4 beziehungsweise 5 vor dem Komma erziele. Renditen, so Oliver Lapp, die im Kreditgeschäft nicht mehr zu erzielen sind. Wir haben also unsere Ertragskraft auf ein weiteres Standbein gestellt.

Höhepunkt der Vertreterversammlung war die Ehrung von Ingrid Alt (Vorstandsmitglied bis 28. Februar 2019), die aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt niederlegen musste. Karl-Heinz Tinter, Abteilungsleiter Prüfung und Betreuung der Banken im Genossenschaftsverband, würdigte ihr Arbeitsleben der letzten 48 Jahre. Dabei habe sie etwas geschafft, was es so wohl kaum in Deutschland noch einmal gäbe. Sie habe nämlich das Amt der Betriebsratsvorsitzenden, des Aufsichtsratsmitgliedes und zum Schluss des Vorstandes bekleidet. „Das“, so Tinter, „gibt es wohl in keiner anderen Bank.“ Und so erhielt Ingrid Alt aus den Händen von Herrn Tinter die goldene Ehrennadel des Genossenschaftsverbandes für ihre herausragenden Leistungen und ihren jahrzehntelangen Einsatz im Genossenschaftswesen. Ingrid Alt war sichtlich überrascht und die Vertreter und Belegschaft feierten die Auszeichnung mit Standing-Ovations.

Im Aufsichtsrat standen Wahlen an. Wiedergewählt wurden Petra Motter, Dieter Lutterbach, Jochen Bongenberg und Frank Förster. „Im letzten Jahr konnte ein Aufsichtsratsmandat nicht besetzt werden.“, erläuterte Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Lutterbach, „Hier sind wir auf der Suche nach einer Kandidatin gewesen. Wir sind nun der Auffassung, dass wir die geeignete Kandidatin gefunden haben, die fit ist in Rechnungswesen, Bilanzerstellung, Buchhaltung und insgesamt sich im Bankwesen hervorragend auskennt, nämlich Ingrid Alt.“ Jochen Bongenberg ergänzte, dass Frau Alt bereits in den Jahren 1990 bis 2012 im Aufsichtsrat tätig war und man sich keine Bessere vorstellen könne. Sie bringe die von der Aufsicht geforderte Sachkunde definitiv mit und man wünsche sich ihre Kandidatur. Frau Alt erläuterte den anwesenden Vertretern, dass sie sehr gerne diese Aufgabe in ihrer Bank übernehmen möchte, wenn man ihr das Vertrauen ausspreche. Die Vertreterversammlung wählte daraufhin Ingrid Alt einstimmig in den Aufsichtsrat.

Am Ende der Veranstaltung wurden Mitglieder, die auf 50 Jahre Mitgliedschaft bei der Raiffeisenbank zurückblicken konnten, geehrt. Dies waren: Bernhard Bergs, Reiner Boltersdorf, Mathilde Breuer, Bruno Call, Paul Daniel, Willi Esser, Johoannes Dieter Floß, Heinrich Gülden, Oswald Hensch, Erich Hensch, Heinrich Heuser, Gregor Keischgens, Hedwig Krause, Manfred Kremer, Josef Mollers, Karl Heinz Müller, Norbert Palm, Reimund Prinz, Paul-Arthur Roder, Josef Schmitz, Edgar Seidel, Hans-Josef Tings. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch ein leckeres Buffet der Familie Luysberg.

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