Löschgruppe Strauch feiert Jubiläum. Nachwuchskräfte gesucht.

112 Jahre : Ein besonderes Jubiläum bei der Straucher Feuerwehr

Der Löschgruppe Strauch feierte 112 Jahre mit einer Schauübung der Jugendfeuerwehr Lammersdorf. Dabei konnte der Nachwuchs sein Können und das erlernte Wissen unter Beweis stellen. Den Besuchern wurde auch sonst einiges geboten.

Zwar war der Duft nach saftigem Grillfleisch und frischen Waffeln bereits von der Straße aus verlockend, auch spendete das knisternde Feuer Wärme, auf der anderen Seite zeigte sich das Wetter jedoch nicht wirklich von seiner barmherzigen Seite: Auch wenn es am Wochenende in Strauch glücklicherweise nicht gebrannt hat, war die Straucher Löschgruppe mit der kompletten Kapelle im Großeinsatz. Der Grund war kein üblicher Einsatz wegen einer Ölspur, einer Personenrettung oder eines Brandes, sondern in diesem Fall ein feierlicher. Denn in diesem Jahr feiert die Straucher Wehr, wie auch einige andere Löschgruppen im Monschauer Land, ihr 112-jähriges Bestehen.

Passend zu den Aktivitäten der Freiwilligen Feuerwehr liegt hier das Wortspiel nahe, dass das Wort Rauch ja bereits im Ortsnamen Strauch versteckt ist. Das Thema Rauch spielte dann auch bei einer Schauübung der Jugendfeuerwehr aus Lammersdorf eine zentrale Rolle, die ein offenes Feuer in einer großen Feuerschale professionell löschte. Kommentiert wurde das Geschehen von Jannik Schlicht, dem stellvertretenden Jugendwart der Jugendfeuerwehr Lammersdorf, so dass alles für die Besucher gut nachvollziehbar war. Zu der Schauübung kam ein Löschfahrzeug, wie bei einem realen Einsatz, mit Sirenenton zum Dorfplatz gefahren. Und sogar ein paar Sonnenstrahlen, die wohl einzigen des Tages, zeigten sich während der Übung.

Die Schauübung, in der der Nachwuchs sein Können und das erlernte Wissen unter Beweis stellte, bildete einen Höhepunkt auf dem Jubiläumsfest der Löschgruppe. „Das sieht ja bei der riesigen Rauchwolke so aus, als ob ein ganzes Haus brennt“ oder „Ich will auch mal so ein Feuer löschen“, war von den jüngeren, schaulustigen Besuchern zu hören. Selbstverständlich wurde die Vorstellung durch einen angemessenen Applaus gewürdigt.

So sieht der Nachwuchs aus: Die Jugendfeuerwehr Lammersdorf ist zwar gut aufgestellt, dennoch stets auf der Suche nach neuen Kräften. Ganz rechts hat sich Jannik Schlicht, der stellvertretende Jugendwart der Jugendfeuerwehr Lammersdorf, platziert. Foto: Max Stollenwerk

Der Applaus fiel dabei jedoch nicht sehr kräftig aus, da das Wetter es mit der Straucher Feuerwehr so gar nicht gut meinte. Es waren zwar einige Feuerwehrkameraden aus den benachbarten Orten gekommen, ansonsten hielt sich die Besucherresonanz jedoch sehr in Grenzen.

„Doppelter Rang“ der Feuerwehr

Gegründet im Jahr 1907, geht es bei der Löschgruppe Strauch seitdem und bis heute im Kern darum, Gefahren von Mensch und Tier abzuwehren sowie Hab und Gut zu schützen – auch wenn sich einige Aufgaben sowie die Ausrüstung grundlegend verändert haben und nicht mehr viel mit den damaligen Gegebenheiten gemein haben.

„Die Feuerwehr nimmt so gesehen einen doppelten Rang ein. Zum einen ist sie in Dorffeste, wie zum Beispiel die Kirmes oder in das Ortskartell eingebunden, zum anderen ist sie auch Teil einer Behörde und Teil der Feuerwehr der Gemeinde Simmerath, unter der Leitung von Wehrführer Christian Förster“, sagte Gerd Virnich, der Löschgruppenführer der Straucher Feuerwehr, zur Bedeutung dieser für den Ort. So sei man sowohl in das Vereinsleben eingebunden, müsse aber auch Aufgaben nach Weisung erfüllen. Daher hatten es sich sowohl Christian Förster als auch Bernd Goffart, der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, nicht nehmen lassen, den Feierlichkeiten beizuwohnen.

Begonnen hätten die Vorbereitungen für das Jubiläum bereits vor rund sechs Monaten. Und allein dadurch, dass das Jubiläum ja der Rufnummer der Feuerwehr entspreche, sei dieses Jubiläum ein besonderes, scherzte Virnich. „Außerdem sind solche Veranstaltungen wichtig, um präsent zu bleiben.“ Bei den jetzigen Feierlichkeiten zum Jubiläumsfest stand zu Beginn ein Gottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Matthias auf dem Programm, bevor der Tag der offenen Tür im und um das benachbarte Pfarrheim beginnen konnte.

Musikalisch untermalt wurde das Programm von den beiden Straucher Musikvereinen, der Blasmusik-Vereinigung Strauch sowie dem Trommler- und Pfeiferkorps. Zudem gab es einige Informationen zu den Themen Feuerwehr im Allgemeinen, Rauchmeldern sowie Brandschutzerziehung. Die Löschgruppe Strauch zählt zurzeit 23 aktive Mitglieder. Um diese Anzahl zu erhöhen, war es den Veranstaltern, neben dem gebotenen Unterhaltungsprogramm, ebenso wichtig, neue Mitglieder zu werben.

Ausbildung ein wichtiges Thema

Ein Schwerpunkt bei der Feuerwehr liege im Bereich der Aus- und Fortbildung. „Beim Eintritt in die Feuerwehr wird zunächst die Eignung durch ärztliche Untersuchungen sichergestellt, bevor jeder seine Uniform, Einsatzkleidung und Ausrüstung erhält und die Grundausbildung beginnen kann“, so Virnich. Zudem finde rund alle drei Wochen eine Übung statt, und die Brandschutzerziehung spiele eine wichtige Rolle. Die anschließende Grundausbildung bestehe aus verschiedenen Lehrgängen mit je vier Modulen. Später seien dann noch, je nach persönlichem Wunsch, zusätzliche Weiterbildungen und Spezialisierungen möglich. „Wir haben im Durchschnitt circa zwei Einsätze pro Monat, die Gott sei Dank meistens harmlos sind. Wir sind aber auch stets auf schwierige und kompliziertere Einsätze vorbereitet“, erklärte Virnich.

Einen Schwerpunkt bei den Einsätzen gebe es nicht. „Die Art unserer Einsätze variiert sehr stark. Oft gibt es lange Zeit keinen Brand, bei Ölspuren ist der Bauhof der Gemeinde oft mit eingespannt, jedoch nimmt die Absicherung von Unfallstellen nach Verkehrsunfällen zu, da die Anzahl der Fahrzeuge im Straßenverkehr stetig zunimmt“, so der Straucher Löschgruppenführer. Auch bei der Jugendfeuerwehr sei man sehr vielseitig aktiv. „Wir wollen die Jugendlichen an das Erwachsenen-Feuerwehrleben heranführen und ihnen die ersten Grundlagen beibringen“, so Jannik Schlicht von der Jugendfeuerwehr Lammersdorf. Man beschäftige sich jedoch nicht nur mit dem Thema Feuerwehr, sondern auch mit allgemeiner Jugendarbeit. „Wir gehen zum Beispiel regelmäßig ins Kino, schwimmen, oder besuchen öffentliche Veranstaltungen“, erklärte Schlicht.

Insgesamt gebe es drei Jugendfeuerwehren in der Gemeinde Simmerath (Lammersdorf, Simmerath sowie die Jugendfeuerwehr Rurtal). Die Jugendfeuerwehr Lammersdorf ist für die Orte Lammersdorf, Rollesbroich, Strauch und Steckenborn zuständig, so dass diese auch die Übung in Strauch durchführte. Auch hatten die Organisatoren eine Tombola auf die Beine gestellt, bei der es attraktive Sachpreise und diverse Gutscheine zu gewinnen gab. Für die Unterhaltung der Kinder sowie das leibliche Wohl an Cafeteria und Grill war selbstverständlich den ganzen Tag über gesorgt.

In diesem Zusammenhang war es der Straucher Löschgruppe wichtig, allen zu danken, die die Feuerwehr entweder bei der alltäglichen Arbeit, aber auch bei der Vorbereitung und Durchführung des Jubiläums unterstützt haben – unabhängig, ob dies durch Sach- oder Geldspenden für die Tombola, Kuchenspenden, tatkräftiges Mitwirken beim Fest oder einer Mitgliedschaft im Förderverein war. Mit neuer Kraft und nach Möglichkeit bald auch neuen Mitgliedern geht es für die Straucher Feuerwehr nun in die nächsten 112 Jahre.

Mehr von Aachener Zeitung