Lammerdsorf: Bernd Mertens stellt sein Ortsfamilienbuch vor

Hintergründe zu Lammersdorfer Familien : Im digitalen Ortsfamilienbuch nach Vorfahren suchen

Bernd Mertens hat in jahrelanger Arbeit ein Ortsfamilienbuch erstellt mit Namen, Daten und Hintergründen zu mehr als 7.400 Lammersdorfern ab dem Jahr 1670. Nun stellte der Autor sein Werk beim Fest des Bauernmuseums vor.

Wenn Bernd Mertens ins Detail zu seinen heimatgeschichtlichen Daten geht, merkt man ihm trotz aller Bescheidenheit an, dass er schon stolz darauf ist, was er da geschaffen hat und nun erstmals beim Museumfest des Bauernmuseum einer breiten Öffentlichkeit präsentierte. Der ehemalige Lehrer am Monschauer Gymnasium, der seit Jahren beim Verein für Heimatgeschichte und Dorfkultur (Heimatverein) in der Geschichtswerkstatt für Brauchtum, Mundart und Genealogie (Ahnenforschung) federführend ist, hat in jahrelanger Arbeit ein mehr als beachtliches Ortsfamilienbuch erstellt.

In diesem sind die Namen, Daten und Familienhintergründe von mehr als 7.400 Lammersdorfern aus der Zeit von 1670 bis 1910 festgehalten. Das Ganze wird für den Interessierten von Mertens (77) nicht in einem mehrere Zentimeter dicken "Schinken" in Papierform präsentiert, sondern leicht lesbar und übersichtlich im Online-Format im Internet unter der Adresse www.ofd-lammersdorf.de. Inspiriert zu diesem Projekt wurde Mertens im Übrigen vor vielen Jahren von einem ehemaligen Kollegen am Monschauer Gymansium. Das war der zwischenzeitlich verstorbene Josef Kreitz, der laut Mertens "mit seinen genealogischen Vorarbeiten zu Lammersdorf einen wesentlichen Beitrag zur Auswertung der Daten des 19. Jahrhunderts geleistet hat."

Letztlich soll das Ortsfamilienbuch eine Erinnerung sein an die, die vor den heutigen Bewohnern in Lammersdorf gelebt haben. Mertens sagt: „Man kann das Buch daher auch als ein großes Allerseelenamt betrachten, so das uns deren Namen wieder ins Gedächtnis gerufen werden. Sie waren es, durch deren Wirken Traditionen, soziale Gepflogenheiten, Gestaltung des Ortes und schließlich das individuelle Schicksal ihrer Nachkommen mit bestimmt wurden.“

Den Vorteil eines digitalen Ortsfamilienbuches (OFB) sieht Mertens in der Interaktivität, wobei jeder Interessierte seine eigene Familiengeschichte rekonstruieren kann. Im Kontext mit dem historischen Hintergrund entsteht dabei ein Bild von den Lebensbedingungen und Herausforderungen der Vorfahren. Dabei begrenzt das Jahr 1910 beziehungsweise 1979 die Dokumentation, da aus Datenschutzgründen im OFB nur Personen veröffentlicht wurden, die vor 110 Jahren geboren oder die mehr als 30 Jahre tot sind. Um die vielfältigen Informationsmöglichkeiten zu nutzen, muss man sich lediglich mit einer Mail mit Klarnamen anmelden Ist die Anmeldung bestätigt, kann man alle Auskünfte des OFB nutzen.

Wie auf diesem Bild aus dem Archiv von Jürgen Siebertz sah Lammersdorf früher einmal aus. Vor der damaligen Gaststätte von Josef Genter sind vermutlich auch die Menschen zu sehen, die im Ortsfamilienbuch zu finden sind. Foto: K. H. Hoffmann/ Repro

Basis des Ortsfamilienbuches sind Zivildaten und Kirchenbucheinträge aus der Zeit von 1670 bis 1910. Neben den Personenstandsdaten werden Erzählungen, Interviews und Bilder verwandt. Dokumentierte Personenstandsdaten existierten von 1670 bis ca 1710 nur in Simmerather Tauf-, Heirats- und Sterbebücher. Mit Beginn des 18.Jh. wurden in Lammersdorf ein Tauf- und Sterbebuch geführt, während das Heiratsregister bis ca. 1800 in Simmerath geführt wurde. In der Franzosenzeit (1794 bis 1815) wurde eine moderne zivile Personenstandsverwaltung eingeführt. Im 19. Jahrhundert führte man in Lammersdorf, später in Simmerath eigene Geburts-, Heirats- und Sterbebücher.

Allein an diesen Quellen wird deutlich, welche Arbeit von Bernd Mertens, der im Übrigen Mitglied in der Westdeutschen Gesellschaft für Familienforschung ist, in rund einem Jahrzehnt geleistet wurde. Unterstützt wurde er dabei auch von dem in Paris lebenden Christoph Ranft, wie Mertens hervorgehoben wissen will.

Einmal eingeloggt im digitalen OFB kann man auf verschiedene Art und Weise nach seinen Vorfahren suchen: Nach-, Vor- und Familiennamen, Berufen, Orten oder Jahrestagen. Dabei ist der Name „Wilden“ übrigens mit weitem Abstand der häufigste Familienname (573), gefolgt von Schmitz (236), Strauch (216), Johnen (192), Peters (183), Stollenwerk (183), Braun (172) und Schiffer (170) bis hin zu Genter (88) und Titz (70) auf dem 17.Platz und 25. Platz des Lammersdorfer Namensrankings.

„Mit dem Ortsfamilienbuch kann man sich in die Lebensumstände unserer Vorfahren vor einhundert oder zweihundert Jahren versetzen“, sagt Mertens. Damals ging man in der Regel zu Fuß von Ort zu Ort, so dass man sich bei den zurück gelegten Entfernungen vielfach wundert, wie manche Eheverbindungen zustande kamen. Ein Beispiel von vielen aus dem OFB ist dabei Michael Josef Mertens, der am 29. September 1828 in Kleinhau geboren wurde und 1859 in die Lammersdorfer Familie des Wundarztes Johann Baptist Giesen einheiratete. Das Ehepaar lebte später in der Bahnhofstraße 12, wo sich heute die Eifeler Kultkneipe „Joe’s Garage“ befindet.

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