Interview: Rektorin Ulla Mertens verlässt die Sekundarschule Nordeifel

„Dreizügigkeit in Simmerath erhalten“ : Rektorin Ulla Mertens verlässt die Sekundarschule Nordeifel

Als Ulla Mertens am Freitag, an ihrem allerletzten Arbeitstag, das Schulleitungsbüro der Sekundarschule Nordeifel in Kleinhau verließ, war sie 39 Jahre lang in diesem Gebäude tätig. Erst 33 Jahre als Lehrerin, Konrektorin und Rektorin der Gemeinschaftshauptschule Hürtgenwald, dann als erste Rektorin der Sekundarschule.

Dass sie und ihr Team diese neue Schulform mit zwei Standorten von Null aufbauten und vor wenigen Tagen die ersten 140 Entlassschüler verabschiedeten, ist der Grund, weshalb Mertens bis zu ihrem letzten Tag Pionierarbeit leistete. Im Interview mit Anne Welkener erzählt sie, welche Chancen und Herausforderungen das mit sich brachte und was sie für ihren Ruhestand plant.

Frau Mertens, wer nach so langer Zeit seine Wirkungsstätte verlässt, bemüht oft das Sinnbild vom lachenden und weinenden Auge. Sie auch?

Ulla Mertens: Ich bin bis zum letzten Tag gern hier, aber jetzt ist es richtig für mich zu gehen. Gerade weil ich mit den ersten Entlassschülern gehe. Das macht die Sache für mich rund.

Was stand an ihren letzten Arbeitstagen noch an?

Mertens: Zunächst natürlich die beiden großen Entlassfeiern. Es gab eine in Simmerath und eine in Kleinhau, weil die Schüler jeweils in ihrer eigenen Schule entlassen werden sollten. Das war ein großes Stück Arbeit. Und dann stand jeden Tag etwas anderes an, mit Offiziellen, Schülern, Kollegen – eine Art Abschiedstournee. Das tat sehr gut. Am Ende blickt man gern an den Anfang zurück.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie sich bei dem Vorhaben, eine Sekundarschule zu gründen, so eingebracht haben?

Mertens: Wir Schulleiter wurden im Oktober 2012 nach Monschau eingeladen. Da saßen dann viele Pädagogen an einem Tisch, die meisten kannte ich gar nicht, und wir wurden gefragt, wer sich vorstellen könnte, federführend ein Konzept zu erstellen. Am anderen Ende des Raumes saß Albert Rieger, damals Schulleiter der Elwin-Christoffel-Realschule. Ihn kannte ich damals auch noch nicht, aber wir haben uns per Augenkontakt verständigt, dass wir das übernehmen. Dann haben wir mit Kollegen das Konzept erstellt und für mich stellte sich die Frage: Bleibst du an der Hauptschule, die dir am Herzen liegt, oder betrittst du neues Terrain.

Eine schwierige Entscheidung?

Mertens: Nein, eigentlich nicht. Mein Vater war hier im Ort immer politisch aktiv und hat sich für diesen Schulstandort eingesetzt. Den zu halten war mir wichtig.

Sie entschieden sich also für das neue Terrain und damit auch für jede Menge neuer Aufgaben.

Mertens: Mein Vorteil war, dass ich in die Sache reingewachsen bin. Wir sind mit 13 Kollegen gestartet und haben Jahr für Jahr alles sukzessive aufgebaut.

Welche Chancen und Herausforderungen gab es dabei?

Mertens: Herausfordernd war die Arbeit an zwei Standorten. Mit zuletzt 70 Kollegen und 700 Schülern war da einiges unter einen Hut zu kriegen. Eine Chance war aber für beide Standorte, dass es überhaupt eine Schule im Sekundarstufenbereich eins gibt. In Hürtgenwald haben wir einen Einzugsbereich, der Kreuzau, Birgel, Gürzenich und Düren einschließt. Die Zahl der Kollegen und Schüler ist gestiegen, aber auch die Schulleitung ist gewachsen, sodass wir das Mehr an Arbeit im Team gut bewältigen konnten. Albert Rieger ist dann im Oktober 2018 in den Ruhestand gegangen und Melanie Müller wurde stellvertretende Schulleiterin.

Und wer wird ihr Nachfolger?

Mertens: Das steht noch nicht fest. Man rechnet damit, dass bis zum Herbst die Nachfolge geregelt ist.

Welche Themen lassen Sie auf dem Schreibtisch, was steht an der Sekundarschule in den nächsten Jahren an?

Mertens: Eine Profilschärfung – wir denken zum Beispiel in Richtung Naturwissenschaften, Sport oder Musik. Und eine sichere Dreizügigkeit in Simmerath läge uns am Herzen.

Das sind dann aber Baustellen ihres Nachfolgers. Was ist ihr Plan für den Ruhestand?

Mertens: Der Plan ist, keinen Plan zu haben. Ich denke an lesen, reisen, Sport, möchte intensiver Zeit mit Familie und Freunden verbringen, habe aber bewusst keinen konkreten Plan.

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