In Steckenborn kann man die Wege der Schmuggler in der Eifel abgehen

Weg wieder geöffnet : Zeitreise auf Steckenborner Schmuggelpfaden

Der neu eröffneter Schmugglerpfad lädt zur Zeitreise in die Vergangenheit ein. Der Weg war lange nicht begehbar. Das Projekt des Arbeitskreises für Dorfgeschichte in Steckenborn ist nun fertiggestellt worden. Der Kaffeeschmuggel stand nach dem Zweiten Weltkrieg hoch im Kurs.

Menschenströme mit randvoll gefüllten Säcken voller Kaffee und in den Jackentaschen noch Zigaretten – in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war die Strecke zwischen der Eifel und Belgien sozusagen die „Hauptverkehrsader“ für illegalen Kaffee- und Zigarettenschmuggel. Diese Route, besser bekannt als Schmugglerpfad, führte auch durch Steckenborn. Viele Jahre lang war sie jedoch nicht begehbar.

„Bereits in der ersten Sitzung des Arbeitskreises Dorfgeschichte Steckenborn im November 2014 wurde angeregt, den Schmugglerpfad auf Steckenborner Seite in Verlängerung des bestehenden Schmidter Schmugglerpfades wieder begehbar zu machen“, sagt André Koll, Mitglied im Arbeitskreis Dorfgeschichte sowie im Ortskartell Steckenborn. Seit Kurzem ist dieser nun wieder vollständig begehbar. Bereits seit der Senkung der Kaffeesteuer 1953 wurde der Schmugglerpfad nicht mehr benutzt. Und das weder zum Schmuggeln, noch als Wanderpfad.

Jedoch hätten zunächst andere Projekte im Ort eine höhere Priorität gehabt, sodass das Projekt Schmugglerpfad etwas geschoben werden musste. „Seit Anfang 2017 wurde es dann aber näher angegangen und im letzten Jahr sowie auch in den letzten Monaten des laufenden Jahres umgesetzt“, so Koll. Vor Kurzem seien die letzten beiden Erläuterungsschilder am Schmugglerpfad angebracht worden, sodass „ein weiteres Projekt des Arbeitskreises Dorfgeschichte Steckenborn abgeschlossen ist, und der Schmugglerpfad auf Steckenborner Seite nun wieder begehbar und beschildert ist“, erklärt Koll, der im Dorf sehr engagiert ist und sich vor kurzem noch federführend um den Museumstag im Steckenborner Dorfmuseum, das im Rahmen des internationalen Museumstages seine Pforten öffnete, kümmerte.

Einstieg unterhalb von Hechelscheid

Über den geteerten Wirtschaftsweg von Hechelscheid nach Woffelsbach gelangt man zum Einstieg des Pfades. Rund 800 Meter hinter Hechelscheid geht es links ab auf die Rur-Kall-Panoramaroute, bevor es nach weiteren rund 800 Metern rechts ab zum Einstieg des Weges geht.

So wildromantisch sieht es auf dem unteren Stück des rund 500 Meter langen Steckenborner Schmugglerpfades im Schilsbachtal nach vielen Stunden Arbeit nunaus. Foto: Max Stollenwerk

„Damals wurde der Hang auf der Schmidter Seite mit Fichten aufgeforstet, auf der Steckenborner Seite mit Buchen. Der von uns wieder begehbar gemachte Pfad ist gut 500 Meter lang, bis nach Hechelscheid waren es früher noch mal 400 Meter. Der Pfad auf Schmidter Seite ist bis zur Siedlung Forsthaus Klaus circa 700 Meter lang und bis Schmidt ist der Wirtschaftsweg nochmal circa 2,6 Kilometer lang“, erläutert Koll die Details des neuen Weges. Auf der Strecke gebe es drei Richtungspfähle, einen Richtungspfeil und zwei identische Erläuterungstafeln. „Wenn man den Pfad geht, kommt es einem aber länger als 500 Meter vor“, merkt Elisabeth Nießen vom Arbeitskreis während einer Begehung an. „Obwohl er lange Zeit unbenutzt war, ist der Pfad teilweise noch erkennbar und wurde wahrscheinlich noch von Tieren genutzt“, ist sie überzeugt. Der Einstieg und der erste Teil des Schmugglerpfades sind recht steil, bevor er später gut begehbar ist.

„Der Weg ist ein super Training für Wanderer, die Bergtouren geplant haben, denn es geht erst von Steckenborn runter und dann hoch nach Schmidt“, ergänzt Walter Greuel vom Arbeitskreis. Zudem könne man die beiden Schmugglerpfade, dann weiter bis zur Klaus, und zurück nach Steckenborn, zu einem schönen Rundweg verbinden.

Viel Arbeit investiert

Doch bevor der Pfad eröffnet werden konnte, stand einiges an Arbeit auf dem Programm. „Der Weg musste freigelegt, Laub, Äste, dicke Steine und totes Astholz entfernt werden. Die Einstiege und Zugänge wurden mit natürlichen Stufen versehen, also mit Steinen und Holzbalken oder nur einem Tritt in die Böschung. Es wurden drei Pfähle in den Boden eingelassen, an denen die Richtungsschilder und Erläuterungstafeln hängen. Die Richtungspfeile wurden an Bäumen aufgehängt“, fasst André Koll zusammen, der sich sehr für die Historie des Ortes interessiert und als Vorstandsmitglied des Ortskartells der Sprecher beziehungsweise Koordinator des Arbeitskreises Dorfgeschichte ist. Zu Beginn führt der Pfad durch Nadelwald, bevor er später in abwechslungsreichen Nadel- und Mischwald übergeht.

Der Schmugglerpfad zweigt von der gut frequentierten Kall-Rur-Panoramaroute, hinab ins Schilsbachtal und endet dort am Beginn des wildromantischen Schilsbaches. Dort beginnt dann unmittelbar nach Überquerung des Baches und einer Schutzhütte der Gemeinde Simmerath der Schmidter Schmugglerpfad. „Jetzt gibt es die Möglichkeit, einen neuen Weg zu erkunden, der auch als alter Trimmwegpfad bekannt ist und es gibt gute Anbindungen an andere Wege“, so Koll. Leider wurde auf rund der Hälfte des Weges bereits ein Richtungspfahl durch ein Fahrzeug beschädigt und aus seiner Verankerung gerissen, soll aber bald wieder gerichtet werden.

Umgesetzt wurde das Projekt in Zusammenarbeit von Arbeitskreis und Ortskartell Steckenborn, wobei der Arbeitskreis für die praktischen Tätigkeiten zuständig war und das Ortskartell für die finanzielle Seite. Aus Kolls Sicht hat der Steckenborner Schmugglerpfad, der, wie schon damals, durch einen Wirtschaftsweg mit dem Schmidter Schmugglerpfad verbunden ist, eine hohe Bedeutung für den Ort und den Arbeitskreis: „Es ist ein historischer Weg, der damals sehr bedeutsam war, nun wieder begehbar gemacht wurde und somit nicht, wie bis vor einem Jahr, im Schilsbachtal endet, sondern von Hechelscheid bis Schmidt führt.“

Bohnenkaffee war Mangelware

Das meistgeschmuggelte Gut in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg war eindeutig der Bohnenkaffee. Denn dieser war in Deutschland aufgrund der hohen Kaffeesteuer Mangelware. Aufgrund der damaligen belgischen Kolonie im Kongo, gab es im Gegensatz dazu in Belgien Kaffee, Kakao und Zigaretten zu sehr niedrigen Preisen in Hülle und Fülle. So entwickelte sich zwischen 1946 und 1953 zwischen der Eifel und Belgien nachts ein reger illegaler Warenverkehr. Durch das Venn wurden massenweise Kaffeebohnen in die grenznahen Orte auf deutscher Seite geschmuggelt und von dort über Zwischenhändler überwiegend nach Düren, Köln und Düsseldorf weiterverkauft. Regelrechte Schmugglerkolonnen von fünf bis zehn Kaffeeträgern setzten sich abends in Fringshaus in Bewegung der belgischen Grenzorte und kehrten nachts mir 40 bis 60 Pfund schweren „Kaffeepüngeln“ zurück.

Gekauft wurde der Kaffee in Belgien für vier Mark pro Pfund und verkauft für zehn Mark pro Pfund in Deutschland. Während ein Teil der Kaffeebohnen in einen Rucksack gefüllt wurde, wurde der Großteil in einen unterteilten Sack gefüllt, der über beide Schultern gehängt wurde. Die Zollbeamten in Deutschland versuchten durch nächtliche Streifen verstärkt, die Schmuggler zu stellen und so diesen illegalen Handel zu unterbinden. In Zuge dessen wurde

so manches Pfund Kaffee kurzerhand ins Gebüsch geworfen, und die nächtliche Schmuggeltour war umsonst. Durch die drastische Verringerung der Kaffeesteuer in Deutschland Ende 1953 endete das Schmuggelabenteuer schlagartig.

Eines dieser versteckten „Kaffeepättche“, auf denen die damals gängigste belgische Kaffeemarke „Mocca Turc“ geschmuggelt wurde, führte eben auch durch Steckenborn.

Fünf Jahre Arbeitskreis

Gegründet hat sich der Arbeitskreis Dorfgeschichte Steckenborn im November 2014, kurz nach der offiziellen Einsegnung des historischen Dorfmuseums. Er möchte dafür sorgen, dass die Geschichte des Ortes nicht in Vergessenheit gerät. So sollen mehrere historisch markante Plätze und Gebäude mit Informationstafeln vor Ort versehen werden. Das erste Projekt wurde im Frühjahr 2016 abgeschlossen. Seitdem stehen am Ursprung von Steckenborn, dem „Buerplatz“ in der Bornstraße, eine Informationstafel sowie eine Sitzgarnitur. Ebenfalls mit Hinweisschildern versehen wurden in 2017 die Kirche und auch der alte Standort des Kriegerdenkmals an der Hauptkreuzung im Ort.

Dem Arbeitskreis, der sich in regelmäßigen Abständen trifft, um die Historie des Ortes aufzuarbeiten, gehören zurzeit zehn Personen an. Informationen konnten aus alten Kirchenchroniken, Zeitungsberichten, Unterlagen des Gemeindearchivs, als auch aus Erzählungen älterer Dorfbewohner zusammengetragen werden. Parallel zu seinen Projekten sollen Anekdoten aus früheren Zeiten festgehalten werden (zum Beispiel zu den Themen Arbeiten in der Landwirtschaft, Ernährung, Kindheit, etc.). Als Ergebnis soll ein kleines schriftliches Werk entstehen, das alle auch noch so kleinen Aufzeichnungen zusammenfasst. Ebenfalls würde sich der Arbeitskreis sehr darüber freuen, wenn von den Dorfbewohnern Anekdoten „anno dazumal“ aufgeschrieben würden und zur Verfügung gestellt werden.

„Gerne kommt auch ein Vertreter des Arbeitskreises zu den Dorfbewohnern nach Hause und notiert die Erzählungen. Frei nach dem Motto `Sie erzählen und wir schreiben`“, so André Koll. Interessierte, die über passendes Material oder wissenswerte Anekdoten verfügen, oder auch im Arbeitskreis mitarbeiten möchten, melden sich bitte bei André Koll, Kühlenstraße 19 in Steckenborn, Tel.-Nr. 02473 / 9273491, beziehungsweise per Mail an andre.koll@gmx.net.

„Wir befragen weiterhin ältere Personen nach der Zeit von früher und schreiben Anekdoten auf. Da das Projekt „Schmugglerpfad“ nun beendet wurde, werden wir uns im Arbeitskreis Dorfgeschichte überlegen, welches Projekt als nächstes angegangen werden soll“, erklärt Koll bereits voller Tatendrang.

Ob seine Großeltern auch Kaffee geschmuggelt haben? „Ich weiß gar nicht, ob mein Großvater väterlicherseits Kaffee geschmuggelt hat. Ich weiß wohl, dass meine Urgroßmutter, die Dorfheilerin Maria-Katharina Koll, oft gefragt worden ist, ob man sich auf den Weg zum Schmuggeln geben sollte, oder ob es besser sei, zu Hause zu bleiben. Man sagt, sie habe „hellseherische Fähigkeiten“ gehabt“, so Koll schmunzelnd.

(maxs)
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