Größere Müllansammlung unterhalb der Kesternicher Grillhütte

Im Weidenbachtal : Wilde Müllkippe nach acht Monaten geräumt

Kunststoffmüll, Asbest, kaputte Jalousien, alte Fußleisten, Spanplatten und Teerpappe: Was eigentlich in den Müll oder Sondermüll gehört, prägte seit September 2018, also rund acht Monate, das Landschaftsbild im Weidenbachtal unterhalb der Kesternicher Grillhütte.

Nun wurde der beträchtliche Müllberg von Mitarbeitern des Bauhofs der Gemeinde Simmerath entsorgt. „Das Gebiet hier ist wunderschön zum Wandern, sehr ruhig gelegen, und es kommen viele Touristen, auch von weiter weg. Eine solche mutwillige Verschmutzung durch das Abladen von Müll zerstört das Landschaftsbild jedoch erheblich“, sagt ein erzürnter Bürger aus Kesternich.

Zudem ist das betroffene Gebiet ein Landschaftsschutzgebiet. Es ist dadurch zwar nicht so hoch eingestuft wie ein Naturschutzgebiet, jedoch sicherlich der absolut falsche Ort für eine wilde Müllkippe.

Er und weitere Kesternicher Bürger hätten den mutmaßlichen Verursacher der wilden Müllkippe im September gesehen: „Er hat zunächst versucht, den Müll zu verbrennen. Dann haben wir der Gemeinde Simmerath telefonisch Bescheid gegeben. Es ist aber niemand gekommen, um sich ein Bild vor Ort zu machen, sondern wir sollten lediglich ausrichten, dass die Feuerwehr alarmiert werde und der Verursacher die Kosten für den Einsatz tragen müsse, falls das Feuer nicht gelöscht werde.“

Anschließend habe der Mann jedoch das Feuer gelöscht, den Müll auf eine Karre geladen und hinab zur Kesternicher Grillhütte ins Weidenbachtal gefahren und dort abgeladen. Er habe sich so „eigenständig eine eigene Müllkippe ausgesucht“. Der Müll habe eine Spur bis hin zur Grillhütte hinterlassen und sei in Einzelteilen auf dem Weg verteilt gewesen.

Verärgert sei man vor allem darüber, dass sich über eine so lange Zeit niemand wirklich zuständig gefühlt habe. Die rund 200 bis 300 Kilogramm Schutt waren am Ende bereits teilweise mit Laub bedeckt, und lange Zeit hatte sich an dieser Stelle nichts getan. „Viele Wanderer verbinden diese beliebte Wanderstrecke in schöner Landschaft mit einer Schiffstour und standen lange vor einem Müllhaufen“, so ein verärgerter Bürger aus Kesternich.

Zahlreiche Wanderer hätten ihn bereits mehrfach darauf angesprochen, warum denn so lange nichts passiert sei und keiner den Müll entfernt habe. Und auch im Dorf seien viele Leute verärgert Insgesamt sei man enttäuscht, dass trotz der bekannten Situation über acht Monate „niemand, auch nicht die Gemeinde tätig“ geworden sei, sodass der wilde Müll das Landschaftsbild an einer Stelle prägte, an der zwei beliebte Rundwanderwege durch Weidenbachtal und Eiserbachtal nach Rurberg vorbeiführten.

Auch Manfred Prinz, Leiter des Ordnungsamtes bei der Gemeinde Simmerath, hat sich zum Sachverhalt geäußert. Bei dem betroffenen Waldstück handele es sich nicht um Gemeindeeigentum, sondern um privates Land: „Grundsätzlich sind die Grundstückseigentümer dafür zuständig, dass ihr Besitz in ordnungsgemäßem Zustand ist. Im Wald ist die Zuständigkeit jedoch aufgeteilt. Eigentümer von Waldgrundstücken sind für die Einsammlung des Mülls zuständig und die Gemeinden für die weitere Entsorgung.“

Auch wenn der wilde Müll im Weidenbachtal vom Grundstückseigentümer nicht eingesammelt wurde, sei er nun durch die Gemeinde Simmerath entfernt worden. Auch generell komme „das ordnungswidrige Abladen von kleineren Mengen Müll leider regelmäßig vor“, wobei der Bereich unterhalb der Grillhütte in Kesternich bisher nicht oder nur selten für illegale Müllablagerungen missbraucht worden sei. Häufig werde der Müll in Müllsäcken an den Glascontainer-Stellplätzen ordnungswidrig entsorgt, aber es gebe darüber hinaus auch immer wieder illegale Entsorgungen von Grünabfällen an verschiedenen Orten und in verschiedenen Dörfern der Gemeinde.

Wie hoch die jährlichen Kosten für die Gemeinde Simmerath im Bereich der Entsorgung von wildem Müll sind, könne nicht genau eingeschätzt werden. „Eine genaue Feststellung ist hier nicht möglich, weil die Gemeindearbeiter, die für das Einsammeln und Entsorgen von wildem Müll zuständig sind, dies in der Regel gleichzeitig mit der Sammlung von Müll aus öffentlichen Abfallbehältern an Straßen, Wegen und Plätzen machen“, so Prinz. Eine genaue Trennung sei daher nicht möglich.

Insgesamt entstünden jährlich circa Kosten von 80.000 bis 90.000 Euro für das Einsammeln und Entsorgen des Mülls, „geschätzt wahrscheinlich etwa die Hälfte davon für wilden Müll“. Fakt sei, dass „die Kosten für das Einsammeln und Entsorgen von wildem Müll in den Müll-Gebührenhaushalt einfließen“. Durch das Fehlverhalten einiger weniger würden sich somit die Müllgebühren für alle „unnötigerweise verteuern“.

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