Feuerwehr Steckenborn feiert ihr 112-jähriges Bestehen

Feuerwehr Steckenborn : Spektakel in der Luft und am Boden

So wie sich die Bevölkerung darauf verlassen kann, dass die Feuerwehr-Löschgruppe Steckenborn bei Einsätzen schnell und kompetent zur Stelle ist, kann man sich auch darauf verlassen, dass die Brandschützer bestens aufgestellt sind, wenn es etwas zu feiern gibt.

Die dreitägige Feier aus Anlass des 112-jährigen Bestehens der mit 41 Aktiven stärksten Löschgruppe innerhalb der Gemeinde Simmerath am vergangenen Wochenende war für die Feuerwehrleute und den gesamten Ort daher auch eine rundum gelungene Mischung aus Unterhaltung, Spektakel und feuerwehrtechnischen Darbietungen.

Gefeiert wurde rund um das neue Gerätehaus, und das rückwärtige, weitläufige Wiesengelände diente temporär als Ersatz-Dorfplatz. Mit viel Aufwand war das Festgelände einladend hergerichtet worden. Besonders am Sonntag zog die Löschgruppe mit Unterstützung zahlreicher befreundeter Kameraden aus den Nachbarorten alle Register ihres Könnens. Da wurde mit Hilfe der Drehleiter eine Personenrettung vom Dach des alten Feuerwehrgerätehaus simuliert, und ein Schwerlastkran ließ aus 20 Metern Höhe einen Pkw kopfüber im freien Fall mit Tempo 70 auf das mit Stahlplatten abgedeckte Straßenpflaster stürzen.

Die Löschgruppe Kesternich unter Leitung von Volker Stollenwerk rückte unmittelbar danach an und demonstrierte mit schwerem Gerät fachgerechte Hilfe beim Verkehrsunfall. Darüber hinaus konnten sich die Besucher in einen Überschlagsimulator begeben oder viele andere Einsatzgebiete der Feuerwehr kennenlernen, selbst wenn die spektakulär dargebotene Fettexplosion nicht im ersten Versuch gelingen wollte. Moderator Mario Bonné trug Sorge dafür, dass die Zuschauer immer am richtigen Platz und immer im Bilde waren.

Ein aus 20 Metern Höhe herabstürzendes Auto simulierte einen Frontalzusammenstoß mit anschließender technischer Hilfeleistung durch die Feuerwehr. Foto: Peter Stollenwerk

Die Kinder hatten unterdessen ihr Vergnügen auf der Hüpfburg oder auf der Quadbahn. Heiß begehrt waren auch die angebotenen Hubschrauberrundflüge. Die Nachfrage war so stark, dass kurzfristig noch ein zweiter Helikopter eingesetzt wurde, der die Gäste über Hechelscheider Hövel und Rursee trug. Für einen Blickfang sorgte neben den Drums & Pipes aus Dreiborn mit ihren Dudelsackklängen auch die Ehrenabteilung der Feuerwehr-Steckenborn. Mit Pickelhauben und historischen Uniformen ausgestattet schoben sie die historische Handspritze von 1893 vors Feuerwehrhaus, um mit deren Hilfe und mit viel Rauch unter großem Beifall des Publikums ein Kleinfeuer zu löschen.

Rundum zufrieden mit dem Festverlauf und der großen Resonanz der Bevölkerung zeigte sich Steckenborns Löschgruppenführer Martin Stollenwerk, der sich besonders bei den Anwohnern rund um das Festgelände bedankte, deren Kooperation das Fest erst in dieser Form ermöglichte. „Wir haben die Nachbarn frühzeitig in unsere Planung eingebunden“, betont Stollenwerk. Vor zwei Jahren habe man bereits mit den Vorbereitungen des Festes begonnen, zumal inzwischen außer Zweifel steht, dass die Löschgruppe Steckenborn in der Tat auch 112 Jahre alt ist.

Als ursprüngliches Gründungsjahr war zunächst das Jahr 1909 angenommen worden, doch in Wirklichkeit existierte die Feuerwehr bereits zwei Jahre früher, wie in den 1990er Jahren aufgetauchte Archivunterlagen eindeutig bestätigten. So feierten die freiwilligen Helfer ihr 90. Jubiläum zwar noch nach alter Rechnung, aber das 100-Jährige im Jahr 2007 bereits auf der Grundlage der aktualisierten Geschichtsforschung. Die oben erwähnte Handspritze tat bis 1948 ihren Dienst, ehe sie durch eine gebrauchte Motorspritze ersetzt wurde. 1959 wurde das erste Feuerwehrauto angeschafft, und 2012 das neue Feuerwehrgerätehaus eingeweiht.

Höchst unterhaltsam begonnen hatte das Jubiläumsfest am Freitagabend mit einem Dorfabend. Zentraler Bestandteil war eine Überraschungsshow unter Einbindung der Dorfvereine nach dem bekannten „Wetten, dass ...?“-Spielmodus. Unter der flotten Moderation von Heribert Hanf waren als Wettpaten Ortsvorsteher Ralf Löhr, Ortskartellvorsitzender Christof Hilger, Simmeraths Gemeindefeuerwerchef Christian Förster und Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns am Start.

Spektakulär war vor allem die Dorfwette, wo der Bürgermeister dagegen setzte, dass Steckenborn es in einer vorgegebenen Zeit schafft, 14 Personen, die nicht der Feuerwehr angehören, in Feuerwehruniformen zu stecken und mit Bobby-Cars auf der Bühne vorfahren zu lassen. Karl-Heinz Hermanns hatte als fairer Wettpate die Eigendynamik des Orts unterschätzt, denn die Aufgabe wurde locker gelöst Seinen Wetteinsatz, zwei Stunden lang Bier zu zapfen, wird er nun bei der Steckenborner Kirmes 2020 sicher mit vollem Engagement einlösen.

Die gut 400 Besucher wurden dann noch bis in die Nacht weiterhin unterhalten mit stimmungsvoller Live-Musik der „Belsch Jecke“ aus St. Vith und Musik vom DJ.

Starker Andrang herrschte auch Samstagabend, als das Konzert des Trios „Lagerfeuer“ im Mittelpunkt stand. Bekannte Hits mit hohem Mitsingfaktor neu interpretiert, hintersinnig eigenwillig, intelligent und mit einer kleinen Note Comedy dargebracht , bilden das Erfolgsrezept der Kult-Coverer. „Uns ist es wichtig, dass die Leute einen schönen Abend verbringen“, beschreibt Bassist Heiko Wätjen das Konzept der nicht ausrechenbaren Band. In der Konzertpause ließ es die Feuerwehr mit einem sehenswertes Feuerwerk krachen; die Festveranstalter wollten bei ihrem 112-jährigen Bestehen wirklich nichts dem Zufall überlassen.

(P.St.)
Mehr von Aachener Zeitung