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Millionenprojekt für Simmerath: Ein Haus für alle Bürger und Vereine

Millionenprojekt für Simmerath : Ein Haus für alle Bürger und Vereine

Vier große Simmerather Vereine haben sich zu einem ambitionierten Bauprojekt zusammengeschlossen: Für Feiern soll es im Zentralort künftig wieder eine gute Stube geben. Die Politik signalisiert Zustimmung, doch viele Fragen sind noch offen.

Not macht erfinderisch. Das gilt auch für die Vereine im Zentralort Simmerath, die immer häufiger vor einem dicken Problem stehen: Es gibt kaum noch Veranstaltungsräume für größere Gesellschaften im Ort, seitdem mit dem Saal Wilden eines der letzten klassischen Vereinslokale nicht mehr existiert. „Wir haben in Simmerath außer der Vinothek in dieser Hinsicht sonst ja gar nichts mehr“, klagt Ortsvorsteher Stefan Haas am Dienstagabend bei der Sitzung des Struktur- und Hochbauausschusses der Gemeinde im Rathaus. Selbst für einen Totenkaffee müssten Simmerather inzwischen nach Huppenbroich ausweichen. Schon vor zehn Jahren habe man den Vereinen daher vorgeschlagen, nach einer anderen Lösung zu suchen und den Bau eines gemeinsamen Vereinsheimes in Angriff zu nehmen. „Damals war die Not aber noch nicht groß genug.“

Reichen 1,2 Millionen Euro?

Das hat sich inzwischen geändert: Mit dem Bau eines Bürgerhauses wollen vier große Simmerather Vereine nun eine steinerne Grundlage für die Zukunft legen. Mit dabei ist der größte Simmerather Verein, die Hansa mit mehr als 1000 Mitgliedern, sowie die Karnevalsgesellschaft Sonnenfunken, der Junggesellenverein Geloog und der Förderverein der Feuerwehr. Die Vereinsgemeinschaft wird auch die Baukosten in Höhe von geschätzten 1,2 Millionen Euro tragen.

Das Bürgerhaus soll auf einem Grundstück der Gemeinde unmittelbar vor der Sporthalle der Sekundarschule – zwischen Schule und SimmBad in Richtung Mensa beziehungsweise Straße – errichtet werden und für eine Vielzahl von Nutzungsmöglichkeiten offenstehen. Auch für private Feiern soll das Bürgerhaus genutzt werden können.

Erste Entwürfe hat die Vereinsgemeinschaft im Mai der Verwaltung und der Schulleitung präsentiert.
Erste Entwürfe hat die Vereinsgemeinschaft im Mai der Verwaltung und der Schulleitung präsentiert. Foto: Vereinsgemeinschaft Simmerath/Wilfried Huppertz

Schule ist mit im Boot

Schulleiterin Diana Hoch sei von den Plänen der Vereine regelrecht begeistert, berichtet Haas vor dem Ausschuss von einem ersten Abstimmungsgespräch in der Sekundarschule. „Der Standort wäre ideal“, schwärmt der Ortsvorsteher. Schließlich gebe es zahlreiche Synergieeffekte in der gemeinsamen Nutzung mit der Schule. „Die Schule könnte den kleineren Saal mit der Bühne im Bürgerhaus dann beispielsweise für Theatervorführungen nutzen.“ Die Vereine hätten mit der Sporthalle in unmittelbarer Nähe wiederum die perfekte Location für Großveranstaltungen, von denen etwa vier bis sechs pro Jahr anfallen würden. Über einen direkten Durchgang könnten Gäste dann zwischen Bürgerhaus und Sporthalle wechseln. Weil Schule und Vereine ganz unterschiedliche Nutzungszeiten hätten, würde man sich gegenseitig auch nicht ins Gehege kommen.

Direkt vor der Sporthalle

Der Lageplan verdeutlicht die geplante Ausdehnung des Gebäudes. Ein weiterer Ausbau der Schule sei später trotzdem möglich, sagte Bernd Goffart.
Der Lageplan verdeutlicht die geplante Ausdehnung des Gebäudes. Ein weiterer Ausbau der Schule sei später trotzdem möglich, sagte Bernd Goffart. Foto: Vereinsgemeinschaft Simmerath/Wilfried Huppertz

Das Gebäude würde unmittelbar an die Sporthalle angrenzen, was dort den Wegfall von acht Parkplätzen verursachen würde. Diese würden aber an derer Stelle mehr als kompensiert: Rund 30 neue Stellplätze sieht der erste Entwurf von Architekt Wilfried Huppertz vor, mit dem die Vereine im Mai mit Unterstützung von Stefan Haas an die Verwaltung herangetreten waren. Der eigentliche Bürgersaal würde rund 120 Quadratmeter groß, plus großzügigem Theken- und Technikbereich sowie einem barrierefreien Toilettenbereich. Hinzu käme ein 180 Quadratmeter großer Mehrzweckraum, der auch für Behindertensport geeignet sein soll, sowie ein kleinerer, 50 Quadratmeter großer zweiter Raum.

Keine öffentlichen Gelder

Das alles steht derzeit nur im Konjunktiv – denn die Vereine haben noch keine konkrete Finanzierung aufstellen können, weil es bislang noch keinen Beschluss zur Überlassung des Grundstücks gibt. Es habe lediglich erste Sondierungsgespräche mit einer Bank gegeben. Bislang hatte das Rathaus zwar signalisiert, das Projekt im Rahmen eines Gestattungsvertrags für das Grundstück zu unterstützen. „Ohne einen entsprechenden Ratsbeschluss ist eine Finanzierung aber nicht planbar“, erklärte Stefan Haas. Dabei kostet Zeit angesichts explodierender Baustoffpreise und anziehender Bauzinsen Geld: Um etwa 400.000 Euro sei der Finanzierungsbedarf mittlerweile schon gestiegen, gab Haas dem Ausschuss zu Bedenken. Die Aussichten auf öffentliche Zuschüsse seien zudem denkbar schlecht.

Der Politik ging es am Dienstag daher zunächst lediglich um ein „grundsätzliches Signal an die Vereine und Bürger“, wie CDU-Fraktionschef Christoph Poschen sagte. Für den Zentralort sei ein solches Haus enorm wichtig. Bürgermeister Bernd Goffart erklärte, er habe das Projekt seit seinem Amtsantritt unterstützt und werde dies auch weiterhin tun. „Das Bürgerhaus ist aber nicht der Ersatz für ein schon länger geplantes Kulturhaus in Rathausnähe“, antwortete er auf eine Nachfrage der SPD. Die Sozialdemokraten wollen das Vereinsprojekt ebenfalls wohlwollend begleiten, wie Peter Falter erklärte. „Das wäre eine Bereicherung des Zentralorts.“ Da auch UWG und Grüne das Bürgerhaus der Vereinsgemeinschaft unterstützen, fällt das Votum des Ausschusses eindeutig aus: Einstimmig folgen alle Fraktionen dem Vorschlag der Verwaltung, das Projekt voranzutreiben.

Bevor die Vereine jedoch die vertragliche Nutzung des Grundstücks zugesichert bekommen, muss die Vereinsgemeinschaft noch eine Liste von „Hausaufgaben“ abarbeiten. So verlangt die Gemeinde ein schlüssiges Finanzierungs- und Betreiberkonzept sowie die Klärung von baurechtlichen Fragen. Ob die Vereine für die Überlassung des Grundstücks am Ende noch eine Pacht zu entrichten haben, wie es etwa bei der Tenne in Eicherscheid der Fall ist, muss noch entschieden werden. So bleiben nach dem Grundsatzbeschluss am Ende des Tages noch viele Fragen offen.