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Nicole Mahr aus Simmerath: Die landesweit erste Feuerwehrchefin

Nicole Mahr aus Simmerath : Die landesweit erste Feuerwehrchefin

Die landesweit erste Leiterin einer Freiwilligen Feuerwehr kommt aus Simmerath: Nicole Mahr wird im Dezember das Ehrenamt von Christian Förster übernehmen. Sie steht damit der größten freiwilligen Wehr in der Städteregion Aachen vor.

Frauen erobern in diesen Tagen die letzten männlichen Bastionen. Die Freiwillige Feuerwehr zählte lange dazu: Im Jahr 2019 lag der Frauenanteil bei den ehrenamtlichen Brandbekämpfern bundesweit bei mageren 10,3 Prozent. Seither steigen nicht nur die Zahlen – mit der landesweit ersten Leiterin einer Freiwilligen Feuerwehr haben Frauen ab Dezember auch eine Vorkämpferin in der Eifel. Nicole Mahr aus Eicherscheid, 46 Jahre alt, vierfache Mutter und zweifache Großmutter, wird das Ehrenamt von Christian Förster übernehmen. Einstimming stimmte der Gemeinderat am Dienstagabend für die Bestellung Mahrs. Stellvertretende Feuerwehrleiter bleiben demnach René Henn und Volker Stollenwerk.

Mit Nicole Mahr übernimmt eine gestandene Berufsfeuerwehrfrau den Posten an der Spitze der größten ehrenamtlichen Wehr in der Städteregion Aachen. Die gebürtige Simmeratherin begann 1999 eine Ausbildung zur Feuerwehrfrau beim Kreis Aachen, nachdem sie zuvor jahrelang ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz gearbeitet hatte. „An der Feuerwehr faszinierte mich die Mischung aus spannender Technik und dem Bedürfnis, anderen Menschen helfen zu wollen“, sagt die 46-Jährige zu ihrer Berufswahl. „Bei der Feuerwehr war es lange Zeit so wie bei der Polizei: Es dauerte eine Weile, bis sich auch Frauen für diesen Beruf interessierten. Viele Frauen sind mutiger geworden! Wir werden aber noch einige Jahre brauchen, bis wir hier einen Anteil erreichen, der repräsentativ ist.“ Die Liebe zur Feuerwehr liegt bei ihr in der Familie: Mahrs Bruder und auch ihr Schwager arbeiten ebenfalls bei der Berufsfeuerwehr. „Irgendwie waren wir alle ein bisschen geprägt.“ 2013 trat Nicole Mahr schließlich auch der Freiwilligen Feuerwehr in ihrer Heimatgemeinde bei.

Im Katastrophenschutzzentrum in Simmerath leitet Mahr seit April die Arbeitsgruppe Brandschutz und in Personalunion auch die Brandschutzdienststelle der Berufsfeuerwehr der Städteregion Aachen, nachdem sie zuvor jahrelang die Stellvertretung dort innehatte. Mahr ist so unter anderem für Aus- und Fortbildung der hiesigen Wehren zuständig.

Mit ihren beiden Stellvertretern Henn und Stollenwerk will die neue Chefin der freiwilligen Wehr künftig ein schlagkräftiges Team bilden – die Städteregion stellt die Berufsfeuerwehrfrau grundsätzlich für die Dauer von Einsätzen und für administrative Aufgaben frei. Im erweiterten Führungsstab war sie mit der freiwilligen Wehr auch schon in den vergangenen Jahren bei vielen Einsätzen vor Ort. „Das ist ein Ehrenamt, in dem man an 365 Tagen im Jahr jeweils 24 Stunden im Dienst ist. Jede einzelne Einsatzkraft trägt dazu bei, dass das große Ganze funktioniert.“ Wichtig sei, dass die administrative Arbeit weiterhin auf drei Schultern verteilt werde. „Das hat sich so bewährt, weshalb wir diese Arbeitsteilung fortführen werden.“

„Respektlosigkeit ist Gift für Motivation“

Dennoch: Die Kombination aus hauptberuflicher und ehrenamtlicher Feuerwehrarbeit dürfte arbeitsintensiv werden. Umso mehr ärgert sich Nicole Mahr, wenn mangelnder Respekt gegenüber Helfern und Einsatzkräften „so langsam auch im ländlichen Raum ein Thema wird“. Zwar sei die Lage in Simmerath bei weitem noch nicht so dramatisch wie in Städten. „Dennoch erfahren wir immer öfter, dass der Respekt auch auf dem Land nachlässt. Noch nicht in dem Maße, dass man sich sorgen müsste. Aber dieses bundesweite Phänomen trifft auch uns – und ist Gift für die Motivation unserer Ehrenamtler, das tut dem Ehrenamt nicht gut.“

Es sind nicht nur Pöbler, die den Rettern zu schaffen machen. „Wenn man nach dem Abschluss eines Einsatzes auch noch der Staatsanwaltschaft Rede und Antwort stehen muss, weil irgendein Außenstehender meint, uns anzeigen zu müssen, dann gefährdet das letztlich die Bindung unserer Ehrenamtler an ihre Tätigkeit“, sagt Mahr mit Blick auf die jüngsten Ermittlungen gegen Rettungskräfte am Rursee. Dort hatte ein Lehrer die Ehrenamtler nach dem tödlichen Unfall eines Jugendlichen angezeigt. Dass einige ehrenamtliche Helfer daraufhin ihren Frust kaum verbergen konnten, sei die Folge davon. „Wenn man sich selbst durch einen Einsatz juristisch in Gefahr bringt, dann kommt schnell der Gedanke auf: Warum machst du das hier überhaupt?“ Zum Glück gebe es in der Bevölkerung keine Akzeptanz für derlei Anzeigen. „Wir als Führungstrio werden immer vor unseren Einsatzkräften stehen“, verspricht Mahr. „In dieser Frage können wir auch auf unseren Bürgermeister Bernd Goffart setzen.“

Für Nicole Mahr überwiegen in ihrem Beruf, der gleichsam eine Berufung ist, zum Glück die positiven Momente: „Ich freue mich auf die Verantwortung, das wird sicher auch eine Herausforderung“, sagt sie. „Ich finde es sehr spannend, die Zusammenarbeit innerhalb der Feuerwehr sowie die mit den anderen Hilfsorganisationen organisieren zu können. Das läuft in Simmerath sehr gut, auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung und der Politik. Das gibt es nicht überall so – umso mehr freue ich mich auf die Zukunft!“