Die Gemeinde Simmerath beteiligt sich an „Silent Rider“

Votum des Gemeinderats für Aktion : Simmerath beteiligt sich an „Silent Rider“ gegen Motorradlärm

Seit Jahren ist der Motorradlärm Grund für andauernden Konflikt zwischen Anwohnern, ruhesuchenden Touristen und Bikern, die laut und schnell auf den kurvigen Strecken der Eifel unterwegs sind.

Wie sehr die Problematik nicht nur Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns unter den Fingernägeln brennt, zeigte sich auf der letzten Sitzung des Gemeinderates, wo eine Stunde über dieses Thema diskutiert wurde – im Zusammenhang mit der Beteiligung der Gemeinde an der Kampagne „Silent Rider – Die Initiative gegen Motorradlärm“, die Anfang Juni in Düren von acht Kommunen aus der Region nebst zehen weiteren Institutionen angestoßen wurde.

Inhaltlich fußt die Kampagne „Silent Rider“ („Leise Fahrer“) auf der Resolution des Gemeinderates gegen Motorradlärm vom September 2010. Schon seit einiger Zeit also beschäftigt sich die Politik mit der Problematik, bisher allerdings ohne durchgreifenden Erfolg trotz häufiger Versuche. Es gab Gesprächsrunden, Appelle und Polizeiaktionen, wobei sich alle lokalen Verantwortlichen darüber einig waren, dass lauf „höherer Ebene“ Grundlagen für Veränderungen geschaffen werden müssen. Bürgermeister Hermanns: „Was wir brauchen, sind Gesetzesänderungen auf Bundes- und Europaebene.“

Die Kampagne soll dabei nun Hilfestellung leisten und politische Entscheidungsträger auf Landes-, Bundes- und Europaebene für die umfassende Problematik des Motorradlärms sensibilisieren. Mittlerweile haben 30 Kommunen und Einrichtungen ihr Mitwirken an der Kampagne signalisiert, die nun bundesweit ausgedehnt werden soll. Hierzu hat man sich, laut Hermanns, professionelle Hilfe von einer Werbeagentur aus Frechen geholt, die mit der Erstellung eines Kommunikations- und Kampagnenkonzeptes beauftragt wurde. Regionale Aktionen und Veranstaltungen sollen ebenso folgen wie eine Internetseite. Das Ganze soll schließlich in einem Symposium gipfeln. Zudem wollen die acht Kommunen rund um den Rursee (Simmerath, Nideggen, Heimbach, Hürtgenwald, Schleiden, Bad Münstereifel, Blankenheim und Nettersheim) eine Gesellschaft (GbR) gründen.

Die Angelegenheit ist natürlich nicht zum Nulltarif zu haben. Die Gesamtkosten der Kampagne bis zum geplanten Symposium betragen nach Schätzung der beauftragten Agentur rund 200.000 Euro. Dabei soll die Finanzierung vorrangig durch Gewinnung möglichst vieler Unterstützer erfolgen. Weitere Mittel sollen mithilfe eines Sponsoringkonzeptes realisiert werden, und jede beteilige Kommune/Region soll sich mit maximal 5000 Euro am Aktionsbündnis beteiligen.

Zum aufgestellten Forderungskatalog der Eifelkommunen gab es bei der Gemeinderatssitzung von Seiten der SPD Bedenken, welche die geforderte Helmkennzeichnung und die Frontkennzeichen bei Motorrädern, von manchen Bikern als „Aufschlitzer“ bezeichnet, betrafen. Man beantragte daher eine Unterbrechung der Sitzung, was am Ende nicht zu einem einstimmigen Meinungsbild führte. Wolfgang Franzen sagte: „Letztlich wird diese Kampagne nichts bringen.“ Und Siefried Lauscher meinte: „Ich werde zustimmen, weil ich der Meinung bin, dass die Punkte, die mich bewegen, nicht durchkommen werden.“

Bürgermeister Hermanns hielt am Ende abermals fest: „Niemand ist pauschal gegen Motorradfahrer. Wir sind Tourismusgemeinde und heißen alle Motorradfahrer willkommen. Was wir nicht wollen, sind die Raser und Heizer.“ Bei vier Enthaltungen stimmte der Gemeinderat schließlich dem Beschluss zu, sich an der Kampagne „Silent Rider“ mit 5000 Euro zu beteiligen und der zu gründenden GbR beizutreten.

(ani)