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Landschaftswettbewerb: Bäume rücken näher an den See

Landschaftswettbewerb : Bäume rücken näher an den See

Der Baum als auflockerndes und gestaltendes Element: Unter anderem mit dieser Idee hat das Büro Sowatorini im Wettbewerb zur Weiterentwicklung der Infrastruktur am Rursee den ersten Preis gewonnen.

Eichen-Tor-Platz, Rurberger Hain-Promenade und Bäume am Horizont: Der Baum als auflockerndes und gestaltendes Element soll das zentrale Thema auch des touristischen Herzstücks von Rurberg werden. Mit diesen Ideen hat das in Bochum und Berlin ansässige Büro Sowatorini nun den ersten Preis im ausgelobten Landschaftswettbewerb zur Weiterentwicklung der touristischen Infrastruktur am Rursee errungen.

In kleiner Runde wurde der Siegerbeitrag nun im Rurberger Antoniushof vorgestellt, wo Simmeraths scheidender Bürgermeister Karl-Heiz Hermanns die Gäste „zu meiner letzten, aber umso bedeutsameren Amtshandlung“ begrüßte. Hermanns zeichnete die vergleichsweise kurze Historie des Wettbewerbs nach, dessen Ausrichtung der Strukturausschuss vor nicht einmal einem Jahr beschlossen hatte.

Nachdem die Ausschreibung durch das Aachener Planungsbüro von Professor Peter Jahnen erfolgt war und die Bewerber sich an die Arbeit machten, folgte ein für den Bürgermeister sehr wichtiger Teil des Projekts, nämlich die Beteiligung der Bürger, „die sehr viele gute und konstruktive Ideen vorbrachten, die auch bei der Umsetzung einbezogen werden“, so Karl-Heinz Hermanns.

 Der Eiserbachseedamm bleibt im Entwurf des Siegerbüros baumlos und soll nur in der Hauptsaison autofrei bleiben.
Der Eiserbachseedamm bleibt im Entwurf des Siegerbüros baumlos und soll nur in der Hauptsaison autofrei bleiben. Foto: Sowatorini Landschaft

Seitens der Experten, also der Landschaftsarchitekten, gingen zwar lediglich sechs Entwürfe ein, „diese aber von der crème de la crème der deutschen Landschaftsarchitekten“, freute sich der Bürgermeister. In einem Bewerberfeld von hoher Qualität sei schließlich bei der Fachjury der Entwurf des jungen Büros Sowatorini durchaus überraschend am höchsten bewertet worden, berichtete Hermanns.

 Landschaftsarchitekt Sebastian Sowa, Ortsvorsteher Sander Lutterbach, Noch-Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und sein Nachfolger Bernd Goffart (v. l. n. r.) präsentierten den Siegerentwurf für die touristische Entwicklung des Rurseezentrums.
Landschaftsarchitekt Sebastian Sowa, Ortsvorsteher Sander Lutterbach, Noch-Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und sein Nachfolger Bernd Goffart (v. l. n. r.) präsentierten den Siegerentwurf für die touristische Entwicklung des Rurseezentrums. Foto: MHA/Heiner Schepp

Professor Peter Jahnen, der die Gemeinde Simmerath auch bei anderen planungsrechtlichen Projekten berät, lobte den Siegerentwurf als den Vorschlag, der wohl am stärksten den Charakter des Rurseezentrums herausgestellt und die Alleinstellungsmerkmale entwickelt habe.

„Die Touristen kommen nicht hierher, um hübsche Blumenrabatte wie in den Städten zu sehen, sondern sie wollen die Landschaft erleben“, meinte Professor Jahnen. Und das Siegerbüro habe beispielsweise auch berücksichtigt, dass der Rursee nicht immer voll sei, sondern der Wasserstand im Jahresdurchschnitt 15 Meter unter dem Stauziel liege, so wie gerade auch.

„Freudig überrascht“ habe ihn die Nachricht vom ersten Preis in diesem interessanten Wettbewerb, bekannte Sebastian Sowa, sozusagen der NRW-Vertreter des Bochumer-Berliner Büros, bei der Vorstellung im Antoniushof. Er habe sich „super intensiv mit dem Ort auseinandergesetzt und Rurberg mehrfach besucht“, berichtete der Landschaftsarchitekt.

Sebastian Sowa gewährte den Zuhörern einen Einblick in seine Gedanken: „Die Dämme am Rursee ziehen einen Horizont in eine Landschaft, die keinen Horizont kennt. Diese Linie teilt die Landschaft in eine Waldwelt und eine Wasserwelt. Die Promenade und die Plätze entlang des Ufers arbeiten mit Typologien von Baumanordnungen, um die Orte räumlich-atmosphärisch zu entwickeln.

 Das Seeufer soll als Hain-Promenade gestaltet werden und nur noch für Anlieger zu befahren sein.
Das Seeufer soll als Hain-Promenade gestaltet werden und nur noch für Anlieger zu befahren sein. Foto: Sowatorini Landschaft

Einzig der Damm bleibt baumlos; das quer in das Tal gelegte Bauwerk bekommt eine glänzende Krone, die als feine Linie den künstlichen Horizont im Tal sichtbar macht, führte Sowa aus, der mit seinem Entwurf in Rurberg vor allem „Atmosphären kreieren“ wolle.

Diese Atmosphäre schaffe der Planer ganz besonders mit einer Hain-Promenade am Seeufer, dem Eichen-Tor-Platz (Festwiese) zwischen Nationalparktor und Antoniushof und veränderten Dammkrone, die aus den genannten Gründen nicht bepflanzt werden, dafür aber saisonal autofrei bleiben soll, wie Karl-Heinz Hermanns lobte.

Auch Ortsvorsteher Sander Lutterbach war begeistert: „Das ist ein Mega-Projekt, wie Rurberg es noch nicht erlebt hat“, freute er sich auf die Umsetzung, die nun in kleinen Schritten erfolgen soll. „Erster Aufschlag“ sei nun der Förderantrag, der noch in diesem Jahr gestellt werde, so dass dann in 2021 möglicherweise schon erste Ideen umgesetzt werden könnten, frohlockten Lutterbach und Hermanns.

Nicht unmittelbar zum Siegerentwurf, aber dennoch zum Gesamtprojekt gehören indes auch zwei neue Gebäude, die vor allem dem Tourismus zugutekommen werden. Die Realisierung des neuen Bistros am Oberseedamm, das schon vor Monaten im Fachausschuss präsentiert wurde, bedarf aber zunächst noch weiterer Gespräche mit dem Wasserverband Eifel-Rur.

Und von Zuschussfragen abhängig ist der Neubau eines zweiten Gebäudes vis-a-vis vom Nationalparktor, „das mehr Platz braucht“, wie der Bürgermeister konstatierte. Sander Lutterbach aber betonte zum Schluss noch einmal seine Prioritäten bei der Weiterentwicklung des Ortes Rurberg: „Für mich stehen an erster Stelle die Menschen, die hier leben, gefolgt von der Natur. Erst dann kommt für mich der Tourismus“, sagte der Ortsvorsteher und ermunterte die Bürger, „auch weiterhin diese tolle Projekte mitzugestalten und zu verfolgen“.