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Energiekrise: Simmerath spart nicht an Straßenbeleuchtung

Energiekrise : Simmerath spart nicht an Straßenbeleuchtung

Die steigenden Gas- und Strompreise kann die Gemeinde derzeit noch gut stemmen. Weitergehende Sparmaßnahmen lehnt Bürgermeister Bernd Goffart aus Sicherheitsgründen ab.

Wo kann die Gemeinde Simmerath in Zeiten explodierender Energiepreise den Strom- und Gasverbrauch noch drücken? Auf diese Frage der UWG hat das Rathaus eine klare Antwort: Beim Sparen ist das Ende der Fahnenstange zunächst erreicht. Weitergehende Maßnahmen etwa bei der Straßenbeleuchtung oder der Beheizung des Schwimmbads sind nach Einschätzung von Bürgermeister Bernd Goffart entweder nicht geboten oder sogar gefährlich. Ein Überblick:

Der Gasverbrauch: Die Gemeinde Simmerath verbraucht jährlich rund 1,2 Millionen Kilowattstunden Gas. Den Löwenanteil beanspruchen die beiden Grundschulen in Lammersdorf (527.000 Kilowattstunden mit Turnhalle und Lehrschwimmbecken) und Simmerath (322.000 kWh). Es folgen mit 122.000 kWh Jahresverbrauch das Rathaus und mit 118.000 kWh das Gebäude in der Bickerather Straße (Gemeindebibliothek/Jugendtreff). Der Bauhof (54.000 kWh) und die alte Schule in Paustenbach (14.000) sind die geringsten Verbraucher.

Die Vertragssituation: Derzeit bezieht die Gemeinde noch bis Ende des Jahres Gas aus einem Altvertrag mit der EWV. „Die Verwaltung steht im ständigen Austausch mit dem Versorger. Ziel ist es, wieder einen Vertrag mit einem Versorgungsunternehmen abzuschließen, um nicht in die Grundversorgung zu fallen“, schreibt die Verwaltung in ihrer Antwort an die UWG. Die aktuellen Stromlieferverträge laufen demnach noch bis Ende 2023. Im nächsten Jahr steht daher eine neue Ausschreibung an.

Die künftigen Mehrkosten: In diesem Jahr rechnet die Gemeinde beim Gas lediglich mit Mehrkosten durch die vom Gesetzgeber beschlossene Gasumlage ab dem 1. Oktober in Höhe von 2,478 Cent pro Kilowattstunde – insgesamt einschließlich Steuern also rund 7700 Euro. Im nächsten Jahr droht dann der Preishammer: Rund 270.000 Euro würden fällig, wenn der Preis um etwa 20 Cent pro kWh steigt. Ob der Gaspreis nicht noch viel höher ausfällt, kann derzeit allerdings niemand garantieren.

Die Stromkosten haben sich aufgrund neuer Verträge um 100.000 Euro im Vergleich zu 2021 erhöht. Für das Jahr 2023 sei keine Erhöhung zu erwarten. Weil die Gemeinde pro Jahr auch rund 152.000 Liter Heizöl einkauft, sind auch hier Mehrkosten von 54.000 Euro zu kalkulieren. Insgesamt erhöht sich die Energierechnung also 2022 um rund 64.000 Euro.

Die Straßenbeleuchtung: „Wir sind auf dem niedrigsten Niveau, das möglich ist. Weniger geht nicht aufgrund der Verkehrssicherungspflicht“, erklärt Bürgermeister Bernd Goffart im zuständigen Ausschuss. „Wir haben darüber nachgedacht, nur jede zweite Straßenlaterne einzuschalten. Aber auch das ist aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht sehr problematisch, weil dann helle und dunkle Bereiche entstehen.“ Eine komplette Nachtabschaltung, wie es sie für die Eifel einmal gab, sei für die gefühlte Sicherheit denkbar schlecht. Geplant ist deswegen nur eine verbesserte technische Schaltung, um punktgenau die Straßenlampen am Abend einzuschalten.

Die Temperatur in öffentlichen Gebäuden und in Schwimmbädern: Nach der geltenden Energieeinsparverordnung beheizt die Gemeinde ihre Büroräume nur noch bis zu einer Temperatur von 19 Grad. Öffentliche Gebäude werden nicht mehr angestrahlt.

 Das „SimmBad“ wird mit Holzpellets beheizt und ist deshalb nicht von Sparmaßnahmen betroffen.
Das „SimmBad“ wird mit Holzpellets beheizt und ist deshalb nicht von Sparmaßnahmen betroffen. Foto: Jessica Jehnen

Im Lehrschwimmbecken Lammersdorf, das mit Gas beheizt wird, wurde die Wassertemperatur um zwei Grad abgesenkt. Gäste im „SimmBad“ bleiben hingegen von Temperaturabsenkungen verschont – weil dies unabhängig von Gas nur durch das Simmerather Pellet-Heizkraftwerk mit Wärme versorgt wird, ebenso wie der gesamte Komplex der Sekundarschule. „Wir tun bereits sehr viel“, erklärt Goffart auf Nachfrage der UWG. Alle gesetzlichen Sparvorgaben bezögen sich nur auf Strom und Gas. „Wenn wir in die nächste Stufe hereinkommen sollten, wären alle Lehr- und Schulschwimmbecken zu schließen, die von Gas gespeist werden.“ Das „SimmBad“ hingegen könne auch dann weiterhin geöffnet bleiben.