Roetgen: Seniorenheim-Erweiterung in Roetgen rückt näher

Roetgen: Seniorenheim-Erweiterung in Roetgen rückt näher

Das Seniorenheim der Itertalklinik an der Jennepeter straße in Roetgen soll umfangreich erweitert werden, weil das andere Wohnheim der Klinik an der Bundesstraße aufgrund geänderter gesetzlicher Vorgaben Ende des Jahres 2017 geschlossen werden muss.

Nachdem die Pläne mehrfach überarbeitet werden mussten, hat der Bauausschuss der Gemeinde Roetgen am Dienstagabend den vorhabenbezogenen Bebauungsplan verabschiedet.

Schon im August 2015 hatte der Investor dem Bauausschuss einen Entwurf vorgelegt, der ein Quergebäude mit einer Länge von 53 Meter und einer Höhe von circa 20 Metern sowie den Bau eines Hauses für betreutes Wohnen vorsah. Dies stieß bei den Anwohnern der Jennepeterstraße und des Neubaugebietes Wiedevenn auf Widerstand. Sie befürchteten, dass der Gebäudekomplex eine Nummer zu groß und ihre Wohnqualität nachhaltig eingeschränkt würde.

Aber auch bei den Ausschussmitgliedern stieß die Planung teilweise auf Kritik, weil die Gebäudekubatur als zu massiv, die Geschossigkeit als zu hoch und die Lage als zu wenig angepasst an die vorhandene Bebauung gesehen wurde. Daraufhin erarbeiteten der Architekt, der Betreiber und die Bauverwaltung Vorgaben für eine überarbeitete Entwurfsplanung.

Aber auch diese Pläne fanden in der nächsten Sitzung des Bauausschusses Ende Oktober 2015 keine Zustimmung. Es herrschte der Tenor vor, dass das Gesamtobjekt eher noch umfangreicher geworden und in dieser Form nicht genehmigungsfähig sei.

Die Pläne wurden daraufhin in Abstimmung mit Prof. Westerheide vom Institut für Städtebau und Landesplanung der RWTH erneut überarbeitet. Geprüft wurde auch die Anregung der SPD, die Planung auf Teile des Leichtathletikplatzes auszudehnen. Diese Option ist vom Tisch. Der TV Roetgen und der FC Roetgen lehnen dies ab, da mit steigenden Mitgliederzahlen und einem erhöhten Platzbedarf zu rechnen sei. Das Ergebnis der neuen Planung wurde im März im Rahmen einer interfraktionellen Sitzung vorgestellt. Das bestehende Seniorenwohnheim an der Jennepeterstraße soll einen rund 24 mal 26 Meter großen, viergeschossigen Anbau erhalten. Dort sind 36 Wohngemeinschaftsplätze und zwölf Tagespflegeplätze vorgesehen.

Westlich davon soll ein zweigeschossiges Gebäude mit einer Kubatur von rund 31 mal 17 Metern und einer Höhe von 10,40 Meter Platz für 13 Wohneinheiten und einen Gemeinschaftsraum bieten. Östlich vom Hauptgebäude soll ein dreigeschossiges Haus mit einer Fläche von rund 39 mal 17 Metern und einer Gesamthöhe von 13,25 Metern entstehen. Dieses Gebäude soll Platz für 26 Wohneinheiten und einen Gemeinschaftsraum bieten. Die Abstandsflächen zwischen den Gebäuden sind so gewählt, dass Blicke in die Landschaft möglich sind. Es ist geplant, die Gebäude mit einem Tunnel zu verbinden.

Bernhard Müller (Grüne) freute sich, dass auf die Einwände eingegangen wurde. Die neue Anordnung der Gebäude bezeichnete er als positiv. Nach Rechnung der Grünen seien aber mindestens 56 Parkplätze nötig, um Parkplatzsuchverkehr in der Jennepeterstraße und im Wohngebiet Wiedevenn zu vermeiden. Aus dem gleichen Grund plädieren die Grünen dafür, nur eine Zufahrt von der Jennepeterstraße aus zu schaffen. „Der Verkehr wird eine entscheidende Rolle spielen“, betonte Müller.

Auch Bernd Vogel (PRB) befürchtete ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in dem Wohngebiet. Bürgermeister Jorma Klauss beschäftigte diese Frage ebenso. Er sah kein Problem darin, zwölf Parkplätze, vielleicht nur für Mitarbeiter, über die Sportplatzstraße anzubinden.

Helmut Mulortz (SPD) freute sich, dass auch in Zukunft viele Betreuungsplätze in verschiedensten Formen in Roetgen vorhanden seien. Die Planer hätten viele Anregungen aufgenommen, daher wunderte er sich, „dass vieles negativ gesehen wird“. „Klar ist, dass in der Jennepeterstraße kein Chaos entstehen darf“, sagte er.

Michael Seidel (CDU) begrüßte die neuen Pläne. Für seine Fraktion sei die Schaffung von altengerechten Wohnung und Pflegeplätzen in der Ortsmitte sehr wichtig. „In Zeiten des demografischen Wandels müssen wir auch in Roetgen umdenken und Angebote schaffen“, sagte Seidel. Die Diskussion sei typisch für Roetgen. Er sei gerne bereit, die Parkplatzfrage im weiteren Verfahren zu klären. Wichtig sei, jetzt den Weg für das Projekt frei zu machen. „Es ist gegenüber dem Investor fast nicht mehr zumutbar, hier über Details zu diskutieren“, sagte Seidel.

Silvia Bourceau (UWG) bemühte die Historie und verwies auf frühere Entscheidungen und Bebauungspläne. Früher seien großvolumige Baukörper in diesem Bereich ausgeschlossen gewesen, Stellflächen seien reduziert, die Höhe von Gebäuden begrenzt und die Höchstzahl von Wohnungen begrenzt gewesen.

Der Plan sei zwar gut, widerspreche aber den Grundlagen auf denen Anwohner ihre Häuser gekauft hätten. Sie sei froh, dass man den Plänen nicht gleich zugestimmt habe und so eine bessere Entwicklung erreicht habe. „Wir werden kämpfen, dass sich der Komplex noch ein bisschen in das Wohngebiet einfügen wird“, sagte Bourceau. Franz-Josef Zwingmann (FDP) sprach sich „ganz klar“ für die vorgestellten Pläne aus. Der Ausschuss stimmte schließlich der Einleitung des Verfahrens zur Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans zu. PRB und UWG stimmten dagegen.

(ag)
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