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Selbsthilfegruppe in Roetgen: Selbsthilfe zu Fibromyalgie

Selbsthilfegruppe in Roetgen : Selbsthilfe zu Fibromyalgie

Seit Mitte August gibt es eine Selbsthilfegruppe in Roetgen unter dem Dach der Eifeler Caritas, deren Teilnehmer sich einmal im Monat treffen, um über ihre Erkrankung „Fibromyalgie“ miteinander ins Gespräch zu kommen.

Dabei handelt es sich um ein Syndrom, das medizinisch in den Bereich der Weichteilrheumatologie fällt. Es ist gekennzeichnet von chronischen Muskel-Faser-Schmerzen, auch an den Sehnenansätzen und Gelenken, die wechselnd oder gleichzeitig an verschiedenen Körperregionen auftreten.

Die Muskulatur der inneren Organe kann ebenfalls davon betroffen sein. Schlaflosigkeit, Erschöpfung und Depression sind weitere typische Merkmale. Es ist keine Erkrankung mit Todesfolge, es gibt jedoch auch kein wirksames Heilmittel. Fibromyalgie ist erst seit 2012 in den Katalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aufgenommen worden und noch nicht jedem Mediziner geläufig; die richtige Diagnose zu stellen ist somit schwierig.

Anette Hertzog-Häcker, Sozialpädagogin aus dem Raum Monschau, ist selbst Betroffene und hat die Gruppenleitung neu übernommen. Entstanden war die Gruppe durch die private Initiative eines Erkrankten aus Simmerath, der sich jedoch aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte. Das Angebot konnte nun in der Roetgener Caritas-Tagespflege St. Hubertus neu verortet werden. Unterstützung erhielt die Gruppenleiterin von Martina Bertram, Gemeindecaritas und Ehrenamtskoordination beim Wohlfahrtsverband mit Sitz in Schleiden, die bereits mehrere Selbsthilfegruppen mit aufgebaut hat.

Pro Treffen etwa zehn Personen

„Aktuell besteht die Gruppe aus rund 20 Teilnehmern, die aber nicht alle gleichzeitig kommen“, berichtet Annette Hertzog-Häcker. „Pro Treffen sind wir etwa zehn, zwölf Personen. Sie kommen nicht nur aus der unmittelbaren Region — auch Menschen aus Baesweiler, Bütgenbach, Hellenthal oder Eschweiler sind dabei. Der Leidensdruck der Erkrankten ist also offensichtlich so hoch, dass man auch weitere Fahrten auf sich nimmt.“ Hertzog-Häcker kann dies gut nachvollziehen.

Die Fibromyalgie, unter der sie nun schon seit etwa 20 Jahren zu leiden hat, brachte nicht nur eine 50 prozentige Schwerbehinderung sowie eine Teilerwerbsminderungsrente mit sich. Insbesondere der lange Weg auf der Suche nach der richtigen Diagnose und die mitunter niedrige Akzeptanz der Symptome durch andere Menschen wecken den Wunsch nach einem Austausch. „Zunächst mal ist es schon eine Odyssee, bis man endlich herausgefunden hat, was es wirklich ist. Der Arzt tippt anfänglich beispielsweise auf Halswirbelsyndrom oder Verschleiß an den Gelenken, aber auch Stress kommt als Ursache für Schmerzen und Erschöpfung infrage.“ Häufig äußerten Betroffene zudem, dass das eigene Umfeld oftmals Schwierigkeiten damit habe, die Anzeichen der Erkrankung richtig ernst zu nehmen. „Wenn ich jemandem von den typischen Schmerzen erzählte, bekam ich manchmal ein ‚Ach ja, ich habe heute auch Rücken‘ zur Antwort. Andere gaben gar ein lapidares ‚Naja, komm, das bisschen, stell dich mal nicht so an‘ zurück. Dann hören Menschen mit Fibromyalgie schnell auf, über ihre Krankheit oder die Symptome zu sprechen und reagieren mit Rückzug.“

Die zeitnahe Übernahme und Weiterführung der Selbsthilfegruppe war daher von großer Bedeutung. „Mir war daran gelegen, eine gute Netzwerkarbeit zu leisten“, unterstreicht Martina Bertram, die beratend und begleitend zur Seite stand. Das Selbsthilfebüro Aachen unterstütze die Gruppe durch fachliche Beratung und Informationen über Fördermittel. „Unsere Teilnehmer sind angetan, dass das Ganze als Gruppe der Caritas jetzt einen offiziellen Charakter hat“, ergänzt Hertzog-Häcker. In der Gruppe fühlen sich die Teilnehmer verstanden sowie akzeptiert und profitieren von den Erfahrungen anderer. Auch die Aufklärung über Behandlungsmöglichkeiten ist ein wichtiger Punkt.

„Es gibt drei Säulen der Behandlung: Schmerztherapie, Physiotherapie und Psychotherapie. Die Krankheit ist zudem sehr individuell in ihrer Ausprägung, bei dem einen ist das Körperliche im Vordergrund, bei dem anderen die Psyche“, betont die Sozialpädagogin. Das Alter der Teilnehmer erstreckt sich etwa von 30 bis über 60 Jahre. Die Krankheit trifft vor allem Frauen — warum dem so ist, kann die Medizin bis dato nicht erklären. Etwa ein Drittel der Gruppenteilnehmer ist noch erwerbsfähig, der Rest ist dauerhaft krankgeschrieben oder früh berentet. Anette Hertzog-Häcker hat die Anzahl ihrer Wochenstunden aufgrund der Erkrankung reduziert.

Die Gruppe trifft sich jeden 3. Montag im Monat um 18 Uhr für zwei bis drei Stunden in der Caritas Tagespflege St. Hubertus, Hauptstraße 71, in Roetgen. Wer Fragen hat, kann sich gerne an Anette Hertzog-Häcker unter Tel. 02472/6216519 oder per E-Mail an a.hertzog-haecker@gmx.net wenden.