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Nordeifel: Selbst ein „großer Rums” haut die Eifel-Talsperren nicht um

Nordeifel : Selbst ein „großer Rums” haut die Eifel-Talsperren nicht um

Ein Erdbeben der Stärke 5,9 auf der Richterskala hat im April 1992 die Menschen in der Region aufgeschreckt. Während es an etlichen Gebäuden zum Teil erhebliche Schäden gab, blieben die Talsperren in der Eifel unberührt.

Auch für die Zukunft, womöglich für die nächsten 10.000 Jahre, gilt: Alles bleibt im grünen Bereich, auch wenn es im Raum Aachen vor Ablauf dieser 10.000 Jahre den „ganz großen Rums” geben sollte.

Mit dem „großen Rums” ist dabei nicht etwa eine Magnitude zwischen 8,0 und 9,0 gemeint, wie sie bei etlichen Katastrophen rund um den Globus gemessen wird. Die Rede ist von einer Magnitude zwischen 6,8 und 7,0, wie Dr. Klaus-Günter Hinzen, Leiter der Erdbebenstation Bensberg der Uni Köln, erläutert: „Das ist für diese Region ein großer Rums.”

Mehr kann es aufgrund der geophysikalischen Verhältnisse aber auch nicht werden. Doch es ist reichlich. Gegenüber dem so genannten Roermond-Beben von 1992 würde sich bei einer Magnitude von 7,0 die Bodenbewegung verzehnfachen. Die Energie, die ein solches Beben freisetzen würden, wäre 30 mal größer als 1992 mit einer Stärke von 5,9. Aber auch ein solches 7er-Beben gibt es statistisch nur alle paar tausend Jahre. Hinzen: „Wann das sein wird, kann allerdings niemand voraussagen.”

Kleinere Beben gehören in dieser äußerst aktiven Erbebenzone längst zu Alltag. Immer wieder zucken die Seismographen und registrieren Erdstöße in einer Stärke, die normalerweise niemand wahrnimmt. Fallen sie etwas stärker aus, wie im Juli 2002, kippen einige Bücher aus dem Regal, Geschirr scheppert im Schrank oder man hat das Gefühl, ein dicker Lkw rumpelt vorbei. Bei dem Erdstoß mit einer Stärke von 4,8 mit dem Epizentrum bei Alsdorf gingen im Dürener Raum lediglich zwei Schornsteine zu Bruch.

Während ein „große Rums”, vor allem mit dem Epizentrum in geringer Tiefe und in der Nähe einer Stadt, wahrscheinlich katastrophale Folgen haben würde, wären die Talsperren nicht in Gefahr. Denn die Talsperren, so Hinzen, unterliegen einer Norm, die beim Bau und bei der so genannten Ertüchtigung älterer Stauwerke zu berücksichtigen ist. Dabei, so erläutert Hinzen weiter, sind Bodenbewegungen eingerechnet, „wie sie nur alle 10.000 Jahre zu erwarten sind”. Der mögliche Super-GAU ist also bereits in die Statik eingerechnet.

Jährlich werden die Talsperren von einem eigenen TÜV überprüft, weiß Walter Dautzenberg, Geschäftsführer der Wassergewinnungs- und aufbereitungsgesellschaft Nordeifel mbH (WAG). Bei den Stauseen in der Eifel werde größter Wert auf die Sicherheit gelegt. Selbst bei einem Erdbeben der Stärke 8,0 bis 8,5, eine Gefahr, die nur rein rechnerisch besteht, „hätte die eine oder andere Talsperre in der Mauer lediglich einen Riss, aus dem Wasser austreten könnte”. Walter Dautzenberg: „Zusammenbrechen würde keine der Staumauern. Es braucht also niemand Angst zu haben, dass irgendwann einmal die Täler nach einem Erdbeben überflutet sind.”

Die Katastrophe wird regelmäßig geübt

Ein Flugzeugabsturz, Sabotage oder ein Terroranschlag (spätestens seit dem schwarzen 11. September 2001) auf eine Talsperre sind nicht völlig auszuschließen.

Was präventiv getan werden kann, das wird auch getan, heißt es unisono bei allen Beteiligten. Warnungen und Hinweisen der Geheimdienste, so es sie denn irgendwann geben sollte, werde natürlich nachgegangen.

Nicht völlig ausgeschlossen werden kann, dass ein vollbesetzter Jumbo über der Eifel abschmiert und sich in eine Staumauer bohrt. Für diesen Fall liegen Katastrophenschutzpläne in der Schublade. Damit jeder weiß, was er zu tun hat, wenn ein solcher Plan hervorgekramt werden muss, wird alles Notwendige regelmäßig geübt.

Feuerwehr, Rettungsdienste, Hilfsorganisationen und Polizei nehmen teil und proben den Ernstfall. Das reicht von der Versorgung der Verletzten und der Bergung der Toten bis hin zur Evakuierung der Häuser in den von Überschwemmung bedrohten Gebieten.