Sechsstelliger Gewinn im Wald der Gemeinde Roetgen

Forstwirtschaftsplan 2019 : Sechsstelliger Gewinn im Roetgener Wald

Der Roetgener Gemeindewald wird voraussichtlich auch im Jahr 2019 einen Gewinn in sechsstelliger Höhe abwerfen. Die nun von Gemeindeförster Wolfgang Klubert vorgelegte Forstwirtschaftsplanung für das kommende Jahr fand zwar im Fachausschuss allgemeine Zustimmung und eine deutliche Mehrheit, doch gab es auch Kritik – traditionell von den Grünen.

„Wir wollen auch weiterhin nachhaltig und zukunftsorientiert arbeiten“, gab Gemeindeförster Wolfgang Klubert im Umwelt-, Touristik- und Forstausschuss (UTF) des Roetgener Rates die Leitlinie seiner Abteilung vor. Sein Forstwirtschaftsplanentwurf für das nächste Jahr sieht den planmäßigen Einschlag von 5375 Festmetern Holz auf 113,56 Hektar Fläche sowie 1000 Festmetern Windwurf- und Käferholz als Sammelhieb vor, insgesamt also eine Einschlagmenge von 6375 Festmetern. „Die Hiebfläche ist größer als 2018, der Eingriff etwas moderater“, zog Klubert den Vergleich zum laufenden Jahr. Der Förster verwies darauf, dass der Ansatz für außerplanmäßige Kalamitätshiebe immer ein Schätzwert sei, „denn Kalamitäten sind Naturereignisse und daher nicht schätzbar“, so Klubert. Die planmäßigen Einschläge seien hingegen Erfahrungswerte.

Natürlich wird 2019 nicht nur geerntet, sondern auch aufgeforstet und verjüngt: Auf 43 Hektar sollen mit einem Ansatz von 66 000 Euro Maßnahmen zur Bestandsbegründung erfolgen. „Vorgesehen ist die Pflanzung von 10 000 Rotbuchen und die Pflege von Kulturen, Jungwüchsen und Naturverjüngung“, ging Wolfgang Klubert ins Detail.

Ein strittiges Thema ist auch im neuen Forstwirtschaftsplan der Wegebau. Die Planung sieht vor, den 850 Meter langen Stiller-Johann-Weg und den Grenzweg auf einem ebenfalls 850 Meter langen Teilstück mit Haushaltsmitteln in Höhe von insgesamt 26 750 Euro instandzusetzen. „Wenn man bei der Pflege der Wege am Ball bleibt, hat man weniger tiefgreifende Instandsetzung“, erläuterte Gemeindeförster Klubert. Die von ihm und seiner Abteilung ausgesuchten Wege für eine Instandsetzung stießen auf Kritik bei Gudrun Meßing (Grüne): „Saniert werden wieder Wege, wo es nicht nötig ist, jedenfalls nicht dringend. Der Rote Weg aber wurde wieder nicht in ihrer Planung berücksichtigt, obwohl er riesige Löcher aufweist“, wusste Meßing und verschärfte den Ton: „Sie kommen da der Verkehrssicherungspflicht nicht nach. Wenn ich da mit dem Fahrrad stürze, verklage ich sie“, drohte die Grünen-Vertreterin. Petra Knur (SPD) pflichtete ihr zumindest in diesem Punkt bei: „Der Rote Weg ist wirklich schlecht. Auch zu Pferd muss man die Schlaglöcher umreiten“, so Knur. Wolfgang Klubert aber blieb gelassen: „Natürlich sind da Schlaglöcher. Aber es sind waldtypische Schäden, mit denen man auf Waldwegen einfach rechnen muss“, meinte Klubert und konstatierte: „Der Rote Weg ist stabil und standfest und sollte für einen normalen Radfahrer kein Problem darstellen.“

Widersprüchliche Meinungen gab es auch zur Anschaffung einer forstwirtschaftlichen Zugmaschine, die im Forstplan 2019 mit 20 000 Euro veranschlagt ist. Das geländegängige Fahrzeug, eine Art geschlossenes Quad, soll die Forstarbeiter und ihr Werkzeug auch auf unbefestigten Wegen und Schneisen zu ihren täglich wechselnden Arbeitsorten transportieren. Bislang fahren die gemeindeeigenen Forstwirte mit ihren privaten Pkw in die Nähe ihrer Einsatzorte, „aber das ist nicht mehr zeitgemäß und unter dem Strich auch teurer“, erklärte Wolfgang Klubert und sieht die Anschaffung schon in kurzer Zeit amortisiert. Ob man die Forstarbeiter denn nicht mit dem Fahrzeug des Försters „kutschieren“ könne, das vor zwei Jahren angeschafft worden sei, wollte Patrick Jansen (UWG) wissen. Dies sei logistisch kaum möglich, erwiderte Bürgermeister Jorma Klauss. „Herr Klubert fährt ja nicht immer mit seinen Waldarbeitern, um sie zu beaufsichtigen“, meinte Klauss augenzwinkernd. Gerd Pagnia (Grüne) war die Anschaffung aus einem anderen Grund ein Dorn im Auge. „Der Gemeindewald ist soetwas wie eine Enklave in unserem defizitären Haushalt und führt ein schönes Eigenleben. Im allgemeinen Haushalt müssen wir die Steuern erhöhen, aber im Forsthaushalt geben wir mal eben 20 000 Euro für eine solche Anschaffung aus. Das wäre an keiner anderen Stelle des Haushalts möglich“, kritisierte Pagnia und erinnerte an das gekaufte Förster-Fahrzeug vor zwei Jahren.

Die übrigen Fraktionen jedoch bewerteten den vorgelegten Plan durchweg positiv. „Der Förster hat den Forstwirtschaftsplan mit Augenmaß erarbeitet“, lobte Helmut Mulorz (SPD), „alles gut“, kommentierte Dr. Georg Dittmer (FDP) kurz und knapp, und Margitta Hill (CDU) dankte Klubert und seiner Abteilung „für hervorragende Arbeit in unserem Wald“. Wie hoch denn voraussichtlich der Schäden durch den trockenen Sommer seien, wollte Wolfgang Schruff (PRB) wissen, und der neue Ausschuss-Vorsitzende Stephan Speitkamp (CDU) fragte, wie groß denn das daraus resultierende Risiko bei den kommenden Herbststürmen sei. „Ich bin kein Prophet“, meinte Wolfgang Klubert, blieb aber vorsichtig optimistisch: „Ich denke, dass wir noch Glück gehabt haben“, sagte Klubert und rechnet mit „Einbußen wie überall im Land“ und einem rund 30 Prozent niedrigeren Preis für Käferholz. Bei den Neuanpflanzungen rechnet er mit einem Ausfall von bis zu 25 Prozent vertrockneter Pflänzchen. „Da müssen wir nachbessern“, kündigte er an.

Der Forstwirtschaftsplan wurde dem Rat für seine Sitzung am 11. Dezember mit zehn Ja-Stimmen bei Gegenstimmen der beiden Grünen-Vertreter sowie Patrick Jansen (UWG) empfohlen.