Simmerath: Schwartz GmbH: Vom Ein-Mann-Betrieb zum Weltmarktführer

Simmerath: Schwartz GmbH: Vom Ein-Mann-Betrieb zum Weltmarktführer

Vor zwölf Wochen war für Rolf Schwartz Feierabend. Endgültig. Er erhielt sein letztes Gehalt, verließ seinen Arbeitsplatz und blickt nun entspannt seinem Ruhestand im Simmerather Eigenheim entgegen. Der 63-jährige Firmengründer war nie ein Mann der großen Worte, sondern immer ein Mann der Tat.

Rolf Schwartz darf man durchaus als einen ungewöhnlichen Unternehmer bezeichnen. Aus einem Ein-Mann-Betrieb baute er, ab 2011 mit Alexander Wilden als alleinigem Geschäftsführer, eine stattliche mittelständische Firma auf, die inzwischen beim Vertrieb von Formhärte-Öfen 95 Prozent des Weltmarkt-Anteils besitzt. Das Stammwerk der Firma Schwartz im Gewerbegebiet Rollesbroich produziert Wärmebehandlungsanlagen für das Presshärten von Karosserie-Strukturteilen sowie für die Stahl-, Aluminium- und die NE-Metallindustrie. Die Produkte sind weltweit gefragt und geschätzt. Die Schwartz GmbH zählt weltweit 140 Mitarbeiter, davon 110 in Rollesbroich. Und der Expansionskurs geht weiter.

30 Patente erworben

Die rasante Entwicklung des Unternehmens mit Niederlassungen in Shanghai und Chicago basiert nicht zuletzt auf den von Rolf Schwartz entwickelten Verfahren, aus denen 30 Patente für die Firma Schwartz hervorgingen und die im Zuge seines Anteilsverkaufs an die Firma übergegangen sind. Wärmebehandlungsanlagen, wie sie bei der Schwartz GmbH in Rollesbroich hergestellt werden, dienen dazu, Metallbauteile, insbesondere für den Karosseriebau in der Automobilindustrie, in einem bestimmten Zeitraum gezielt hohen Temperaturen (bis zu 1000 Grad) und Abkühlungsprozessen zu unterziehen. Dadurch gewinnen die Metallbauteile eine höhere Stabilität und Belastbarkeit. Mehr als 800 Schwartz-Anlagen sind weltweit Tag für Tag im Einsatz.

Bei Junker begonnen

Auch Ehefrau Gabi, die zunächst Lehrerin war, hat die Geschichte der Firma von der ersten Minute an hautnah miterlebt. Zunächst als zeitweilige Bürokraft im Betrieb des Ehemannes und später im Bereich Marketing war sie stets über die Befindlichkeiten des Unternehmens informiert. Das gemeinsame Engagement für die Firma war lange Zeit der alles bestimmende Faktor im Leben der Eheleute Schwartz.

Dabei hatte Rolf Schwartz ursprünglich nie daran gedacht, ein eigenes Unternehmen zu führen. Der Diplom-Ingenieur war bei der Lammersdorfer Firma Junker beschäftigt und zwar als Konstruktionsleiter in deren Zweigwerk in Gevelsberg. Als Junker die Außenstelle im südlichen Ruhrgebiet schloss, wagte der damals 32-jährige Schwartz mit drei Mitarbeitern, die ebenfalls zuvor bei Junker in Gevelsberg beschäftigt waren, den Neustart. Er kaufte sich „ein Schweißgerät, einen Winkelschleifer, eine Schreibmaschine und ein Zeichenbrett. „Dann ging es los“, sagt er.

Bei früheren Firmenkunden reparierte er Öfen, knüpfte neue Kontakte, ehe dann der erste Auftrag folgte. Schwartz schweißte in einer Garage seinen ersten Wärmebehandlungsofen zusammen und sein erstes selbst gefertigtes Produkt fuhr er mit einem Campingbus zum Auftraggeber.

Am 19. März 1984 wurde dann die Schwartz GmbH in Gevelsberg gegründet. Es sollte der Beginn einer erstaunlichen Erfolgsstory werden. Wenige Meter neben dem Werkstor befand sich das Privathaus der Familie Schwartz. Im Schlafzimmer der Drei-Zimmer-Wohnung dominierte das monumentale Zeichenbrett. Der Sprung in die Selbstständigkeit war alles andere als romantisch: „Ich habe manche schlaflose Nacht gehabt“, erinnert sich Rolf Schwartz.

Produziert wurden vom Vier-Mann-Team Industrieöfen aller Art und die Lieferungen gingen bis Fernost. Das schnell wachsende Unternehmer wurde mehrfach erweitert, doch nach vier Jahren zog es den in Roetgen geborenen Rolf Schwartz und seine aus Simmerath stammende Ehefrau wieder zurück in die Heimat. 1988 verlagerte er sein Unternehmen ins Gewerbegebiet Rollesbroich und errichtete hier eine Werkhalle mit Bürogebäude.

Als Unternehmenschef war er weiterhin auch Konstrukteur in der Firma. „Man denkt über einen Lösungsweg nach, und plötzlich kommt die Lösung wie ein Geistesblitz“, erläutert er. Dieser Erfindungsgeist ist auch nach seinem Ausscheiden Teil der Unternehmenskultur und brachte dem Unternehmen trotz starker Konkurrenz in diesem Jahr den AC²-Innovationspreis ein. Diesen Preis nahm Alexander Wilden, der geschäftsführende Gesellschafter im Namen aller Mitarbeiter, entgegen. Der heute 46-Jährige stieg 2005 in beratender Funktion wieder in das Unternehmen ein, wurde 2011 zum alleinigen Geschäftsführer und ist seit 2014 Mehrheitseigner. Auch aus der Sicht von Rolf Schwartz war dies eine gute Entscheidung für die Beibehaltung der Kontinuität des Betriebes und dessen Weiterentwicklung.

Es wird weiter konstruiert

Der Ruhestand wird für Rolf Schwartz zum großen Teil mit Arbeit, wenn auch stressfrei und ohne Zeitlimit, ausgefüllt sein. Rolf Schwartz wird sich dann zwar nicht mehr dem Ofenbau widmen, dafür aber auf den Bereich der Motorenkontrolle konzentrieren. Dafür hat er sich einer Ingenieur-Gesellschaft angeschlossen, die neue Antriebstechniken für Boote und Flugzeuge in Kooperation mit einem englischen Professor und der RWTH Aachen entwickelt. Der 63-Jährige hat gerade damit begonnen, sich eine Werkstatt einzurichten. „Ich fange also jetzt wieder in einer Garage an“, schmunzelt Rolf Schwartz darüber wie sich der Kreis nun schließt. Sein Kopf ist voller Ideen, und wenn er über Konstruktionstechnik erzählt, ist er in seinem Element. Er denkt zurück an frühere Zeiten, als Konstruktions-Arbeitsplätze teuer und umständlich waren. Heute gehe man am Computer „völlig andere Wege von der Idee bis zur Umsetzung“ und habe zudem viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung, um ein Produkt zu entwickeln.

Im Ruhestand aber sollen auch andere Hobbys nicht zu kurz kommen. Das Ehepaar Schwartz hat bereits mehrere Reisen unternommen („Wir haben noch einige Tage alten Urlaub“, lacht Rolf Schwartz), und auf dem Flugplatz Merzbrück steht ein einmotoriges Flugzeug bereit.

(P. St.)
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