Schüler informieren sich beim Ausbildungstag in Simmerath über Berufe

„Das erste Date“ in beruflicher Hinsicht : Schüler informieren sich beim Ausbildungstag

„Der Ausbildungstag ist wie ein erstes Date für zukünftige Azubis und die Betriebe“. Mit diesen Worten begrüßt der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns am Donnerstag die Teilnehmer der 19. Ausbildungsmesse, die in diesem Jahr in der Dreifachturnhalle des Berufskollegs Simmerath unter dem Motto „Auf dich kommt’s an“ stattfand.

Knapp 500 Schüler aus der Nordeifel sind gekommen, um sich bei den 67 Betrieben aus den verschiedensten Bereichen, die vor Ort ihre Arbeit vorstellen, zu informieren. Unter den interessierten Schülern ist auch der Neuntklässler Julian Heeren von der Sekundarschule Nordeifel. Die Schule ist – nach dem gastgebenden Berufskolleg Simmerath – die Schule mit den meisten (rund 100) Schülern vor Ort.

Was genau er in der Zukunft machen möchte, ist für ihn noch nicht ganz klar, auch nicht, ob es überhaupt eine Ausbildung sein soll. Julian Heeren fasst eigentlich ein Studium ins Auge. Aber: „Ich könnte mir theoretisch auch eine Ausbildung vorstellen. Ich will heute einfach ein bisschen herumschauen und gucken, ob ich etwas Interessantes finde“, sagt der 15-Jährige.

Am Stand der Werbetechnik Closier, einem kleinen Familienunternehmen aus Monschau, das Schilder- und Leuchtreklame produziert, versucht sich Heeren an einer speziellen Folie, die er über ein Modellauto kleben soll. „Naja, es klappt noch nicht so gut“, sagt er und probiert, die Bläschen unter der Folie herauszudrücken. René Closier, Sohn des Geschäftsführers, zeigt den Schülern vor Ort, worauf es bei der filigranen Arbeit ankommt und klärt über den Beruf auf.

Beim Ausbildungstag in Simmerath konnten sich rund 500 Schüler aus Monschau, Roetgen, Simmerath und Hürtgenwald über die rund 70 anwesenden Betriebe und deren Arbeit informieren. Foto: zva/Anne Schröder

„Wir wollen hier vor allem über unsere Arbeit informieren und zeigen, wie vielschichtig sie ist“, sagt Closier. Der kleine Familienbetrieb stellt sich zum ersten Mal auf der Messe vor. Aber auch und gerade als kleiner Betrieb lohne es, sich vorzustellen. „Natürlich fällt ein Dreiviertel des Arbeitstags weg, aber wir investieren ja auch und hoffen, so neue Auszubildende zu bekommen“, sagt Geschäftsführer Johannes Closier.

Beim Ausbildungstag in simmerath konnten sich Schüler aus Monschau, Roetgen, Simmerath und Hürtgenwald in den verschiedenen Berufen ausprobieren. Foto: zva/Anne Schröder

Heerens Mitschülerin Mia Demesmaeker freut sich über die vielen Möglichkeiten der Ausbildungsmesse. „Ich habe heute viel über den Zoll gelernt“, sagt Demesmaeker, „aber eigentlich möchte ich Richtung Krankenhaus, Pflege gehen. Den Stand der Eifelklinik muss ich gleich noch besuchen.“ Zuvor testet sie bei einer Krankenkasse ihre Rücken- und Bauchmuskulatur. „Das war anstrengend. Ausprobieren ist gut, aber bei einer Krankenkasse zu arbeiten, kann ich mir nicht vorstellen.“

Elvira Gashi probiert sich beim virtuellen Schweißen aus. Auf einer Leinwand hinter ihr kann jeder sehen, was sie mit der computerunterstützten Brille wahrnimmt und schweißt. Foto: zva/Anne Schröder

Ihre Freundin Elvira Gashi weiß auch schon, was sie später machen möchte. Es solle etwas Soziales sein, da sie bereits im Altenheim ehrenamtlich arbeite, sagt die 14-Jährige. Obwohl das ihr Ziel ist, probiert sie beim Ausbildungstag mutig das Schweißen aus. Mit einer computergesteuerten Brille kann sie virtuell Metall schweißen, und ihre Arbeit wird direkt auf einer Leinwand übertragen. Das lockt andere Schüler an, die solche Aktionen am Ausbildungstag zu schätzen wissen. Für Gashi wird es, wie vermutet, beim Schweißen nicht bleiben. „Wenn ich es schaffe, würde ich gerne mein Fachabitur machen und dann auf jeden Fall im sozialen Bereich arbeiten.“

Sylvia Förster, Geschäftsführerin des Simmerather Fliesenfachgeschäfts Peters, ist auch zum ersten Mal auf der Messe, um Werbung für das Handwerk zu machen. „Viele wollen studieren. Es ist sehr schwer gute Auszubildende zu finden. Dabei ist das Handwerk so vielseitig.“ Es ist eins der vielen Probleme für Ausbildungsbetriebe, geeigneten Nachwuchs zu finden, weil viele eine Universität oder die Fachhochschule besuchen möchten.

So erklärt sich auch die federführende Organisatorin des Ausbildungstags, Brigitte Jansen von der Gemeinde Simmerath, das Engagement der Betriebe. „Die Anfragen der Unternehmen, ob sie ausstellen können, werden immer mehr. Es findet ein Umdenken statt. Sie wissen diese Plattform mehr und mehr zu schätzen und rennen uns quasi die Bude ein“, sagt sie. Die Kommunen Roetgen, Simmerath und Monschau laden jedes Jahr abwechselnd Schüler und Ausbildungsbetriebe zu einer Messe ein, um Interessierte zusammenzubringen. Und wenn es nach Bürgermeister Hermanns geht, müssen sich die Eifeler keine Sorgen machen. In seiner Begrüßung motiviert er und sagt: „Ich weiß von einem Aachener Ausbildungsbetrieb, der nur Eifeler einstellt, weil die einen sehr guten Ruf haben.“

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