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Simmerath: Schüler-Impressionen: Türken in der Türkei sind modern und locker

Simmerath : Schüler-Impressionen: Türken in der Türkei sind modern und locker

„Das Bild, das in Deutschland von den Türken existiert, ist falsch und muss korrigiert werden. Die Menschen in der Türkei sind modern, offen, man sieht kaum Frauen mit Kopftüchern.” Eindrücke von Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs Simmerath/Stolberg, die zwei Wochen lang in Izmir waren, nicht nur, um Kontakte zu jungen Türken zu knüpfen.

„Und die Türken in der Türkei sind viel weniger aggressiv als die Türken in Deutschland. Sie sind sehr freundlich und viel lockerer als die in Deutschland lebenden Türken.”

Mit dem Gymnasium Bornova Anadolu Lisesi (BAL) hat das Berufskolleg eine zweijährige Comenius-Partnerschaft geschlossen, die von der Europäischen Union mit jeweils fünfstelligen Euro-Beträgen bezuschusst wird und die auf drei Säulen steht, wie Projektlehrer Bernd Rombach, der zwölf Jahre in der Türkei gelebt und gearbeitet hat, erläuterte.

Neben dem Schüleraustausch und dem Erlernen der jeweils anderen Sprache fußt die Partnerschaft vor allem auf der gemeinsamen Bearbeitung eines Projektes. Ausgewählt wurde, auch vor dem Hintergrund der Integrationsdebatte, das Thema deutsch-türkische Paare, deren Hoffnungen, Wünsche und Probleme.

Chancen und Risiken

In Deutschland wie in der Türkei sind bereits etliche Interviews mit solchen Paaren geführt worden. Dabei untersuchen die Interviewer, welche Chancen und Risiken solche Beziehungen bergen, ob das Zusammenleben mit einem Partner aus einem völlig fremden Kulturkreis als Bereicherung empfunden wird, oder ob sich dadurch besondere Schwierigkeiten und Belastungen ergeben.

Zwischenfazit der Kollegschüler in Simmerath: Die Probleme in diesen gemischt-kulturellen Beziehungen werden in der Öffentlichkeit oftmals weitaus dramatischer dargestellt als sie in der Realität sind. Christina (18 Jahre): „Da gibt es noch viele Vorurteile.” Und auch für Naveed (19) ist das Projekt eine „gute Sache, weil Deutsche und Türken noch viel zu wenig voneinander wissen”.

Nicht verschwiegen werden dabei durchaus gewöhnungsbedürftige Sitten und Gebräuche des jeweils Anderen. Das beginnt für die 17-jährige Romina beispielsweise damit, dass „die Türken den Salat mit den Fingern essen”, die Schlafgewohnheiten völlig andere sind und sich das Leben, wie in südlichen Ländern üblich, bis in die Nacht hinein abspielt.

Ein wesentlicher Punkt ist für die jungen Leute aus Simmerath die Religion, Christen auf der einen, Muslime auf der anderen Seite. Für Naveed sind auch die Probleme auf diesem Sektor überschaubar, „weil die Menschen sehr offen damit umgehen und den Glauben des Anderen akzeptieren”.

Dennoch glaubt Melanie (17), dass es bei aller Toleranz zu Konflikten kommen kann, beispielsweise bei der Frage, welchen Glauben die gemeinsamen Kinder annehmen sollen.

Für Axel (16) sind die Probleme ebenfalls nicht unüberwindlich. Trotzdem glaubt er nicht, so leben zu können, nicht nur wegen der Sprache. „Ich glaube nicht, dass ich anderswo leben könnte.” Dieses Thema steht auch nicht an.

Was im Herbst ansteht, ist der Gegenbesuch der türkischen Freunde von der BAL aus der Drei-Millionen-Stadt Izmir.

Darauf freuen sich die jungen Leute aus Simmerath bereits. Dann soll nicht nur Deutschunterricht für die Gäste und die weitere Arbeit am gemeinsamen Projekt im Mittelpunkt stehen, weiß Dietmar (18): „Wir wollen bestehende Freundschaften pflegen und neue Freundschaften schließen. Die Türken haben uns ihre Kultur und ihre Lebensweise gezeigt. Das wollen wird ihnen dann auch zeigen.”

Broschüre oder Buch

Die Interviews mit den deutsch-türkischen Paaren aus dem Raum Aachen und aus Izmir werden von den Schülerinnen und Schülern verschriftet, ausgewertet und abschließend als umfangreiche Broschüre oder als Buch veröffentlicht - damit Türken und Deutsche wieder ein kleines Stück mehr zusammenrücken.