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Roetgen: Schornstein: Kirche am Wendepunkt

Roetgen : Schornstein: Kirche am Wendepunkt

Millionenschwere Finanzkrise des Bistums, die drohende Entlassung von Mitarbeitern, akuter Priestermangel.

„Die Kirche hat einen Wendepunkt erreicht, sie erlebt einen Umbruch”, sagt Pfarrer Hans-Georg Schornstein, der deutlich macht: „In vielen Bereichen müssen wir umdenken”, denn „vieles geht einfach nicht mehr”.

So ist das Jubiläum 250 Jahre Pfarre St. Hubertus nicht nur Grund zur Freude und Feier, das Jubiläum ist Anlass, über Kirche und Glauben nachzudenken und in vielen Gespräch zu erörtern: Was bedeutet mir persönlich die Kirche? Pfarrer Schornstein: „Vom Jubiläum erwarte ich viele Impulse für das Leben der Menschen in und mit der Kirche.” Wie kann der Glauben in den Alltag eingebracht werden? Auch darum gehe es in den Gesprächen und Vorträgen zur Festwoche.

Festschrift zeigt Arbeit vor Ort

Das Jubiläum gibt aber auch Anlass zur Bestandsaufnahme: Was macht die Kirche vor Ort aus? Wo gibt es Schwachstellen? Was ist gut, was muss verbessert werden, was fehlt?

Was alles die katholische Kirche in der Pfarre St. Hubertus ausmacht, das dokumentiert die lesenswerte Festschrift: Kirche in Roetgen ist vielseitig und aktiv, da ist der Pfarrgemeinderat mit seinen verschiedenen Ausschüssen, da ist die aktive Gemeindekatechese, deren Arbeit künftig mit Blick auf den Priestermangel noch wichtiger wird. Das Jubiläum macht auch dies deutlich: In der Pfarre Roetgen gibt es viele Menschen, sich für die Kirche einbringen. Pfarrer Hans-Georg Schornstein hofft, durch die Festwoche neue Leute für die Mitarbeit zu gewinnen. Für ihn ist das Engagement der Laien wichtig, dabei legt er großen Wert auf die Eigenverantwortung, die es zu stärken gilt.

Neue Kräfte müssen folgen

„Viele sind bereit, Gemeindeleben mit zu tragen.” Hans-Georg Schornstein weiß aber auch, dass die ehrenamtliche Arbeit altersbedingt „oft zeitlich begrenzt ist”, daher „müssen neue Kräfte nachwachsen”. Eine Erneuerung sei stets nötig, dabei müsse aber „stark darauf geachtet werden, dass die Ehrenamtler nicht überfordert werden”.

Künftig wird ehrenamtliche Arbeit verstärkt auch bei Wortgottesdienstes gefordert und auch bei Begräbnisfeiern. Wichtig sei, die Ehrenamtler intensiv auf ihre Aufgabe vorzubereiten, sagt Hans-Georg Schornstein, der Pfarrer in fünf Gemeinden ist: in Roetgen und Rott, in Walheim, Schmidthof-Sief und in Hahn-Friesenrath. Zudem ist Pfarrer Schornstein Dechant des Dekanates Kornelimünster und Dekan der Region Aachen-Stadt.

13 gehen sonntags zur Kirche

Die Pfarre St. Hubertus zählt im Jubiläumsjahr rund 4000 katholische Christen, etwa 13 Prozent davon gehen sonntags noch zur Kirche. Dafür sieht Hans-Georg Schonstein mehrere Grunde: die Kirche wird als Institution viel kritischer betrachtet als früher; das Freizeitverhalten hat sich deutlich geändert, die Leute sind bequemer geworden. Heute muss sich gleichsam „rechtfertigen”, wer noch zur Kirche geht, früher war dies umgekehrt. Wer früher seine Sonntagspflicht nicht erfüllte, der „schwamm gegen den Strom” undÊ hatte gleich ein schlechtes Gewissen, auch das hat sich geändert.

Etwas mitnehmen

Gleichwohl: der geringe Besuch der Gottesdienste ist eine Herausforderung an den Priester, sagt Pfarrer Schornstein: Der Priester muss authentisch und glaubwürdig sein, die Gläubigen müssen spüren, der Priester ist überzeugt von dem, was er sagt. Es sei nicht möglich, die Ansprüche aller Kirchgänger an den Gottesdienst zu erfüllen, eine Predigt könne unterschiedlich wirken, sagt Hans-Georg Schornstein, für den es aber wichtig ist: Die Kirchgänger müssen etwas vom „Gottesdienst haben”, sie müssen von der Feier der heiligen Eucharistie „etwas mitnehmen in das Alltagsleben”.

So gehe es auch darum, die Botschaft Jesus in die „heutige Zeit hinein zu übersetzen”. Dies heiße jedoch nicht, die Botschaft Jesu dem jeweiligen Zeitgeist anzupassen, es gehe darum „die Zeichen der Zeit zu erkennen und darüber nachzudenken, was der Geist Gottes den Menschen heute sagen will und welche Bedeutung die Botschaft Jesu heute hat”. Nur wenn dies gelinge, dann bleibe „Jesu Wort lebendig, nur dann haben wir als Kirche Zukunft”.

Für die Zukunft der Pfarre St. Hubertus wünscht sich Pfarrer Schornstein „viele gute Erfahrungen im Glauben, in den persönlichen Begegnungen, bei der Erziehung der Kinder, in der Zuwendung zu Kranken und Notleidenden, in den Gottesdiensten und in den Gesprächen von Mensch zu Mensch”.