Simmerath: Schnelle Hilfe im Notfall: Rettungspunkte im Wald komplett

Simmerath : Schnelle Hilfe im Notfall: Rettungspunkte im Wald komplett

Eine kleine Unachtsamkeit und schon ist es passiert: Ein junger Mann stolpert beim Joggen über einen Ast, knickt mit dem Fuß um, verliert das Gleichgewicht und ist mit sich und dem stechenden Schmerz im Fußgelenk mitten im Simmerather Wald allein.

Genau so kann es dem Seniorenpaar gehen, das eine Wanderung im Weidenbachtal unternimmt. Dem Mann stehen plötzlich Schweißperlen auf der Stirn, nachdem er im rechten Arm ein Ziehen verspürte. Die Frau gerät in Panik, will per Handy den Rettungsdienst informieren, kann jedoch nur schwer beschreiben, wo sie sich befindet.

„Bei einem Notfall im Wald hat in der Vergangenheit die Erfahrung gezeigt, dass es oft sehr lange dauert, bis Hilfe kommt“, erklärt Simmeraths Gemeindeförster Dietmar Wunderlich. Das soll sich nun ändern. 40 Rettungspunkte hat die Gemeinde Simmerath, die immerhin über eine Waldfläche von 2150 Hektar verfügt, seit dem Frühjahr dieses Jahres im Gemeindewald aufgestellt. Die Schilder sind einheitlich gestaltet und schon von weitem sichtbar. In Signalrot umrandet ist in großen Ziffern die Notrufnummer 112 lesbar. In deutscher, englischer, niederländischer und französischer Sprache fällt das Wort „Rettungspunkt“ ins Auge.

Jeder der Punkte hat eine einmalige elfstellige Nummer, die die Rettungskräfte im Notfall direkt an den Ort des Geschehens lotsen soll. Die ersten drei Ziffern 049 stehen für Deutschland, die folgende zweistellige Ziffer für das Bundesland — im Fall von Nordrhein-Westfalen ist das die Ziffer 10. Die Kennziffer 02 zeigt an, dass der Rettungspunkt in der Städteregion Aachen liegt. Die letzten vier Ziffern markieren den genauen Standpunkt.

Für die Praxis im Notfall bedeutet dies: Mit dem Handy die 112 wählen und dann die vorgenannte Nummer der zentralen Notfallstelle durchgeben. Von dort aus wird dann die Notfallstelle vor Ort unterrichtet. Sobald die Rettungskräfte die elfstellige Nummer in ihr System eingeben, erhalten sie detaillierte Informationen zur Lage und zur Anfahrt. Zwei Kartenausschnitte zeigen die Anfahrt und die nähere Umgebung des Rettungspunktes an, zwei Fotos informieren über die Geländesituation.

Wie Dietmar Wunderlich in dem Zusammenhang festhält, ist dabei auch die interne Koordination zwischen den Ortsgruppen der Feuerwehren wichtig. Jede Ortsgruppe müsse über entsprechendes Kartenmaterial verfügen. Das Konzept für die neuen Rettungspunkte hat die Stolberger Firma Innodatec entwickelt, die den Auftrag vom Regionalforstamt Rureifel-Jülicher Börde und der Kreisleitstelle der Städteregion bekommen hat.

Das System hat den Vorteil, dass zur Standortbestimmung keine Buchstaben sondern Ziffern verwendet werden. Gerade in einem Grenzgebiet wie der Städteregion Aachen ist dies wichtig, da im englischen Alphabet einige Buchstaben ähnlich klingen oder leicht vertauscht werden können, wie zum Beispiel i und e.

Natürlich können sich die Rettungspunkte auch für Waldarbeiter als hilfreich erweisen, wenn diese nach einem Arbeitsunfall schnellstmöglich Hilfe benötigen. Dass sich bei der Brandbekämpfung hierdurch eine bessere Koordination der Einsatzkräfte ergibt, ist gleichfalls positiv zu bewerten. Ansonsten profitieren aber Spaziergänger und Erholungssuchende von den 40 Rettungspunkten im Simmerather Wald. Wenn diese dann auch noch in künftige Wanderkarten eingearbeitet werden, sollte auch dort ein Optimum an Orientierung vorhanden sein.

(ani)
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