Monschau/Simmerath: Sankt-Ursula-Schüler gründen Genossenschaft für Postkartenverkauf

Monschau/Simmerath: Sankt-Ursula-Schüler gründen Genossenschaft für Postkartenverkauf

Wer demnächst ein schönes Postkartenmotiv aus Monschau in der Hand hält, der sollte mal besonders auf den Hersteller achten und dann gegebenenfalls beherzt zugreifen. Gut möglich nämlich, dass die Ansichtskarte „Made in Monschau“ ist, genauer gesagt fotografiert und hergestellt von Schülerinnen der Bischöflichen Mädchenrealschule Sankt Ursula Monschau.

Die selbst fotografierten und kunstvoll gestalteten Karten sind die erste Geschäftsidee der „Natur Pur eSG“, der ersten eingetragenen Schülergenossenschaft in unserem Raum, die jetzt mit der Raiffeisenbank Simmerath feierlich ihre Gründungsversammlung erlebte.

Schülergenossenschaften sind von Schülern eigenverantwortlich geführte Schülerunternehmen in der Rechtsform einer Genossenschaft. In deren Rahmen erarbeiten sie eigene Geschäftsideen, Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe, schreiben den Businessplan und entwickeln die Satzung ihrer Genossenschaft. Darüber hinaus entwickeln sie Produkte oder Dienstleistungen, die sowohl schulintern als auch außerhalb der Schule vertrieben werden können.

Schülergenossenschaften werden — genau wie eine echte Genossenschaft — bei sämtlichen unternehmerischen Fragen durch einen genossenschaftlichen Partner unterstützt. Im Falle der „Natur Pur eSG“ ist dieser Partner die Raiffeisenbank Simmerath, in deren Räumen man sich nun auch zur Gründungsversammlung traf.

Im Vorfeld hatten die Schülerinnen im Unterricht und im Rahmen eines Workshops das Modell der Schülergenossenschaft kennengelernt und die Gründung vorbereitet, besonders unterstützt von ihrer Lehrerin Eva Hafer sowie Philippe Plowy und Ina Krüger, zwei Auszubildende der Raiffeisenbank. „Wir haben dieses Projekt zunächst Sankt Ursula angeboten, da wir mit dieser Schule in der Vergangenheit sehr gut zusammengearbeitet haben, beispielsweise bei unseren Kunstwettbewerben“, erläuterte Sabine Berners, die bei der Raiffeisenbank auch für junge Kunden zuständig ist. Für die Schülerinnen ist es ein wertvoller erster Kontakt mit der Welt der Wirtschaft und somit eine praxisnahe Art der Berufsfelderkundung.

Trotz der fachlichen Begleitung durch die Bank, die bei der Gründung auch mit dem Vorsitzenden Olaf Jansen und zahlreichen anderen Mitarbeitern des Hauses vertreten war, brachten die Schülerinnen die Tagesordnung des Gründungsaktes souverän und komplett ohne Hilfe über die Bühne. So wurde die Genossenschaft per einstimmigem Votum gegründet und es wurde ein sechsköpfiger Aufsichtsrat gebildet. Einstimmig verliefen auch die Wahlen zum Vorstand der Genossenschaft. Jolina Said und Lara Samira Bendjeddou aus der Klasse neun sowie Jil Ewald aus der zehnten Klasse führen die Geschäfte der jungen Genossenschaft. Für deren Finanzen sind Finja Mennes und Jolina Said verantwortlich, für die Verwaltung Maya-Sophie Lüdtke und Lara Samira Bendjeddou sowie für das Marketing Pauline Schiffer.

Ausführlich stellten die Schülerinnen Geschäftsidee und Markteinschätzung, Rechtsform und Organisationsstruktur, Umsatz- und Kostenplanung sowie Marketing, Werbe- und Verkaufsmaßnahmen ihres Unternehmens vor.

Zur Geschäftsidee heißt es im Geschäftsplan: „Die bischöfliche Mädchenrealschule liegt oberhalb der historischen Altstadt Monschau und ist durch ihre geografische Lage und Nähe zum Nationalpark Eifel stark mit der Natur verbunden. Ein Großteil der Schülerinnen weist eine hohe Kunstaffinität auf, sodass die Produktion von handgefertigten Foto-Postkarten — mit typischen Naturmotiven aus Monschau und der Eifel — als erste wegweisende Geschäftsidee zugrunde liegt. Die vielfältige Motivauswahl liefert ein breites Spektrum an fotografischem Material, welche sich als Postkarten-Motive eignen und vermarkten lassen.“

Angedacht ist, dass die Angebotspalette über die Jahre durch weitere Produkte wie Makrofotografien oder bedruckte Stoffbeutel erweitert wird. Der Leitgedanke sei, handgefertigte, nachhaltige und wirtschaftliche Produkte herzustellen, die eine hohe Identität mit der Region Eifel aufweisen und deshalb für Touristen und Bewohner attraktiv sind.

Verkauft werden sollen die Produkte der „Natur Pur eSG“ zunächst in der Schule selbst (Pausen, Schulfeste), aber auch in den Geschäftsstellen der Raiffeisenbank, im Schriftenstand der Kirchengemeinde in der Aukirche oder auch auf dem Monschauer Weihnachtsmarkt. „Die Altstadt hat einige Souvenirläden, von denen jedoch keiner nachhaltig handgefertigte Produkte anbietet“, haben die Schülerinnen festgestellt. Der Fokus der Geschäftsidee richtet sich daher auf den Schutz und Erhalt der umliegenden Natur der Altstadt Monschau sowie der Region Eifel. Deshalb werde bei der Produktion ausschließlich auf Handarbeit gesetzt und bei den verwendeten Materialen auf Gütesiegel wie ,,Fair Trade“ geachtet.

Den finanziellen Grundstock der Genossenschaft bilden 50 Gründungsmitglieder mit ihrem Geschäftsanteil von je mindestens zehn Euro. Einen willkommenen Zuschuss von 1000 Euro hatte den Schülerinnen aber auch Volker Beckmann, Landeskoordinator der Schülergenossenschaften in NRW, mitgebracht. Und wenn die Geschäftsidee der St.-Ursula-Mädels auch noch viele Stimmen beim Wettbewerb für Schülergenossenschaften anlässlich des Raiffeisenjahrs 2018 (Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde vor 200 Jahren geboren) findet, dann winken laut Beckmann Preise bis zu 2500 Euro.

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