Pferdeprofi in der Nordeifel: Sandra Schneider hilft Pferden und ihren Besitzern auf ihrem Hof

Pferdeprofi in der Nordeifel : Sandra Schneider hilft Pferden und ihren Besitzern auf ihrem Hof

Pferde- und Stallgeruch schnuppern, schnaubenden Vierbeinern nah sein und die Natur und das Leben auf dem Rücken der Pferde erfahren — für Sandra Schneider liegt hier das Glück der Erde. Die 44-Jährige ist Pferdetrainerin. Im Fernsehen ist sie auch bekannt als Pferdeprofi. Jetzt ist die pferdebegeisterte Frau in die Eifel nach Strauch gezogen.

„Ich wollte raus aus dem ganzen Trubel und endlich wieder zurück aufs Land und in die Natur“, sagt sie. Auf ihrem Hof lebt Schneider hier mit direktem Zugang zum Ausreitgelände zusammen mit ihren drei eigenen Pferden und den Trainingspferden.

Ernsthaft verletzt hat Sandra Schneider sich noch nicht. Hand-, Fuß- und Steißbeinbrüche halten die Trainerin nicht von ihrer Leidenschaft ab.

Ihre Berufung ist es, Jungpferde auszubilden und vor allem Problempferde zu trainieren, also Pferde, die beißen, treten, steigen oder einfach das Vertrauen in den Menschen verloren haben. „Dabei müssen vor allem den Menschen die Augen geöffnet werden, dass Pferde nicht bösartig sind, sondern es immer an uns liegt, die Lösung des Problems zu suchen“, erklärt Sandra Schneider.

Profi-Ausbildung in New Mexiko

Nachdem sie jahrelang im Büro gearbeitet hat, ist Schneider seit 2004 selbständige Pferdetrainerin. Zuvor hatte sie Deutschland verlassen, um eine Profi-Ausbildung im Westernreiten in New Mexico zu absolvieren. Dort lernte sie auch, wie man mit Problempferden umgeht.

Außerdem hat sie am Internationalen Institut für Pferde­kommuni­kations­wissen­schaft studiert. „Das Schlimmste ist, wenn Menschen bei Problemen mit Pferden nicht einsehen, dass sie ein Teil des Problems sind und an sich selbst nicht arbeiten wollen“, sagt Schneider. Dann könne auch sie dem Pferd nicht helfen. Die schwierigste Aufgabe sei es, den Menschen ins Boot zu holen.

Deswegen trainiert sie die Pferde, die zu ihr auf den Hof kommen, auch zusammen mit den Besitzern. „Ich habe keine Werkstatt, in die man sein Pferd bringt und es dann repariert zurückbekommt“, sagt die Trainerin.

Neben ihren eigenen drei Pferden — Pepper, Leon und Uschi — arbeitet sie derzeit mit drei jungen Stuten, die zur Ausbildung hier sind, und vier Problempferden. „Die Pferde kommen von weit her — Ulm, Frankfurt oder von der Nordsee“, sagt Schneider.

Gelernt hat die 44-Jährige das Reiten als kleines Mädchen auf einem Zirkuspferd. Reiten in einer dunklen Reithalle war schon damals nichts für die Pferdetrainerin: „Ich wollte immer schon raus in die Natur.“

Trotzdem braucht sie für ihre Arbeit auch auf ihrem Hof eine Reithalle. Laut Karl-Heinz Hermanns, Bürgermeister der Gemeinde Simmerath, benötige dieser Bau allerdings nicht nur eine Baugenehmigung seitens der Städteregion, sondern auch eine Neuaufstellung des Bebauungsplans. „Wir sind grundsätzlich nicht gegen den Bau einer Reithalle und stehen dem positiv gegenüber“, sagt Hermanns.

Im jüngsten Planungsausschuss wurde deswegen auch beschlossen, dass das Bebauungsplanverfahren eingeleitet wird, sobald alle noch offenen Fragen — Parkplatz-, Zufahrt-, Nachbarschaftssituation — geklärt sind. Wenn das geschehen sei, gehe die Politik davon aus, dass der Bebauungsplan auch vom Gemeinderat so beschlossen werde, sagt Hermanns.

Derzeit trainiert Sandra Schneider auch ein junges Springpferd. „Wenn der Stute etwas nicht passt, dann steigt sie so sehr, dass sie sich samt Reiter überschlägt. Das ist für beide Seiten lebensgefährlich“, sagt Schneider. Seit Mai sei das junge Pferd jetzt schon auf ihrem Hof. „Wir haben schon einiges erreicht, aber es gibt auch noch viel zu tun.“

Die Pferdetrainerin erzählt weiter: „Ernsthaft verletzt habe ich mich noch nicht. Natürlich gab es schon Hand- und Fußbrüche, Gehirnerschütterungen und einen Steißbeinbruch. Das hält mich aber nicht von meiner Leidenschaft ab. Ich glaube, ich habe viele Schutzengel.“

Ein besonders schönes Erlebnis war der Erwerb ihrer Stute Uschi. „Wir haben im Jahr 2017 beim sogenannten ‚Mustang Makeover‘ Mustangs aus einer Auffangstation in Oregon reitfähig gemacht. Beim Chio wurden die Pferde dann versteigert. Von Uschi konnte ich mich nicht mehr trennen“, sagt Schneider. „Ich wusste nicht, ob es mir gelingen würde, Uschi zu ersteigern, weil ich keine Vorstellung davon hatte, was mich das kosten würde.“

Am Ende hat es geklappt. Uschi konnte bei der Pferdetrainerin bleiben und gehört jetzt zur schnaubenden Familie.

Ihre Reitanlage beschäftigt sie rund um die Uhr — und das sieben Tage die Woche. Für andere Dinge bleibt da keine Zeit. „Ich bin lieber mit Pferden zusammen, als mit Menschen“, gibt die 44-Jährige zu und lacht.

Um Pferde körperlich und seelisch optimal aufzubauen und zu fördern, hat die Trainerin im März dieses Jahres auch eine Akademie für ganzheitliches Pferdetraining ins Leben gerufen. In zwölf Monaten lernen Pferdebegeisterte hier alles, was für das gesunderhaltende Training eines Pferdes wichtig ist. Nach bestandener Abschlussprüfung sind die Schüler zertifizierte Trainer für ganzheitliche Pferdausbildung. Am 28. Oktober findet hierzu eine Infoveranstaltung auf dem Hof in Strauch, Monschauer Straße 30, statt. Im Internet kann man sich dazu unter www.traumberuf-pferdetrainer.de anmelden.

„Viel Liebe und Geduld“

„Ich möchte mit meiner Akademie ein Netzwerk aus Pferdetrainern aufbauen, die gewaltfrei und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen Pferde trainieren und so den Menschen helfen. Es gibt zu viele Problempferde durch fehlende Kenntnisse oder eine falsche Ausbildung“, sagt Schneider. „Gewaltfreie Kommunikation, Liebe und Geduld sind der Schlüssel zum Erfolg im Umgang mit Pferden.“

Auf ihrer Hofanlage in Strauch gibt Sandra Schneider Kurse. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.westerntrainerin.com.

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