Roetgen: Sammler reißen sich um die Altkleider

Roetgen: Sammler reißen sich um die Altkleider

Altkleider sind mehr als nur Wegwerfware: In der heutigen Zeit lässt sich damit ein gutes Geschäft machen. Dass Alttextilien und getragene Schuhe so gut wie bare Münze sind, haben in den zurückliegenden Jahren auch viele gewerbliche Sammler erkannt, die manchmal gleich im Dutzend in einer Kommune auftauchten, um ein Stück vom Kuchen zu ergattern.

Die Bürger werden durch diese Sammelwut verunsichert, weil sie nicht wissen, ob ihre Spende, die ja eigentlich einem guten Zweck dienen soll, überhaupt noch an der richtigen Stelle landet oder ob ein gewerblicher Sammler damit die schnelle Mark macht. In der Gemeinde Roetgen hat man jetzt einen neuen Weg beschritten, um die Sammlung von Alttextilien und Schuhen transparenter zu machen.

Die auch für die Entsorgung der sonstigen Abfälle in Roetgen zuständige Regioentsorgung mit Sitz in Eschweiler hat nun mit der Gemeinde einen Kooperationsvertrag über die Sammlung von Alttextilien und Schuhen abgeschlossen. Ab sofort stehen im Gemeindegebiet 14 nagelneue Container der Regioentsorgung bereit, wo die Bürger noch tragfähige Alttextilien und Schuhe abgegeben können.

Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss freute sich, „Vollzug“ melden zu können, weil das Sammelsystem nun für die Bürger übersichtlicher werde.

An diesen Gedanken knüpfte auch Stephanie Pfeifer von der Regioentsorgung an. Man möchte „ein gutes Konzept aus einer Hand“ anbieten. Bereits im vergangenen Jahr stellte die Regioentsorgung im Nordkreis der Städteregion Aachen 96 neue Sammelbehälter auf. „Hintergrund für diese Entscheidung war der Wunsch nach einem hochwertigen, einheitlichen und flächendeckenden Sammelsystem zur Rücknahme von Alttextilien und Schuhen“, betonte Ulrich Koch, Vorstand der Regioentsorgung AÖR bei der Präsentation des neuen Sammelsystems in Roetgen.

Früher war das Verfahren übersichtlicher, weil ausschließlich gemeinnützige Organisation am Start waren. Durch die Verabschiedung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes konnten dann auch die gewerblichen Sammler ins Geschäft einsteigen, womit dann gleichzeitig der Wettbewerb eröffnet war.

Dem Beispiel Roetgen sollen in diesem Jahr noch weitere Kommunen im Verbandsgebiet folgen. Auch mit den Eifelkommunen Simmerath und Monschau sollen entsprechende Gespräche aufgenommen werden. Ziel der Regioentsorgung ist es, insgesamt 188 Container aufzustellen. (133 in der Städteregion Aachen und 55 im Kreis Düren).

Im Vorfeld hatte die Regioentsorgung auch mit anderen Sammlern (gemeinnützigen wie gewerblichen) Kontakt aufgenommen, da der neuen Kooperation ein reguläres Vergabeverfahren vorausgegangen war. Nach diesem Verfahren hat für das Gebiet der Gemeinde Roetgen die Arbeiterwohlfahrt Service GmbH aus Heinsberg den Zuschlag für die Verwertung und Sammlung der Altware erhalten. Somit fördern die Bürger mit der Abgabe ihrer Alttextilien auch eine gemeinnützige Einrichtung.

Stephanie Pfeifer hob hervor, dass gerade die Gemeinde Roetgen ein Sammelgebiet mit besonders hohem wirtschaftlichen Interesse sei. Ein Großteil der Textilien verfüge über eine gute Qualität und könne „sofort weiter verwertet werden“. Das sie nicht überall der Fall.

Die Regioentsorgung hat mit ihrer Alttextilien-Sammlung auch schon negative Erfahrungen gemacht, weil die Container als Mülltonne genutzt werden. Diese Feststellung trifft man besonders in den Kommunen, wo die Müllgebühr sich an der abgegebenen Menge orientiert.

Um eine optimale Weiterverarbeitung zu gewährleisten, dürfen nur unverschmutzte Textilien und Schuhe in verschlossene Säcke eingefüllt werden. Ebenso dürfen auch Bett- und Tischwäsche sowie Gardinen und Daunendecken eingeworfen werden. Nicht verwertet können verschmutzte Textilien und Matratzen sowie Gummimatten und Zelte. Diese gehören in den Restabfall. Wichtig ist auch, dass abgegebene Schuhpaare zusammengebunden werden.

Andreas Wagner, Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt im Kreis Heinsberg, verbürgt sich dafür, dass seine Organisation als künftiger Verwerter der Roetgener Alttextilien den Erlös der verkauften Altware beispielsweise zur Finanzierung von Langzeitarbeitslosen verwendet. Besonders groß sei momentan die Nachfrage nach Schuhen, was insbesondere mit den zunehmenden Flüchtlingszahlen zu tun habe.

(P. St.)