Monschau: Rufbus „Netliner“ übersteht Testbetrieb mit Erfolg

Monschau: Rufbus „Netliner“ übersteht Testbetrieb mit Erfolg

Flexibel und unabhängig von Fahrplänen und festgelegten Abfahrtszeiten waren die beiden sogenannten „Netliner“ in den vergangenen drei Monaten im Monschauer Stadtgebiet unterwegs. Im Rahmen eines Pilotprojektes der Aseag (Aachener Straßenbahn und Energieversorgungs-AG) und der Stadt Monschau haben knapp 100 Testkunden aller Altersstufen die beiden Kleinbusse genutzt und das Rufbus-Angebot mit einem bedarfsorientierten dynamischen Liniensystem getestet.

Die Testkunden kamen aus allen Ortsteilen Monschaus. Schwerpunkte bildeten Kalterherberg und Höfen. Häufige Ziele waren die Monschauer Altstadt und Imgenbroich. Der Umstieg auf die Linie 66 in Richtung Aachen und auf die Linie 82 in Richtung Simmerath spielten bei den Testkunden eine eher untergeordnete Rolle.

Sie wollen den Netliner nicht mehr missen: Bei den Testkunden kam das Pilotprojekt gut an. 89 Prozent von ihnen gaben an, sich vorstellen zu können, das Angebot dauerhaft zu nutzen. Foto: Gerd Tückmantel

Ordern per Telefon

Per Smartphone, PC oder telefonisch konnten die Kunden ihre Fahrtwünsche unter Angabe von Abfahrtshaltestelle, Abfahrts- oder Ankunftszeit, Ziel und Anzahl der mitfahrenden Personen angeben. Feste Fahrpläne und Linienführungen gab es nicht. Die Routen der Netliner-Busse wurden nach dem jeweiligen Bedarf berechnet und auf die Navigationssysteme der Busse geladen. Die Testpersonen erhielten dann die berechnete Abfahrzeit und die Fahrzeugkennung per SMS oder per E-Mail. Neben den vorhandenen waren neun zusätzliche Haltestellen speziell für den Netliner eingerichtet worden.

Genutzt werden konnten die barrierefreien Kleinbusse mit 13 Sitz- und sieben Stehplätzen sowie Platz für Rollstuhl oder Kinderwagen von montags bis freitags zwischen 6.30 Uhr und 20.30 Uhr sowie samstags von 9.30 bis 17 Uhr.

„Die Erfahrungen der Testkunden in Monschau sind während des Projektes in mehreren Feedbackrunden eingeholt worden und werden bei der weiteren Optimierung einbezogen“, erläuterte Dr. Kathrin Driessen, die das Modellprojekt bei der Aseag leitet. Die Kunden bewerteten den Netliner als flexibel und pünktlich, lobten die freundlichen Fahrer und die deutlich kürzeren Fahrzeiten im Vergleich zum bisherigen ÖPNV-Angebot in Monschau.

Es wurde vorgeschlagen, den Netliner samstags länger fahren zu lassen und den Sonntag einzubeziehen. Außerdem wünschten sich die Testkunden, dass die Busse auch abends zur Verfügung stehen und weitere Haltestellen ins System integriert werden.

Veranstaltung zum Test

Bei der Abschlussveranstaltung des Modellprojektes am Freitagabend im Monschauer Stadtarchiv, zu der auch zahlreiche Testkunden gekommen waren, zogen die Aseag und die Stadt Monschau ein insgesamt positives Fazit. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen. Wir wollen dieses bedarfsgerechte Angebot möglichst schnell in Monschau umsetzen“, sagte Bürgermeisterin Margareta Ritter. Die Meinungen der Testkunden und die Erfahrungen aus der Pilotphase sollten in die politische Entscheidungsfindung einfließen.

Die Frage sei, zu welchen Zeiten und zu welchen Preisen der Netliner angeboten werden könne. Wichtig sei, dass der Netliner bezahlbar sei. Die Stadt zahle bisher rund 400\.000 Euro für den ÖPNV obendrauf, zurzeit habe sie aber den Eindruck, dass der Nutzen des Systems am eigentlichen Bedarf vorbeigehe.

Angaben zu möglichen Zusatzkosten für den künftigen Einsatz des Netliners konnte Ritter noch nicht machen. Wenn der Netliner eingeführt werden sollte, würde eine Anpassung der Linien erfolgen. Der Einsatz des Netliners würde dann nicht mehr parallel zu den Linienbussen erfolgen, erklärte die Bürgermeisterin.

Die Stadt müsse auch eine gewisse Sicherheit haben, dass das Netliner-Angebot angenommen werde. Hier sei das Signal der Testkunden aber eindeutig gewesen. 89 Prozent der Testkunden hätten erklärt, dass sie sich vorstellen können, das Angebot dauerhaft zu nutzen, sagte Ritter. Das bekräftigten die Testkunden auf der Abschlussveranstaltung.

„Die Erkenntnisse, die wir in den vergangenen drei Monaten gewinnen konnten, zeigen, dass eine bedarfsorientiertes Angebot ein wichtiger Baustein für die Mobilität der Menschen in dieser Region darstellt“, erklärte Michael Carmincke, Vorstand der Aseag. Man habe ein Produkt kreiert, das gerne und oft genutzt worden sei. Aufgabe der Aseag sei es nun, technische Probleme zu lösen und mit dem Aachener Verkehrsverbund (AVV) zu diskutieren, in welcher Form und zu welchen Tarifen eine Fortsetzung denkbar sei.

Ab Dezember könnte der Netliner in Monschau zu einem regulären Angebot werden. In den nächsten Monaten soll das System optimiert werden. Insbesondere die Online-Anmeldung per Smartphone-App soll benutzerfreundlicher gestaltet werden. Sollte der Netliner ein reguläres Angebot werden, könnte er auch den Ortsteil Konzen bedienen, der in der Testphase nicht angefahren wurde.

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