Simmerath: Rückgang oder bald 17.000 Einwohner?

Simmerath: Rückgang oder bald 17.000 Einwohner?

Mit der Vorstellung von Konzepten zur Erstellung einer städtebaulichen Rahmenplanung stand auf der Sitzung des Simmerather Planungsausschusses am Dienstag eine höchst interessante Thematik an. Nachdem für Simmerath bereits eine Studie zur Steuerung der Einzelhandelsnutzung vorliegt, stellten nun vier namhafte Planungsbüros aus Aachen und Kall ihre erarbeiteten Konzepte zur Errichtung von weiterem Mietwohnungsbau, Eigentumswohnungen und privatem Wohnungsbau vor.

Wer nun von den Ausschussmitgliedern nach dem Vortrag der vier Fachfirmen den Stein der Weisen oder das Servieren der Ideallösung auf dem Silbertablett erwartet hatte, wurde enttäuscht. Im Laufe der Vorträge wurde deutlich, dass die Thematik vom Umfang her gewaltig ist und die Fraktionen nach Erhalt der Konzeptunterlagen intern nochmals in die Beratung gehen werden.

Aus allen vorgestellten Konzepten ging hervor, dass zunächst einmal eine Bestandsaufnahme bzw. -analyse erforderlich sei. Letztlich war dies und auch vieles danach Vorgetragene keine Neuigkeit und belegte, dass die vier Planungsbüros auch für Simmerath in Sachen städtebaulicher Rahmenplanung das Rad nicht neu erfunden hatten. Wohnraum müsse sowohl für junge Familien, Alleinstehende, Behinderte und ältere Menschen geschaffen werden. Wegen der Nähe zu Aachen seien dabei auch Studenten zu berücksichtigen.

Bei allen Konzepten spielte der demografische Wandel eine entscheidende Rolle. Während von einem Planungsbüro bei ausbleibender Steigerung der Attraktivität bis 2030 für Simmerath ein Bevölkerungsverlust von 2,5 Prozent prognostiziert wurde, stellte man von anderer Seite bis 2020 für Simmerath eine Einwohnerzahl von 17.000 in Aussicht.

Auch zum zeitlichen Rahmen zur Erstellung der Konzepte, der vom Beigeordneten Roger Nießen bei allen Planungsbüros nachgefragt wurde, gab es unterschiedliche Antworten. Von sechs Monaten bis zu einem Jahr war hier die Rede.

Von den beiden ersten vorgestellten Konzepten zeigten sich die Ausschussmitglieder aufgrund der erbrachten Präsentation am Ende wenig begeistert. „Staubtrocken und wie Zwieback in der Wüste“, moserte ein Ausschussmitglied hinter vorgehaltener Hand. Auch wenn Diplom-Ingenieure und Städteplaner nicht unbedingt gute Rhetoriker sein müssen, hätte man sich hier teils eine lebendigere Darstellung gewünscht. Diese wurde allerdings von Klaus Stockschlaeder (Grüne) der „erfrischenden und anschaulichen“ Präsentation des Planungsbüros BKR aus Aachen durch André Simon und Antonio Steffens bescheinigt. Ihr Baukastenkonzept mit verschiedenen Möglichkeiten fand allgemeine Aufmerksamkeit.

Das galt auch für die Vorstellung des Aachener Planungsbüros HJPplaner durch Peter Jahnen, der in diesem Unternehmen für die Moderation solcher Planungen zuständig ist. Auch von ihm wurde die Einbindung der Bürger, Gespräche mit sogenannten Schlüsselpersonen, Workshops und ein eventueller Studentenwettbewerb zur Sprache gebracht. „Wir wollen einen Prozess anstoßen, die Idee in der Gemeinde verankern, eine Stärkung des regionalen Bewusstseins und die Erarbeitung einer Kultur der steten Entwicklung mit unserem Konzept herbeiführen“, erklärte er dazu.

Förderungsmöglichkeiten

Roger Nießen interessierte natürlich an vorderster Stelle auch eventuelle Förderungsmöglichkeiten, um die Gemeindekasse zu entlasten. Hierzu erfuhr der Ausschuss dann, dass bei Vorliegen eines integrierten Handlungskonzeptes eine Förderung des Landes (80 Prozent) möglich sei.

Manfred Sawallich (SPD) stellte im Hinblick auf die Kosten der Konzepte mehrfach die Frage in den Raum, ob in diesem kompletten Umfang überhaupt eine Rahmenplanung erforderlich sei. Im Hinblick auf die rege Bautätigkeit in der Gemeinde müsse man prüfen, ob nicht einzelne Bausteine der Planungskonzepte ausreichen würden.

Jens Wunderlich (CDU) hielt quasi unisono dazu fest: „Wir haben da etwas angestoßen, über das wir noch einmal eingehend diskutieren sollten. Mit Blick auf die Dimensionen der Konzepte müssen wir uns letztlich klarwerden, was und in welchem Umfang wir eigentlich wollen“.

(ho)