Rohren: Rückblick auf die Geschichte des Sommer- und Wintersportzentrums

Rohren: Rückblick auf die Geschichte des Sommer- und Wintersportzentrums

„Das also ist das ‚Wunder von Rohren‘“. So lautete am 31. Dezember 1968 die Schlagzeile in der Eifeler Volkszeitung. Damit meinte der Autor etwas spöttisch den ersten kleinen Skilift, der seinerzeit von Günter Poick, Hugo Wilmars und Rudolf Hermanns installiert wurde.

„Auch Rohren hat nun seinen Lift, aber es ist ein ‚Mini-Lift‘ mit Namen ‚Klein-Muli‘. Das ganze Gerät besteht aus einem Benzinmotor, aus einem 360 Meter langen Stahlseil und einer Kiste voller Handgriffe.“ So war es an diesem Tag in der Zeitung zu lesen. Berichtet wurde auch davon, dass man schon an eine Flutlichtanlage dachte, um so die wenigen Schneetage zu verlängern. Außerdem träumte man von einer Schneekanone und einem „richtigen“ Lift.

Auch der damalige Bundespräsident Roman Herzog wagte eine Fahrt auf der Sommerbobbahn. Foto: P. Stollenwerk/Archiv

Die Stadt Monschau hatte dann mit der Investition in einen Skilift im Jahr 1971 die Grundlage geschaffen, ein Winterfreizeitangebot für die gesamte Aachener Region anzubieten. Betrieben wurde die Anlage von der sogenannten Lift-Gesellschaft, die Poick, Wilmars und Hermanns gegründet hatten und zu der dann auch noch Julius Offermann hinzustieß.

Sommerbobbahn 1978 eröffnet

Auch damals schon war der Winter in der Eifel nicht besonders verlässlich. Um einen Ausgleich zu schaffen und den Lift auch in den Sommermonaten nutzen zu können, wurde die Sommerbobbahn gebaut und am 1. Mai 1978 von Pfarrer Hüpgen eingesegnet und feierlich eröffnet. „Zu Beginn der Bahneröffnung hatte Günter Poick im Namen der Gesellschaft die Gäste begrüßt und an die Zeit erinnert, als vor zehn Jahren ‚drei junge Männer‘ mehr für den Familienbetrieb als für Gäste einen Schlepplift in Rohren aufgebaut hatten“, war damals in der Tageszeitung zu lesen.

In den folgenden Jahren kamen immer mehr Gäste nach Rohren, und es entwickelte sich eine hitzige Diskussion, die sich über Jahre hinziehen sollte. Im Jahr 1980 wurde nämlich ein neuer Bebauungsplan vorgestellt. Das Sportzentrum werde in Zukunft immer stärker die Entwicklung des Ortes beeinflussen. Damit diese Entwicklung in geordneten Bahnen verlaufe, sei ein Bebauungsplan für das Sportgebiet erarbeitet worden, hieß es zur Begründung. Geplant sei der Bau einer Grillhütte, ein Tennisplatz sei möglich und auch die Anregung, eine kleine Schwimmhalle zu bauen, müsse berücksichtigt werden.

Bei den Rohrener Bürgern überwogen aber Skepsis und Widerstand. Viele sahen die Ruhe in ihrem Dorf bedroht und fürchteten sogar Enteignungen. „Rohrener Bürger wollen ihren Dornröschenschlaf beibehalten“, lautete am 10. März 1980 die Schlagzeile und in dem Artikel war zu lesen: „Es war eine angespannte und schwierige Bürgerversammlung, zu der sich die Rohrener Einwohner und ein Gros des Monschauer Stadtrates im Saal Warbel versammelt hatten.

Bei zuweilen dramatischer jedoch nie unkontrollierter Stimmung bemühten sich Stadtdirektor Etschenberg und Kreisbaudirektor Flögel, die Überlegungen (…) zur gezielten, kontrollierten Erweiterung des Sport- und Erholungszentrums Rohren den Bürgern zu erläutern und zu rechtfertigen. Es entfachte sich eine sehr emotionale Debatte, bei der die Rohrener nie Zweifel daran ließen, dass sie sich mit dem neuen Bebauungsplan rechtlich übergangen und auf lange Frist vager Fremdenverkehrsentwicklung preisgegeben sähen.“

Im Juni 1980 hieß es dann, die Planung solle noch einmal überarbeitet werden, um eine Entwicklung anzustreben, die eine „Rummelatmosphäre“ verhindert. Im August mahnte der damalige Stadtdirektor Etschenberg eindringlich, die Entwicklung des Ortes dürfe nicht aufgehalten werden. Rohrens Zukunft stehe auf dem Spiel, sollte für das Gebiet des Sommer- und Wintersportzentrums kein Bebauungsplan beschlossen werden können.

Schneekanonen und Tennisplätze

Das Thema sollte den Ort noch jahrelang beschäftigen. Rohren dürfe nicht zum Phantasialand werden, lautete die Forderung vieler Bürger. Die Parksituation wurde als großes Problem empfunden, es gab die Sorge, Rohren könne an manchen Tagen gesperrt werden und dass dann auch keine Verwandtenbesuche mehr möglich seien, es wurden Lärmschutzgutachten eingeholt und es wurde versucht, einen Weg zwischen den Meinungen zu finden.

Gleichzeitig wurde über die Ansiedlung von weiteren Wirtschaftsbetrieben, einer Sporthalle, einer Rollschuh- und Eislaufbahn sowie von Tennisplätzen oder einer Tennishalle nachgedacht. Auch Schneekanonen standen in den 1980er-Jahren immer wieder zur Diskussion. Schon damals musste die Sommerbobbahn die Liftkasse immer wieder füllen. In der Saison 1988/89 war kein Skibetrieb möglich und Pisten aus Kunststoffmatten waren plötzlich auch ein Thema.

Am liebsten hätte die Stadt Monschau das Gelände schon in den 1980er-Jahren an die Liftgesellschaft verkauft, das war aber zunächst nicht möglich, da der Bau des Liftes mit öffentlichen Geldern gefördert worden war. Nach Ablauf der Frist wurde das Zentrum dann 1992 an die Lift-Gesellschaft verkauft. Rudi Hermanns zahlte die anderen Gesellschafter nach und nach aus und wurde schließlich alleiniger Eigentümer. Inzwischen hatte sich auch die Aufregung um die Entwicklung des Zentrums gelegt. Von den ausschweifenden Plänen wurde kaum etwas realisiert und die Bürger hatten ihren Frieden mit dem Sommer- und Wintersportzentrum gemacht. Nur das Parkproblem sollte bestehen bleiben.

Nach dem Tod von Rudi Hermanns im Jahr 2011 wurde das Sommer- und Wintersportzentrum von Manfred Stein als Pächter bis zum Ende dieses Jahres weitergeführt.

(ag)