Monschau: „Roger Cicero Jazz Experience“ sorgt für Standing Ovations

Monschau: „Roger Cicero Jazz Experience“ sorgt für Standing Ovations

Bekannt geworden ist er als mittelmäßig erfolgreicher Teilnehmer des European Song-Contestes für Deutschland im Jahr 2007 („Frauen regier‘n die Welt“) , mit seinem Album „Männersachen“, aber vor allem als vielseitiger Jazz-Interpret.

Von seiner stärksten Seite konnten die gut 1000 Besucher auf der Burg Monschau im Rahmen der Festspiele 2015 jetzt einen gut aufgelegten Roger Cicero erleben, der mit seiner Formation „Jazz Experience“ erfahrene Jazzkenner ebenso begeisterte wie auch den Musikfreund mit leichten Berührungsängsten vor einer Musikrichtung, die seltsamerweise immer noch mit schrägen Tönen in Verbindung gebracht wird.

Doch diese Angst war unbegründet, die Hemmschwelle wurde einfach weggespielt: Der Roger Cicero-Jazz ist leicht verdaulich, gut hörbar und geradezu charmant, wie auch der 45-jährige Sänger selbst, der stets den direkten Kontakt mit dem Publikum pflegte , sich artig für den Beifall bedankte („Wir freuen uns sehr, hier zu sein, vor allem wenn man weiß, wie man hier hochkommt“), und sich voll des Lobes über das inzwischen etablierte Festival in Monschau zeigte.

„Ich habe selten so viele Shuttle-Fahrer erlebt“, und vom Veranstalter sei man regelrecht verwöhnt worden. „Getragen von der Hitzewelle“, beschrieb Roger Cicero den Festival-Sommer aus seiner Sicht recht treffend: „Jede Burg, die nicht bei drei auf dem Baum ist, wird bespielt.“

Trio ließ es mächtig swingen

Seine Programmauswahl („Es sind außergewöhnliche und kreative Ideen entstanden“) erläuterte Roger Cicero ausführlich wie auch die Herkunft der Titel und seine persönliche Bindung dazu. Englischsprachige Jazz-Standards, Klassiker und Cover, frisch und virtuos aufbereitet, brachten das Publikum rasch in Bewegung, und auch die kleine Trio-Besetzung ließ es mächtig swingen auf der Burg.

Maik Schott am Flügel ließ die Tasten fliegen und glänzte durch solistische Präzision, Hervé Jeanne unterstrich, warum er einer der gefragtesten Jazz-Kontrabassisten der Szene ist, und Schlagzeuger Matthias Meusel bewies mit seinen punktgenauen Spiel wieder mal die alte Erkenntnis, dass gute Drummer leise spielen und mit Breaks geizen.

Gekrönt wurde diese musikalische Klasse durch den samtigen und in allen Tonlagen versierten Gesang von Roger Cicero, der sich sogar nicht davor scheute, allein ein Duett zu singen. Mit viel Drive und Swing nahm das Quartett dann Fahrt auf, und minütlich fand die überaus salonfähige, aber keineswegs zur Belanglosigkeit neigende Jazz-Performance neue Freunde auf der Burg. Am Ende feierte das Publikum den kommunikativen Sänger mit „Standing Ovations“.

Bei jedem Stück wurde die Bühne zudem in eine passende Lichtstimmung getaucht, und Roger Cicero verabschiedete angemessen mit einer Mischung aus subtilem Humor und dezenter Eitelkeit jene Zuschauer, die vor der Zugabe bereits ihre Plätze verließen. Beim abschließenden australischen Volkslied „Waltzing Mathilda“ leuchteten in der lauen Sommernacht die Feuerzeuge auf, um ein fulminantes Konzert zu beschließen.

In beste Stimmung hatte im Vorprogramm die schwedische Sängerin Pia Friedhill die nach und nach ankommenden Besucher gebracht. Die vielseitige Interpretin lebt seit 15 Jahren in Kall, und längst hat sie die Eifel in ihr Herz geschlossen. Barfuß und bauchfrei sorgte die Sängerin mit ihrer Begleitband für eine individuelle Mischung aus Blues, Chanson und Folk. Mit Witz, Spielfreude und Sympathie nahm Pia Fridhill die Zuschauer mit auf ihre atmosphärische, musikalische Reise.