Rurberg: Röttgen outet sich als „Voreifeler”

Rurberg: Röttgen outet sich als „Voreifeler”

Der sorgsam ausgearbeitete Zeitplan war rasch Makulatur. Erst hieß es, der hohe Gast verspäte sich um 20 Minuten, dann war von „bis zu einer Stunde Verspätung” die Rede.

Schließlich betrat Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen um 17.46 Uhr an der Seite von Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns den Antoniushof, wo rund 250 Gäste bereits den Ausführungen des Trianel-Geschäftsführers Sven Becker lauschten. Denn das in Aachen sitzende Energieversorgungsunternehmen und sein Mammutprojekt „Speicherkraftwerk Rursee” waren der Anlass für den Besuch des christdemokratischen Bundesministers.

Die Eifel-Visite hatte im Laufe der Woche Fahrt aufgenommen, nachdem der Düsseldorfer NRW-Landtag sich aufgelöst und die Union flugs Norbert Röttgen als Spitzenkandidaten nominiert hatte. Es sei für ihn dennoch keine Frage gewesen, „diesen Termin einzuhalten, auch wenn Sie sich sicherlich vorstellen können, was gerade bei uns los ist”, beteuerte Dr. Röttgen.

Bei diesem Hinweis blieb es, der Gast aus Berlin konzentrierte sich vor einer bunt gemischten Zuhörerschar aus Christdemokraten, Vertretern aller anderen Parteien und vielen Bürgern auf seinen allgemein gehaltenen Vortrag zum Thema „Energiewende”. Diese sei ein „nationales Gemeinschaftswerk”, dass sich aber gerade erst auf den Anfangskilometern eines Marathons bis zum Jahr 2050 befinde.

„Die im Sommer beschlossene Energiewende war der Startpunkt; jetzt gilt es sie zu gestalten”, unterstrich der Bundesumweltminister. Dr. Röttgen bezeichnete die Speicherkraftwerke, wie eines nun möglicherweise in Simmerath entstehe, als „strategische Komponente der Energiewende”, ermöglichten diese doch eine sichere Versorgung in Ergänzung zu den schwankenden Energielieferanten Wind und Sonne.

Der CDU-Landesvorsitzende bezog auch Stellung zum Konflikt zwischen dem Vorantreiben erneuerbarer Energien und dem Eingriff in die Landschaft. „Windparks sind Eingriffe, die man abwägen muss”, sagte Dr. Röttgen und warnte vor allem davor, immer mehr landwirtschaftliche Flächen für solche Zwecke zu opfern.

Des Bürgermeisters Bitte

Röttgen bezog damit auch Stellung zu einer Bitte, die unmittelbar zuvor Simmeraths Bürgermeister Hermanns dem Minister angetragen hatte: „Um die Energiewende nachdrücklich und konsequent umzusetzen, ist es meines Erachtens unbedingt notwendig, die Anforderungen zur Umsetzung großer regenerativer Projekte zu erleichtern bzw. zu reduzieren”, regte Hermanns an, im Bundesnaturschutzgesetz den Bau und Betrieb solcher Anlagen „nicht als auszugleichenden Eingriff” zu werten.

Man werde, suchte der Gast nach Konsens, „in der Sache noch viel miteinander kommunizieren”, denn Vieles von dem, was sich gerade entwickle, sei „für uns alle Neuland”.

Zur Kommunikation mit den interessierten Bürgern kam es dann aufgrund des engen Zeitplans nicht mehr, Dr. Norbert Röttgen sagte aber einen weiteren Besuch in der Nordeifel zu, denn Simmerath setze sich mit Projekten wie dem Speicherkraftwerk „mit an die Spitze einer modernen wirtschaftlichen Entwicklung”.

Nachdem der gebürtige Meckenheimer Röttgen sich als „Voreifeler” geoutet hatte, schlug ein fragender Journalist schließlich doch noch die Brücke zwischen der rasanten aktuellen Landespolitik und dem eigentlichen Grund des Röttgen-Besuchs: „Bei so vielen grünen Ansichten - wären Sie nicht der ideale Minister für eine schwarz-grüne Landesregierung...?”