Tornado in Roetgen: Verteilung von Geld aus Spenden ist schwierig

Drei Monate nach dem Tornado : Verteilung der Spendengelder gestaltet sich schwierig

Knapp drei Monate nach dem verheerenden Tornado in ­Roetgen ist in der Hauptstraße immer noch keine Ruhe eingekehrt. An zahlreichen Häusern sind Dachdecker am Werk, auch aus dem Inneren sind Arbeiten zu hören. Die Anwohner sind mit der Situation unterschiedlich fertig geworden.

Manche haben sich von Bekannten Hilfe geholt, andere haben die Unterstützung fremder Helfer angenommen. Einige warten sicherlich noch auf die Verteilung der Spendengelder, die nach dem Unglück gesammelt worden waren.

Jetzt hat die Gemeinde Roetgen Geschädigte dazu aufgerufen, sich zu melden. Sowohl im Rathaus als auch online auf der Website und bei Facebook wurde die Bekanntmachung veröffentlicht. Die Verteilung der Gelder gestaltet sich deutlich schwieriger als von der Gemeinde gehofft. Bürgermeister Jorma Klauss erklärt, dass man am liebsten eine möglichst unbürokratische Bedürftigkeitsprüfung gemacht hätte.

„Das ursprüngliche Vorhaben war, uns die Bedarfe belegen zu lassen und auch eine Prüfung der persönlichen Verhältnisse durchzuführen, um bedarfsorieniert verteilen zu können.“ Solch eine Prüfung verstoße aber gegen Datenschutzrichtlinien und dürfe deshalb nicht durchgeführt werden.

DSGVO schränkt Gemeinde ein

Von der neuen Methode, dass sich Geschädigte selbstständig melden, erhofft Klauss sich nun aber eine schnellere Ausschüttung. „Wir waren eigentlich von einer Frist vom 30. September ausgegangen, jetzt liegt sie am 31. Juli“, sagt er. Das Verfahren sei so unbürokratischer, aber nicht unbedingt gerechter, wie der Bürgermeister feststellt. „Allerdings habe ich die Hoffnung, dass sich tatsächlich nur die melden, die einen entsprechenden Bedarf haben.“

Die Menschen direkt mit einem Serienbrief anzuschreiben und auf die Möglichkeit der Bedarfsanmeldung hinzuweisen, ist aus Gründen der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) ebenfalls nicht möglich. „Ich finde das sehr unschön und erstaunlich, da geht der Datenschutz zu weit“, stellt Klauss fest.

Nach dem Tornado in Roetgen ist an der Hauptstraße noch einiges zu tun: An den meisten Häusern sind die Dächer das größte Problem. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Charlotte Berks, Fachbereichsleiterin der Allgemeinen Verwaltung, berichtet von einer weiteren Schwierigkeit, wenn sich bis zum 31. Juli die Geschädigten gemeldet haben: Es gibt keinen Schlüssel, nach dem das Geld aufgeteilt werden muss. „Moralische Aspekte müssen theoretisch nicht berücksichtigt werden, wir werden das aber natürlich versuchen“, sagt Berks. Der Beschluss über die Vorgehensweise der Verteilung werde dann auch dem Rat vorgelegt. Im Grunde müsse aber lediglich eine Bedarfsanmeldung erfüllt werden. Das ist die nüchterne Beschreibung für ein doch sehr emotionales Thema.

Eine Anwohnerin berichtet, dass sie immer noch auf den Dachdecker wartet. „Der fängt aber erst am 24. Juni an, dann kommt alles runter“, sagt sie mit Blick auf ihr Haus. Die Fenster wurden bereits erneuert, aber das Dach muss repariert werden, damit die Arbeiten im Innern weitergehen können. „Das wird noch das ganze Jahr über dauern, weil alles saniert werden muss“, sagt sie.

Weil der Dachdecker aufgrund der vielen Aufträge in der Hauptstraße so spät komme, habe sie mit ihrem Mann sogar noch Urlaub gemacht – um rauszukommen. „Ich konnte es nicht mehr ertragen“, gibt die Anwohnerin zu, „ich hätte jedes Mal weinen können, wenn ich mein Haus angesehen habe.“

Über mangelnde Hilfsbereitschaft kann sie allerdings nicht klagen. „Es sind immer Leute hier gewesen, aber ich mache das lieber alleine in Ruhe“, erzählt sie. Das Geld vom Spendenkonto ist für sie nicht von großem Interesse. Auch sie hat aber vom Aufruf der Gemeinde gehört. „Aber ich glaube, die wissen selbst noch nicht genau, wie sie es machen sollen“, sagt sie.

Silvia Bourceau, Vorsitzende der UWG-Fraktion, bat in der vergangenen Gemeinderatssitzung im Übrigen darum, dieses Thema auf die Tagesordnung der kommenden Sitzung zu setzen. Bürgermeister Klauss entsrach dem Wunsch.

Thema im Gemeinderat

Die nächste Sitzung findet statt am Dienstag, den 2. Juli, um 18 Uhr. Außerdem schlug sie eine Bürgerversammlung vor, damit von Verwaltungsseite konkret über den aktuellen Stand berichtet werden könne. „Man hat da sehr viel zu tun, deshalb wäre es schön, Informationen zu bekommen, wie wirklich der Sachstand ist“, sagte sie.

In einer früheren Version des Artikels hatte es geheißen, das neue Verfahren sei bürokratischer. Richtig ist unbürokratischer. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.