Streit um beliebtes Café am Vennbahnradweg

Gemeinde Roetgen will „Vertragsbruch“ nicht hinnehmen : Die „Wanderbar“ steht vor der Zwangsräumung

Die Zukunft der „Wanderbar“ am Vennbahnradweg in Roetgen erhitzt weiter die Gemüter im Ort. Über Soziale Medien hat Betreiber Rojhat Inan inzwischen öffentlich gemacht, dass ihn die Gemeinde per Räumungsklage zum 30. November „vor die Tür setzen will“.

Den Schritt hatte der Rat in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig so beschlossen. Während der junge Pächter mit seiner Onlinepetition mittlerweile knapp 1200 Unterschriften – davon 269 aus Roetgen – zum Erhalt des Cafés gesammelt hat und sich von seiner Kundschaft weiterhin geschätzt fühlt, findet er in der Politik keinerlei Unterstützung mehr.

„Unsäglich und befremdlich“ findet etwa UWG-Politikerin Silvia Bourceau den Kampf des Gastronomen um den Fortbestand seines Cafés. Sie verweist auf Verträge, die der Pächter unterschrieben und eindeutig nicht erfüllt habe. Der Rat habe sich mit der unbefriedigenden Situation der Wanderstation, die durch Inan betreut werden sollte, lange und eingehend beschäftigt. Inzwischen fülle der Vorgang mindestens vier bis fünf Akten. „So etwas ist nicht normal. Normal ist, dass zwei Vertragspartner bei derart grundlegenden Differenzen irgendwann getrennte Wege gehen.“

Dies ist auch die Position der Verwaltung. Weil die Gemeinde zunehmend unzufrieden mit der Betreuung des Infopunktes und der Wanderstation war, hatte sie ab April dieses Jahres die Zahlungen an Inan ganz eingestellt. Seither klagt der Betreiber auf Erhalt der vereinbarten Leistungen. Die jüngste Eskalation hat die Verwaltung schließlich zum Anlass genommen, die eigentlich im kommenden Jahr auslaufenden Verträge fristlos zu kündigen.

Trotzdem will Inan den Kampf juristisch ausfechten. Müsste er das Café bis Ende des Monats räumen, wäre das ein „wirtschaftlicher Totalschaden“. Rund 70.000 Euro hat der studierte Bauingenieur nach eigenen Angaben bislang in den Ausbau der „Wanderbar“ investiert. Allerdings hat sich der 32-Jährige mit dem Abschied von seinem Projekt offenbar schon abgefunden. Inan hofft, zumindest das Inventar einem Nachfolger verkaufen zu können. „Ich hätte ein gutes Gefühl, wenn das Café unter einem neuen Betreiber weiterleben könnte.“

Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) verweist in dem Rechtsstreit auf die entsprechende Beschlusslage des Gemeinderats. Er sei in diesem „unangenehmen Vorgang“ dazu verpflichtet, im Sinne der Allgemeinheit zu handeln. Gerüchte, wonach er schon mit einem potenziellen Nachfolger verhandelt habe, dementiert Klauss vehement: „Das ist Unsinn.“ Seit Sommer habe sich in dem Streit nichts Neues ergeben. Und auch Stamos Papas, Geschäftsführer der Roetgen-Therme, teilt mit, dass er keinerlei Ambitionen habe, das benachbarte Café zu übernehmen. „Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft.“

In dem Streit zwischen Inan und der Gemeinde spielt auch die Toilette der benachbarten Wanderstation eine nicht unwesentliche Rolle: Der „Wanderbar“-Betreiber hatte sich nämlich vertraglich zur Reinigung verpflichtet. Dafür sei er mit lediglich vier Euro pro Tag entlohnt worden, was bei einem Andrang von bis zu 1000 Personen an nur einem Wochenende nicht zu leisten gewesen sei. „Ich wusste gar nicht, dass wir touristisch in derselben Liga wie Monschau spielen“, kommentiert UWG-Ratsfrau Bourceau diese Zahlen spitz.

Dass Rojhat Inan zeitweise für die Sozialdemokraten selbst als Sachkundiger Bürger im Bauauschuss vertreten gewesen sei, habe das Verfahren in keinerlei Weise beeinflusst, versichert unterdessen der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Onasch auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es geht hier schließlich um objektive Tatbestände: Um die Frage, inwieweit der Vertrag erfüllt wurde oder nicht.“ Deshalb habe der Bauingenieur schließlich nach kurzer Zeit sein Mandat wieder niedergelegt. „In der Rolle als Sachkundiger Bürger war er angesichts dieses Interessenkonflikts nicht mehr tragbar“, sagt Onasch.

Inan ist inzwischen auch aus der SPD ausgetreten. „Weil ich mit vielem, was hier im Ort passiert, nicht einverstanden bin.“ Um eine Aussprache sei er dennoch weiter bemüht, sagt er. „Ich denke nicht, dass die Politik an so vielen Menschen, die mich nach wie vor unterstützen, vorbeikommt.“

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