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Orgelkonzert in der St.-Hubertus-Kirche in Roetgen

Orgelkonzert in der St.-Hubertus-Kirche in Roetgen : Echte Transposition des Erzählten in Musik

Im Leben der Kirchengemeinden spielt die Musik eine immer größere Rolle. Es besteht offenbar der Eindruck, dass die Sprache der Musik die sonstigen Misshelligkeiten im kirchlichen Leben vergessen lassen und neue Formen der Verkündigung erschließen kann.

So wird auch für die Kirchenorgeln und ihre Instandsetzung allenthalben erstaunlich viel investiert. Die Wilbrand-Orgel in der St.-Hubertus-Kirche in Roetgen gehört wohl zu den besten und schönsten Orgeln im Monschauer Land. Da auch dort eine Restaurierung ansteht, hat sich in Roetgen eine Initiative gebildet, um dies zu finanzieren. Das Benefizkonzert am Freitagabend, gespielt von der jungen Kirchenmusikerin Klara Rücker, war ein Bestandteil dieser Initiative.

Seit zwei Jahren ist Klara Rücker in der Gemeinschaft der Gemeinden an der Himmelsleiter tätig. Zu ihrem Konzert am Tag der Heiligen Cäcilia, der Patronin der Kirchenmusik, fand sich eine beträchtliche Zahl von Orgelfreunden ein, die einer markanten jungen Künstlerin lauschten, die vor allem im zweiten Teil ihres Konzertes Erstaunliches zu bieten hatte. Zunächst hatte alles mit Stücken aus dem einigermaßen üblichen und hergebrachten Repertoire eines Organisten begonnen.

Aber auch schon die drei kurzen Stücke von J. S. Bach (darunter das besonders intensive Choralvorspiel BWV 721, das die Musikfreunde einige Tage zuvor schon von Kit Armstrong auf dem Klavier in der Monschauer Stadtkirche gehört hatten) sowie eine Variationenfolge von J. P. Sweelinck ließen die Klangschönheit der Orgel und vor allem die Sorgfalt der Interpretation erleben.

Mit zwei Werken aus der französischen Orgelschule, nämlich von A. Boëly und G. Pierné, kam man dann schon näher an die heutige Zeit heran. Im zweiten Teil war schließlich ein Originalwerk von Klara Rücker selbst zu erleben. Sie hatte sich in Zusammenarbeit mit Pfarrer Dr. Andreas Möhlig die „Legende“ von Heinrich von Kleist zur heiligen Cäcilie (von 1811) vorgenommen, deren eindrückliche und einfühlsame – wenn auch notwendigerweise verkürzte - Lesung durch Pfarrer Möhlig die Organistin mit musikalischen Kommentaren und Vertiefungen begleitete. Dieses im Stile eines Melodrams vorgetragene musikalisch-literarische Kabinettstück machte großen Eindruck. Es legte den Akzent auf die – wie Kleist formuliert – „Gewalt der Musik“; – auf die Fähigkeit der Musik also, eine Überzeugung und eine emotionale Einsicht jenseits einer rationalen Ausweisbarkeit zu vermitteln. Dass dies durchaus eine zwiespältige Angelegenheit ist, zeigt Kleists Erzählung, vielleicht sogar halb wider Willen.

Es war erstaunlich, wie Klara Rücker es vermochte, die Hintergründe des Textes mit den Mitteln der Musik selbst hörbar zu machen. Schon beim ersten Ton ihrer Improvisation schien sie ganz bei der Sache zu sein und steigerte ihr musikalisches Engagement bis zu erstaunlichen und beinahe erschreckenden Klangeffekten, wobei aber niemals der Eindruck verblieb, als ob die Musik lediglich den Text illustrierte. Es war vielmehr eine echte Transposition des Erzählten in das Medium der Musik. Erstaunlich auch, dass gewisse Mängel des Instruments – Anlass der geplanten Restauration – bei diesem Teil des Konzerts überhaupt nicht mehr spürbar waren.

Man darf also einerseits der geplanten Instandsetzung der schönen Roetgener Orgel viel Erfolg wünschen. Ebenso aber darf man sicher auf weitere ebenso eindrucksvolle musikalische Aktivitäten der jungen Kirchenmusikerin Klara Rücker hoffen.