Königin Christiane Gutzeit will wieder draufhalten

Seit 50 Jahren dem Brauchtum verfallen : Hahnen-Club Rott fiebert dem Jubiläums-Köppen entgegen

In Rott hat sich die aktuell um Volker Scheer rekrutierte Schar seit 50 Jahren dem Brauchtum verschrieben. Einige Titelaspiranten wollen am Samstag, 14. September, draufhalten.

Über den Ursprung des Spektakels Hahnenköppen gehen die Auffassungen auseinander. Wahrscheinlich stammt das heute noch gepflegte Hahnenköppen aus der Zeit der französischen Besatzung. Besatzungsmächte erfreuten sich beim unterdrückten Volk noch nie großer Beliebtheit. Die Bürger fanden immer wieder Mittel und Wege, ihrem Unmut über die Besatzer Ausdruck zu verleihen. Symbolisch wurde bei der Prozedur also der Gallische Hahn, das nationale Federvieh, ordentlich malträtiert.

Heutzutage geht es um einen Flattermann aus Stoff. Der wird in einem Korb aufgehängt, nur der Kopf schaut heraus. Mit verbundenen Augen und mit einem stumpfen Säbel bewaffnet, nähern sich die Hahnenköpper“, um dem Tierchen den Kopf abzuschlagen. Damit es etwas schwerer wird, dreht man die Kandidaten zuvor noch mehrmals im Kreise herum. Schlag auf Schlag folgen, bis endlich der Kopf des Hahns (oder auch der ganze Hahn) zu Boden fällt und ein neuer Hahnenkönig (oder eine Hahnenkönigin) ermittelt ist.

In Rott hat sich die aktuell um Volker Scheer rekrutierte Schar seit 50 Jahren dem Brauchtum verschrieben. Volker Scheer, Heinz-Peter Straeten, Herbert Bortot und die amtierende Hahnenkönigin Christiane Gutzeit freuen sich, dass der Hahnen-Club Rott ein halbes Jahrhundert alt wird. Die Anfänge datieren aus dem Jahre 1969, als eine Gruppe von Männern aus Rott im Anschluss an die Schützenkirmes das Hahnenköppen veranstaltete. Von Beginn an seien mehr als 50 Mitglieder bei der Stange gewesen, sagt Volker Scheer.

Um den Nachwuchs macht man sich keine Sorgen, ständig kommen neue Mitglieder hinzu. „Wir konnten die Mitgliederzahl in den letzten 25 Jahren erheblich steigern“, so Scheer. Und er vergisst nicht zu erwähnen, dass der Hahnen-Club einer der größten Vereine in Rott ist. Und: Zahlenmäßig zur Hälfte seien die Mitglieder Damen und Herren, im Alter von zehn bis 95 Jahren. Man schätze die Gelegenheit, sich zu treffen, zu unterhalten, gemeinsam etwas zu unternehmen. Die Hahnen-Club-Mitglieder kennen sich, helfen einander und bilden ein Netzwerk im Ort.

Bei der Rotter Jubiläums-Hahnen-Kirmes, die am Samstag, 14. September, gefeiert wird, gibt es um 16 Uhr einen großen Festzug unter Beteiligung der Orts- und auswärtigen Vereine. Das musikalische Highlight steigt um 20 Uhr im Saal Hütten, wenn die Aachener Live-Band „Voices“ aufspielt. Bayerisches Weiß-Blau dominiert bei Bier, Grillhändl und Schweinshaxen. Ab 15 Uhr ist bei Hütten die Cafeteria geöffnet. Um 17.15 Uhr wird am Kriegerdenkmal im Rahmen der Feier „75 Jahre Freiheit“ ein Kranz niedergelegt.

Wer holt den Jubiläumstitel? Gibt es einen König? Eine Königin? Die Antworten auf diese Fragen werden ab 18 Uhr gegeben, wenn im Saal Hütten die wackeren Hahnenköpper zur Tat schreiten, um dem Flattermann den Garaus zu machen. Kann Christiane Gutzeit ihren Vorjahrestitel verteidigen? Oder macht ihr Mann Heinz-Peter Straeten ihr einen Strich durch die Rechnung? Willens werden sie alle sein, so auch Volker Scheer und Herbert Bortot, der bereits dreimal den begehrten Titel erringen konnte.

Alle bekunden: „Wir werden richtig draufhauen.“ Mindestens 20 Aspiranten dürften insgesamt bereitstehen. Volker Scheer: „Wir haben eine Tafel mit den Namen aller bisherigen Hahnenköniginnen und Hahnenkönige erstellen lassen, die in 49 Jahren die begehrten Titel erringen konnten. Jetzt sind wir gespannt, wer sich als 50. Majestät im Jubiläumsjahr darauf verewigen wird.“

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