Gemeinde macht Tempo bei der Raderlebnisweg „Roetgen-Schleife“

Neuer Radrundweg thematisiert die Befreiung : Gemeinde macht Tempo bei der „Roetgen-Schleife“

Die Planung für den thematischen Radrundweg „Roetgen-Schleife“ wird konkret. Für den Tourismus in der Eifel könnte der Weg ein neuer Anziehungspunkt sein. Der Stichtag zur Vorlage bei der Städteregion ist der 15. Oktober.

Sie könnte ein neuer touristischer Anziehungspunkt für die ganze Region werden: die „Schleife der Befreiung“ – ein knapp 41 Kilometer langer Radrundweg, an dessen Stationen Geschichte in besonderer Form erlebbar werden soll. Diese in Roetgen startende Tour ist eine von fünf „Raderlebnisschleifen“, die in der Städteregion in den kommenden Jahren über das Förderprojekt „Erlebnisraum Aachen/Eifel“ entwickelt werden.

Nachdem der Roetgener Gemeinderat im März grünes Licht für das Projekt gegeben hatte, wird die Planung nun konkreter: Demnach soll die bestehende Wanderstation am Pferdeweiher beziehungsweise dem Vennbahnradweg mit einem größeren Anbau als Startpunkt der Schleife deutlich erweitert werden. In einem Raum von knapp 40 Quadratmetern Fläche wird eine Dauerausstellung die Radfahrer künftig auf die vor ihnen liegende Strecke einstimmen. Geplant sind ferner ein Foyer sowie ein Mitarbeiterbüro.

Zentrales Thema dieses Informations- und Ausstellungszentrums ist die Befreiung Roetgens durch US-Truppen vor 75 Jahren. Details zur architektonischen Umsetzung gibt es bislang nur in Ansätzen, die Gestaltung der Ausstellung ist noch gar nicht thematisiert worden. Wie eine Sitzung des Tourismusausschusses in dieser Woche zeigte, gehen die Meinungen über das Projekt in der örtlichen Politik zudem noch deutlich auseinander. Von einer deutlichen Aufwertung des Areals an der Bundesstraße spricht Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss (SPD), von einem „scheußlichen Etwas“ Wolfgang Schruff (PRB), der durch den Anbau den Erholungswert des „Kurparks von Roetgen“ schwinden sieht.

Foto: grafik

Dieser „Kurpark“ hatte zuletzt vor allem Schlagzeilen in Zusammenhang mit dem Streit um die „Wanderbar“ gemacht: Weil die Gemeinde dem Betreiber Rojhat Inan vorwirft, seinen vertraglichen Pflichten im Hinblick auf die Betreuung der Wanderstation nur unzureichend nachgekommen zu sein, will sie den Vertrag zum 30. April des kommenden Jahres auslaufen lassen. Inan wehrt sich gegen die Vorwürfe und hat eine Onlinepetition gestartet, die inzwischen fast 700 Unterstützer gefunden hat. Die bei Radtouristen beliebte „Wanderbar“ wurde in der Ausschusssitzung allerdings mit keinem Wort erwähnt. Lediglich die Problematik der personellen Besetzung des Infopunktes kam zur Sprache. Diese sei „eine Herausforderung“, gab Klauss unumwunden zu. Klar ist derzeit nur, dass Uwe Breda, Geschäftsführer der Roetgen-Touristik, in dem künftigen Informationszentrum einen Teil seiner Arbeitszeit verbringen wird. Doch das reicht nicht, um das Zentrum dauerhaft zu öffnen und zu betreuen.

Kritisch beäugt mancher daher die Höhe möglicher Folgekosten für die Gemeinde Roetgen. An den Baukosten, die auf genau 321.000 Euro gedeckelt werden, ist die Eifelkommune nur zu zehn Prozent beteiligt. Weitere zehn Prozent trägt die Städteregion, der große Rest wird über das regionale Wirtschaftsförderungsprogramm (RWP) finanziert. In der Sitzung wurden erhebliche Zweifel daran geäußert, ob mit dieser Summe das Bauvorhaben tatsächlich zu stemmen sei. Klaus Onasch (SPD) regte deshalb bereits an, das geplante Foyer – die Verbindung zwischen dem bestehenden Gebäude und dem Neubau – ersatzlos zu streichen. Dadurch werde das Gebäude auch weniger massiv wirken, meint zudem die CDU.

Soll deutlich erweitert werden: die Wanderstation am Vennbahnweg. Foto: Marco Rose

Onasch: „Grundsätzlich ist die Idee, den Standort attraktiver zu machen, aber gut.“ Letztlich überwog daher die Zustimmung: Mit den Stimmen von SPD, CDU und den Grünen segnete der Ausschuss die Pläne im Grundsatz ab, setzte aber eine erneute Vorlage mit detaillierter Planung und Kostenaufstellung durch. Sorgen, die Ausstellungsfläche lasse sich nicht dauerhaft mit Leben füllen, wies Christa Heners von den Grünen zurück. „Das darf allerdings kein zu kleiner Raum werden, in dem sich die Besucher gegenseitig auf die Füße treten.“ Die UWG wiederum lehnt den Bau grundsätzlich ab und kritisiert die „lückenhafte Planung“ des Projekts: „Bevor man ein Häuschen baut, braucht man Klarheit über die Kosten“, sagte Silvia Bourceau.

Unabhängig vom Streit über Kosten und „Scheußlichkeiten“ stößt die geplante „Roetgen-Schleife“ aber auf viel Zustimmung im Ort. Sie verbindet die Wanderstation und den Vennbahnweg künftig mit der Westwallbrücke am Vichtbach, wo seit dem vergangenen Wochenende ein Denkmal an die Opfer der Weltkriege erinnert. Auf großen Infotafeln und Stelen sollen die Besucher an diesem Ort mit der leidvollen Geschichte konfrontiert werden.

Dazu ist auch ein Fahrradstellplatz geplant. Weiter geht es von hier über die Dreilägerbachtalsperre durch den Wald in Richtung Venwegen und Kornelimünster und von dort schließlich über Schmithof und Raeren zurück nach Roetgen. Weil das Projekt ohne Fördergelder nicht zu realisieren ist, muss die Gemeinde Roetgen allerdings Gas geben: Bis zum 15. Oktober soll der Städteregion die genehmigte Planung vorliegen, sonst droht aufgrund von strikten Vergabefristen ein Scheitern.

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