Kommentar zur Befreiung: Es bleibt noch vieles aufzuarbeiten

Kommentar zur Befreiung : Es bleibt noch vieles aufzuarbeiten

Befreiung oder Besatzung? Es ist schon bezeichnend, wie aus nahezu nichtigem Anlass auch heute noch eine solche Debatte entbrennen kann. Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss hat Recht, wenn er die Diskussion in dieser Form „sinnlos“ nennt.

Denn sie wird am Ende nur jenen nützen, die die Geschichte schon immer umdeuten wollten und nur auf Gelegenheiten warten, ihr rechtes Gedankengut unter das Volk zu bringen.

Dem Heimat- und Geschichtsverein Roetgen kann man diesen Vorwurf sicher nicht machen. Die Verantwortlichen haben mehrfach betont, dass wir aus heutiger Sicht natürlich von einer Befreiung sprechen. Das schließt nicht aus, dass Zeitzeugen des US-amerikanischen Einmarschs dies persönlich anders erlebt haben. Schließlich waren die wenigsten Deutschen Freiheitskämpfer, entsprechend tief saßen zunächst die Ängste vor den „Besatzern“.

Aber wir leben nun einmal nicht mehr in den 50er Jahren. Mit dem Wissen von heute muss man den Amerikanern – und nicht nur ihnen – zutiefst dankbar sein, dass sie uns von der braunen Pest befreit haben. Wer das in Abrede stellt, verlässt den Wertekonsens unserer Republik. Die Debatten belegen indes auch, dass selbst 75 Jahre nach der Befreiung noch vieles – auch vor Ort – aufzuarbeiten ist, was lange Zeit verdrängt und verschwiegen wurde.

Mehr von Aachener Zeitung