Der TV Roetgen wird 125 Jahre alt und feiert das mit einem Sternmarsch

TV Roetgen feiert Jubiläum : Ein Verein, der mehr als Sport vermittelt

Vor 125 Jahren fing alles damit an, dass 14 Männer nicht mehr den Weg nach Aachen auf sich nehmen wollten, um zu turnen. Kurzerhand gründeten sie am 15. September 1894 den TV Roetgen, um ihren Turnsport selbstständig im Heimatort ausüben zu können. In diesem Jahr feiert der TV Roetgen Jubiläum, die große Feier steigt am 6. Juli.

Laurin Melms war damals natürlich noch nicht dabei, trotzdem hat er schon eine lange eine Verbindung zum Verein. „Mitglied bin ich seit dem 11. Februar 1999, da war ich elf Monate alt“, erzählt er. Zuerst nahm Melms am Kinderturnen teil, drei Jahre später wechselte er dann zum Handball. In dieser Abteilung ist er seitdem geblieben. Mittlerweile ist er seit über 20 Jahren im Verein und hat eine steile Karriere hingelegt. „Als B-Jugendlicher habe ich angefangen, die F-Jugend mit zu trainieren, mit 15 habe ich dann den Jugendvorstand mit aufgebaut“, berichtet er.

Mittlerweile betreut er nicht nur drei Handballmannschaften und spielt selbst in der ersten Herrenmannschaft. Melms ist seit einem knappen Jahr auch fest als Mitarbeiter in der Geschäftsstelle angestellt – erst als Minijobber, jetzt als Teilzeitkraft als sogenannter Assistent der Geschäftsführung. Doch damit nicht genug: Der 21-Jährige ist auch Vorstandsmitglied und kümmert sich dort um das Marketing und die Pressearbeit.

Neun Abteilungen und 1913 Aktive

Melms ist also mitten drin im Vereinsleben und kennt deshalb auch alle wichtigen Zahlen und Fakten. Neun Abteilungen führt der TV Roetgen zurzeit: Badminton, Fitness, Handball, Indoorcycling, Kampfsport, Laufen, Leichtathletik, Turnen und Volleyball. Die größte ist Fitness mit 519 Aktiven, Handball kommt auf 421. Insgesamt gehören dem Verein 1913 Mitglieder an. „In den letzten etwa 25 bis 30 Jahren sind Badminton, Kampfsport und Indoorcycling dazugekommen, die Fitnessabteilung hat sich unglaublich entwickelt“, sagt Melms, „wir mussten uns aber auch von Abteilungen verabschieden, zum Beispiel von Tischtennis.“

Die erste eigene Turnhalle wurde 1930 eingeweiht, sie war 16 mal acht Meter groß. Foto: TV Roetgen/Archiv

In der jüngeren Vergangenheit gab es allerdings nicht nur Bewegung im sportlichen Bereich. Der Vorstand wurde 2012 komplett neu strukturiert. Der Verein hat sich wegbewegt vom klassischen Modell mit einem 1. Vorsitzenden und einem Kassierer. Stattdessen arbeiten die Vorstandsmitglieder nun nach einem Ressortprinzip. „Wir haben überlegt, was es für Aufgaben gibt und wie wir die strukturieren können, um alle besser zu entlasten“, erklärt Melms.

Das vorherrschende Thema, das sich wie ein roter Faden durch die jüngere Vereinsgeschichte zieht, ist aber der Neubau der Sporthalle. Zwar hatte der TV bereits 1930 seine erste eigene Turnhalle eingeweiht, die hatte damals aber Maße von gerade einmal 16 mal 8 Metern. Die aktuelle Dreifachsporthalle ist in drei Bauabschnitten entstanden und seit 2010 in diesem Zustand. „Der Hallenbau war in den letzten 25 Jahren schon immens wichtig“, sagt Melms.

Abgesehen davon ist aus der Zeit nach 1994, also nach dem 100. Geburtstag, gar nicht so viel archiviert. „Die ersten 100 Jahre sind sensationell aufgearbeitet, danach wird es bis etwa 2008 doch recht mau“, stellt Melms fest. Deshalb wird es zum diesjährigen Geburtstag auch keine eigene Chronik oder Festschrift geben. Stattdessen hat man sich eine Besonderheit für das jährlich erscheinende Vereinsheft einfallen lassen. „Auf den ersten Blick sieht es aus, wie ein normales Heft“, berichtet Melms, „aber wenn man es umdreht, kann man von hinten die Jubiläumsausgabe lesen.“

Darin wird versucht, die Zeit seit der Gründung anhand von vielen Bildern aus den unterschiedlichen Epochen nachzuzeichnen. Die vergangenen 25 Jahre werden nochmal abteilungsspezifisch aufgearbeitet. Eine Jubiläumswoche wird es ebenfalls nicht geben, vielmehr sollen die Feierlichkeiten in die Veranstaltungen übers Jahr hinweg integriert werden. Eine Ausnahme gibt es dann aber doch: das Jubiläumsfest am 6. Juli. „Wir beginnen mit einem Sternmarsch, um zu zeigen, dass wir aus dem ganzen Ort kommen“, erklärt Laurin Melms. Anschließend gibt es dann noch eine Party.

Werner Kreitz, Vorsitzender von 1968 bis 1994, überblickt den ersten Rakkeschlauf im Jahr 1980 (damals noch ohne Halbmarathon). Foto: TV Roetgen/Archiv

Doch der TV Roetgen schaut anlässlich des Jubiläums nicht nur in die Vergangenheit, ganz im Gegenteil: „Wir sind mehr als nur ein Dienstleister, wir sind ein Verein“, sagt Melms und meint damit das große Ganze eines Sportvereins. „Früher war es Tradition, dass man viel außerhalb des Sportes unternommen hat, das versuchen wir gerade auch wieder zu etablieren.“ Der Slogan „Mehr als Sport“ beschreibe das genau und zeige, wie wichtig solche Dinge für das Vereinsleben sind. „So etwas gibt den Jugendlichen viel mehr und stärkt den Verein auch in ihrer Freizeit, weil sie zum Beispiel Freundschaften schließen“, weiß Melms.

Zudem biete der TV Roetgen in seinen Sportangeboten mehr als nur ein paar Stunden Spaß für die Teilnehmer. „Wir haben da einen größeren Auftrag, man vermittelt auch Dinge wie Disziplin und Miteinander“, sagt der 21-Jährige. Etwa 130 Mitarbeiter sorgen ehrenamtlich dafür, dass die Mitglieder möglichst viel von der Teilnahme mitnehmen. Dazu zählen nicht nur Übungsleiter, sondern zum Beispiel auch Hausmeister, Schiedsrichter und Organisatoren. „Hier stecken so viele Leute hinter, die mit Herzblut arbeiten und deren Lebensaufgabe das ist“, sagt Melms.

Um zukunftsfähig zu bleiben, hat er mit seinen Vorstandskollegen schon einige Ideen gesammelt. Man stelle zurzeit erste Überlegungen an, ob der Bau eines eigenen Fitnessstudios möglich wäre. „Unsere Fitnesskurse boomen, die Nachfrage ist da“, kommentiert Melms. Außerdem soll die Kugelstoßanlage neben der Halle verlegt werden, so dass die frei gewordene Fläche zum Beachvolleyballfeld umgebaut werden kann. Die kürzlich angekündigten finanziellen Mittel des Landes NRW sollen hingegen in den Hallenboden fließen, wenn es nach dem TV Roetgen geht. „Den aktuellen Boden haben wir selbst verlegt, das sieht man langsam“, erklärt Melms. Man wolle den kompletten Boden erneuern, um einen Flickenteppich zu vermeiden.

Es wird also auch nach 125 Jahren nicht langweilig beim TV Roetgen. Die zahlreichen Mitglieder blicken optimistisch in die Zukunft. Der Sternmarsch soll das unterstreichen, wenn möglichst viele Roetgener ihre Unterstützung für den Verein zeigen.

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