Damenhandtasche mit viel Inhalt baumelte am Einkaufswagen

Herrenlose Damenhandtasche : Roetgenerin findet 8000 Euro – und gibt sie ab

Für einen Moment stockte Elke Schornstein der Atem, als sie in die große Damenhandtasche schaute, die sie gerade gefunden hatte. Neben einigen Dingen, die frau üblicherweise in einer solchen Tasche deponiert, entdeckte die 36-Jährige auch zwei offene Briefumschläge. Der Inhalt: über 8000 Euro in bar.

Elke Schornstein hatte am Samstagvormittag ein paar Einkäufe im DM-Markt erledigt und wollte ihren Einkaufswagen in den Unterstand zurückschieben, als sie die große, hochwertige Tasche der Nobelmarke Michael Kors am Wagen vor ihr baumeln sah. „Ich nahm die Tasche an mich und schaute mich auf dem Parkplatz um, ob die Besitzerin vielleicht noch in der Nähe wäre“, erzählt die 36-Jährige.

Da niemand suchend auf dem Parkplatz umherirrte, setzte sich Elke Schornstein in den Wagen, schaute in die Tasche und machte die eingangs geschilderte Entdeckung. Noch einmal vergewisserte die junge Frau sich daraufhin, ob nicht doch jemand zum Fundort zurückgekehrt war und machte sich auf den kurzen Weg nach Hause, „um die Tasche erst einmal dort abzustellen und die Sache mit meinem Mann zu besprechen“, erzählt sie und ergänzt: „Etwas zu finden, ist das eine, aber einen solch großen Geldbetrag irgendwo zu finden, ist schon etwas Anderes.“

Es liege wohl in der Natur des Menschen, „dass einem sofort Gedanken durch den Kopf schießen, was man mit 8000 Euro so alles anfangen könnte“, erzählt die dreifache Mutter. Und doch war es für sie keine Sekunde lang eine Option, das Geld zu behalten, obwohl es ein Leichtes gewesen wäre. Schließlich hatte sie selbst zwei Wochen zuvor eine recht ähnliche Erfahrung gemacht: „Ich hatte mein Smartphone verloren und mit ihm unendlich viele Foto-Erinnerungen an unseren Hausbau und meine Familie. Und ich war für einen Moment der glücklichste Mensch der Welt, als eine ehrliche Finderin aus Roetgen mir das Gerät wenig später unversehrt nach Hause brachte, da sie mich auf dem Bildschirm erkannt hatte“, berichtet die 36-Jährige.

Doch nicht nur das bekräftigte sie in ihrem Vorhaben, den Fund der Polizei zu melden. „Für mich war die Rückgabe der Tasche und des Geldes kein Verlust, denn ich habe es ja nie besessen. Aber ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie verzweifelt wohl die Besitzerin sein musste“, sagt sie und fügt hinzu: „Bei einer solchen Summe war mir ehrlich gesagt auch etwas mulmig zumute, weil man ja nicht wissen kann, was dahinter steckt.“

Also verständigte sie telefonisch die Polizei, die zunächst wissen wollte, ob sich kein Hinweis auf die Besitzerin in der Tasche finde. Da Elke Schornstein nur ein Notizbuch mit ein paar Telefonnummern entdeckt hatte, schickte die Leitstelle wenige Stunden später zwei Beamte zu ihr, um das Fundstück abzuholen.

Wie die Beamten zu verstehen gaben, sei der Verlust der Tasche gemeldet worden. „Die Polizei meldete sich dann später noch einmal, um nachzufragen, ob sie meine Telefonnummer an die Besitzerin der Tasche weitergeben dürfe. Dem hab ich nach kurzer Überlegung zugestimmt“, berichtet sie weiter.

Bis Montagmittag aber hatte sich noch niemand in Roetgen gemeldet, was Elke Schornstein schon ein wenig wundert. Vielleicht sei die Besitzfrage ja noch nicht abschließend geklärt, vermutet sie. Der Zuspruch von Familie und Freuden gibt ihr auf jeden Fall das Gefühl, das Richtige getan zu haben. Und mit einem Augenzwinkern schrieb Elke Schornstein im sozialen Netzwerk: „Jeden Tag eine gute Tat. Jetzt darf Karma mein Leben besuchen!“